Aktualisiert: 26.02.2021 - 17:53

Hersteller forschen bereits Wegen Mutanten: Corona-Impfstoffe lassen sich schnell anpassen

Müssen die Impfstoffe angepasst werden – und wie schnell geht das überhaupt? Hersteller erforschen bereits mögliche Wege.

Foto: Getty Images/janiecbros

Müssen die Impfstoffe angepasst werden – und wie schnell geht das überhaupt? Hersteller erforschen bereits mögliche Wege.

Diverse neue Coronavirus-Varianten machen die Runde. Einige davon beeinflussen die Wirkung der bisher zugelassenen Impfstoffe. Warum das aber kein unlösbares Drama ist:

Jetzt, wo Corona-Mutanten die Runde machen – lohnt da die Impfung überhaupt noch? Die Antwort lautet klipp und klar: JA! Denn auch, wenn die derzeitig verfügbaren Impfstoffe nicht gegen alle Varianten so gut wirken, so schützen sie dennoch noch immer gut vor schweren Verläufen und vor allem vor dem Tod durch Covid-19. Dennoch sollen zukünftig Covid-Impfstoffe an Mutanten angepasst oder neu entwickelt werden. Ersteres klappt im Falle einer Impfstoff-Art besonders gut und innerhalb weniger Wochen.

Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es
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Covid-Impfstoffe anpassen: Dass das passieren kann, war lange klar

"Sechsfach weniger Impfschutz" – so lautete so manche Schlagzeile rund um die derzeit kursierenden Corona-Varianten und die aktuell verfügbaren Impfstoffe. In Südafrika ist sogar die Impfung mit AstraZeneca unterbrochen worden, weil der Impfstoff die Erkrankung durch die Mutante B.1.351 nicht gänzlich verhindern kann. Mittlerweile ist klar: Immerhin schützt der Impfstoff trotzdem vor besonders schweren Verläufen. Doch natürlich will man mehr erreichen.

Das Gute: Die derzeitigen Impfstoff-Rezepturen sind nicht in Stein gemeißelt. Dass Impfstoffe möglicherweise angepasst werden müssen im Laufe der Pandemie und vielleicht darüber hinaus, war den Herstellern von vorne herein klar.

So lange brauchen die Impfstoff-Hersteller für Anpassungen

Gerade die Hersteller der mRNA-Impfstoffe machen Mut: Ihre Vakzine lassen sich sehr schnell herstellen und entsprechend auch anpassen. Übrigens ist das ein Grund dafür, dass wir bereits weniger als ein Jahr nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO den Pandemiestatus ausgerufen hat, funktionierende Impfstoffe haben.

So erklärte etwa Biontech-Chef Uğur Şahin bereits vor Wochen, dass das Unternehmen sein Vakzin innerhalb von sechs Wochen auf neue Corona-Varianten anpassen könne. Das betont auch Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Theoretisch können dann innerhalb weiterer sechs Wochen mit bestehenden Anlangen millionenfach neue Impfdosen hergestellt werden.

Bei Biontech in Mainz habe man bereits mit der Forschung für angepasste Impfstoffe begonnen, um schnell handeln zu können, erklärt Şahin in einem virtuellen Expertengespräch des Science Media Centers. Man teste immer wieder neue Varianten. Und auch Moderna arbeitet bereits an einem modifizierten mRNA-Impfstoff gegen die Variante B.1.351.

Vektor-Impfstoffe wie der von AstraZeneca oder das russische Vakzin Sputnik V benötigen etwas mehr Zeit. Für sie müssen erst neue Trägerviren, die Vektorviren, herangezüchtet werden, erklärt die Hamburger Impfforscherin Marylyn Addo in dem Gespräch. Sie geht hier von etwa drei bis vier Monaten aus. AstraZeneca hat mit diesem Prozess ebenfalls bereits begonnen, berichtet die Tagesschau in Bezug auf Unternehmensangaben.

Längsten Prozess möglicherweise verkürzen

Das, was dann letztendlich am längsten dauert, ist die Freigabe. Denn theoretisch müssten dann wieder Studien gemacht werden. Jedoch müssten die Impfstoffe nur geringfügig verändert werden. Vor diesem Hintergrund laufen laut Cichutek bereits Gespräche auf EU-Ebene. Eine komplette Neuzulassung würden angepasste Impfstoffe, deren Vorgänger bereits auf dem Markt sind, im besten Fall nicht mehr brauchen, sofern sie mit demselben Verfahren hergestellt würden. Dennoch würde jedes angepasste Mittel vorher auf seine Wirksamkeit und Sicherheit getestet. Es müsse sich zeigen, dass ein angepasster Impfstoff mindestens genauso viele Antikörper gegen neue Varianten erzeuge wie das Original gegen das Ausgangsvirus und auch die Sicherheit müsse bestätigt werden. Neue Labor- und Tierversuche sowie große klinische Studien seien dann voraussichtlich aber nicht nötig.

