Aktualisiert: 01.03.2021 - 17:17

Die richtige Verteilung "Impfstoff-Welle": Wie verimpfen wir die Vakzine jetzt so effektiv wie möglich?

Impfung nach Impfung in die Arme – so könnte und sollte es nun mit den immer größer werdenden Impfstoff-Lieferungen aussehen in Deutschland. Doch es gibt Hürden. Wie überwinden wir die?

Foto: Getty Images/Ian Forsyth / Freier Fotograf

Impfung nach Impfung in die Arme – so könnte und sollte es nun mit den immer größer werdenden Impfstoff-Lieferungen aussehen in Deutschland. Doch es gibt Hürden. Wie überwinden wir die?

Erst hatten wir nicht genügend Impfstoff, jetzt bleibt er zurück – und in den kommenden Wochen kommen immer größere Lieferungen pro Woche. Wie verteilen wir die Vakzine jetzt am besten?

Deutschland bekommt mehr Impfstoff – und zwar viel mehr. Im März sollen, wenn alles glatt läuft, die Zahlen der ausgelieferten Impfdosen drastisch steigen. Die "Welt" schreibt vor diesem Hintergrund von einer "Impfstoff-Welle" – gemessen an den bisher erhaltenen Impfdosen. Währenddessen bleibt in den Impfzentren Impfstoff liegen. Wie verhindern wir das und ebnen jetzt den Weg für schnellere Impfungen?

Mehr Vakzin für Deutschland: Impfstoff-Welle bäumt sich auf

Die "Welt" schreibt unter Berufung auf Daten vom Bundesgesundheitsministerium: Wöchentlich wurden im Laufe der Impfkampagne im Schnitt rund eine Million Impfdosen ausgeliefert. Anfangs weniger, zuletzt mehr. Bis Freitag, 26. Februar, lag die Gesamtlieferung an Impfdosen laut Aufstellung des Bundesgesundheitsministeriums bei knapp 8,5 Millionen. Knapp 4,1 Millionen Menschen in Deutschland haben bisher mindestens eine Impfdosis erhalten, davon knapp 2,1 Millionen bereits beide Dosen. Macht etwa 6,2 Millionen verimpfte Dosen (Stand 28. Februar 2021).

Die Zahl der gelieferten Dosen steigt aber weiter. In den nächsten drei Wochen sollen wöchentlich 1,7 Millionen Impfdosen ankommen. Bis zum 21. März sind für Deutschland 14,68 Millionen Impfdosen anvisiert, bis Ostern noch einmal 4,27 Dosen mehr – also rund 19 Millionen. Mittelfristig kommen dann noch neue Impfstoffe dazu, etwa der von Johnson & Johnson, der bald zugelassen werden könnte, oder der von Curevac, die derzeit auf eine Zulassung im Juni hoffen. Wo stehen wir jetzt?

Woran hapert es derzeit?

Das klingt einerseits äußerst beruhigend. Doch kommen wir da mit der bisherigen Impfstrategie hinterher? Denn aktuell bleibt, wie wir oben gesehen haben, bereits Impfstoff liegen. Am Freitag lagen noch rund 2,5 Millionen Impfdosen ungenutzt herum, Stand 28. Februar waren es noch mehr als 2,3 Millionen. Wo liegt das Problem?

Oder besser gesagt: die Probleme. Einerseits spielt wohl eine gewisse Abneigung gegen den Impfstoff von AstraZeneca mit hinein. Das könnte sich aber bald ändern, denn neue Daten zeigen, dass das Vakzin sehr wohl bei Älteren wirkt und bei einer Anpassung des Impfintervalls einen durchaus sehr guten Impfschutz bietet. Gleichzeitig gibt es einige Hürden bei der Impftermin-Vergabe. Jedes Bundesland geht etwas anders vor. In den einen Ländern gibt es Impfeinladungen per Post, in anderen wiederum müssen sich Menschen aus der derzeitigen Prio-Gruppe selbst darum kümmern. Doch es fehlt an Kommunikation, was wiederum zu Verwirrung führt.

Zudem wird neben den mobilen Impfteams in Pflegeheimen bisher fast ausschließlich in Impfzentren geimpft. Die haben teils noch wenig zu tun, kommen aber auch mit wenig Anlauf schon nicht überall gut hinterher.

Der derzeitige Impf-Tagesrekord liegt in Deutschland bei 170.000 Impfdosen. Doch damit nichts liegen bleibt, müssen mehr her. Damit das klappt, braucht es also eine vollständige Auslastung der Impfzentren und weitere Möglichkeiten der Impfung – etwa durch Hausärzte.

Mehr Impfstoff = mehr Menschen impfen: Was ist jetzt zu tun?

Das alles stellt die Bürokratie hinter den Abläufen sowie die Politik vor eine Herausforderung. Je mehr Impfstoff vorhanden, desto schneller kann theoretisch geimpft werden. Je mehr Menschen eine Erstimpfung erhalten können, desto mehr wird auch los sein in den Impfzentren. Was bedeutet das in der Praxis?

  1. Die Terminvergabe muss glatter verlaufen. Es muss transparenter kommuniziert werden, wer wann dran ist, die Infrastruktur in der Terminvergabe muss fehlerfrei funktionieren. In den vergangenen Wochen hatten viele Menschen Probleme, an Termine zu kommen. Das muss sich jetzt ändern. Eine Hürde müssen Sie derzeit selbst überwinden: Je nach Bundesland wird die Terminvergabe wie gesagt anders geregelt. Infos für Ihr Bundesland finden Sie auf den jeweiligen Seiten Ihres Bundeslandes. Eine Zusammenfassung gibt es hier unter zusammengegencorona.de.
  2. Gleichzeitig muss der Weg für Impfungen bei Hausärzten geebnet werden. Versuche gibt es bereits, geebnet werden soll der Weg dahin bis Mitte März. Bis dahin soll geklärt sein, wie die Abrechnungen laufen.
  3. Damit das klappt, muss insbesondere das gut lagerbare Vakzin von AstraZeneca breiter verteilt werden. Entweder, indem man jüngere Impfgruppen vehement vorzieht oder es auch für Ältere zulässt. Die Stiko prüft dies gerade, denn neue Daten aus Großbritannien bestätigen dem AstraZeneca-Impfstoff eine hohe Wirksamkeit auch bei Älteren.
  4. Gleichzeitig wird darüber diskutiert, bei diesem Impfstoff die Zweitimpfung zeitlich zurückzustellen, damit schneller mehr Menschen mit der ersten Dosis versorgt werden können. Die Daten zur Wirksamkeit untermalen dies, denn offenbar reduziert schon eine Impfdosis Krankenhauseinweisungen um rund 94 Prozent und der Impfschutz ist höher, wenn rund drei Monate bis zur Zweitimpfung gewartet wird.
  5. In einer perfekten Welt würde dann noch die Impfbereitschaft innerhalb der Bevölkerung steigen. Wie das erreicht werden könnte? Strukturierte und transparente Berichterstattung seitens Regierung über die Wirksamkeitsdaten der Impfstoffe – inklusive Information bei neuen Erkenntnissen. Und dazu: Medienwirksame Impfungen von Politikern oder berühmten Persönlichkeiten. Die sind mit steigender Impfstoff-Verfügbarkeit dann auch möglich.

Impfungen als Weg aus der Krise verstehen

Wichtig ist dazu für jeden von uns außerdem, zu verstehen, wie Impfungen funktionieren, außerdem wie weit Impfungen uns bereits gebracht haben und zu erkennen, dass etwa das Vakzin von Astrazeneca kein "Impfstoff zweiter Klasse" ist.

Geringere Impfstoff-Wirksamkeit – na und?!
Geringere Impfstoff-Wirksamkeit – na und?!

Wichtig ist außerdem zu verstehen, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse ständig ändern und nichts rund um das Coronavirus in Stein gemeißelt ist. Natürlich kann es sein, dass die Pandemie irgendwann auch ohne flächendeckende Impfungen abflacht. Es kann aber auch sein, dass bis dahin noch weit mehr Menschen sterben als die weltweit bisher 2,5 Millionen – und viele Millionen mehr an Folgen der Krankheit leiden. Und genau diese Szenarien gilt es so gut wie möglich zu unterbinden.

Das Gute: Wenn jetzt die richtigen Strippen gezogen werden, die Impfzentren gut vorbereitet sind, die Politik richtig reagiert und sich nebst Öffnungen vor allem auf Impfungen konzentriert UND uns allen bewusst ist, dass das alles nur Hand in Hand, nach und nach geht, dann schaffen wir es auch, mit der Impfstoff-Welle die dritte Corona-Welle zu brechen.

Quellen: Bundesgesundheitsministerium/impfdashboard.de/zusammengegencorona.de, welt.de, zdf.de, RKI, WHO

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