Je nachdem könnten angepasste Impfstoffe also innerhalb von einigen Wochen bis Monaten zur Verfügung stehen. Sicherheit geht dabei vor. Man könne aber klinische Wirksamkeitsstudien von Tausenden auf Hunderte Probanden verkleinern. Hersteller Moderna geht daher laut Pharmazeutischer Zeitung davon aus, dass bis zur Marktzulassung durchaus etwa fünf Monate vergehen könnten.

Warum eigentlich anpassen?

Noch, so betont es auch Cichutek vom PEI, sei eine Anpassung der Imfpstoffe aber nicht nötig. Stand jetzt funktionieren die bestehenden Impfungen immer noch. Insbesondere um den Impfschutz vor der hier grassierenden Mutante B.1.1.7 brauchen wir uns daher keine Gedanken zu machen – egal bei welchem Impfstoff.

Der Impfschutz geht auch bei den anderen Coronavirus-Varianten nicht komplett flöten, denn Mutationen kommen immer nur an einigen wenigen Stellen vor. Die Impfungen veranlassen im Körper aber den Bau eines Antigens, das dem gesamten Spike-Protein gleicht. Mutationen an einzelnen Stellen sind daher nicht dramatisch. Die vom Körper als Reaktion auf den Impfstoff hergestellten Antikörper und all die anderen Abwehrzellen, etwa die T-Zellen, erkennen Sars-CoV-2 trotzdem noch, wenn es in den Körper eindringt, springen darauf an und bekämpfen es. Eine Impfung würde damit immer noch mindestens schwere Erkrankungen und vor allem tödliche Verläufe verhindern können. So sieht es derzeit beim AstraZeneca-Vakzin aus. Gegen die Variante B.1.351 wirkt der zwar immer noch, kann aber offenbar laut bisherigen Erkenntnissen nur noch minimal vor leichten und moderaten Covid-Erkrankungen schützen.

Mehr dazu: Geringere Impfstoff-Wirksamkeit – na und?!

Problematisch würde es, wenn das Coronavirus fröhlich weitermutieren würde, während sich Imfpstoffhersteller zurücklehnen und nicht darauf reagieren. Dann könnte es irgendwann so weit sein, dass sich das Coronavirus so stark verändert hat, dass unsere Antikörer es gar nicht mehr erkennen und dass der Impfschutz zu gering wird um selbst vor schweren Verläufen zu schützen. Doch das passiert nicht: Während weltweit zahlreiche Hersteller an neuen Impfstoffen arbeiten und die aktuellsten Entwicklungen mit einbeziehen, sind die Hersteller der bisher zugelassenen Impfstoffe wie oben erwähnt bereits dabei, die Impfstoffe sozusagen zu "updaten".

Exkurs: So ähnlich läuft das übrigens auch bei Grippeviren. Die verändern sich rasend schnell und verändern sich dadurch viel schneller in ihrem Aussehen als es ein Coronavirus je könnte. Übrigens ist das der Grund, warum die Grippeimpfung jährlich erfolgt und auch nicht immer greift. Denn manchmal stecken wir uns mit einer Variante an, die die durch die Impfung gebildeten Antikörper nicht erkennen.

Nachimpfungen mit großer Wahrscheinlichkeit

Je nachdem, wie sich das Coronavirus Sars-CoV-2 entwickelt kann es daher sein, dass wir uns immer mal werden nachimpfen lassen müssen. Das geht dann Experten zufolge auch mit anderen Impfstoffen als dem, den man zuerst bekommen hat. Bei der Grippeimpfung bekommen wir auch nicht immer dieselbe Marke. Voraussichtlich wird es dann auch nicht mehr unbedingt eine Doppelimpfung geben, sondern eine sogenannte "Booster-Impfung", die die Impfschutz auffrischt und den Körper gegen neue Varianten wappnet.

Den besten Impfschutz erreichen wir allerdings, wenn wir die Zahl der Mutanten klein halten. Und das schaffen wir, indem wir die Verbreitung des Virus weiter eindämmen. Denn je mehr Menschen es heimsucht, desto mehr Möglichkeiten hat es auch, sich zu verändern. Je weniger Fläche es dafür bekommt, desto weniger müssen wir uns Gedanken um die Anpassung von Impfstoffen machen.

Wie funktioniert eigentlich so eine Impfung und wann ist man immun? Solche Artikel und weitere Infos rund um Impfungen und um das Coronavirus lesen Sie auf unseren Themenseiten

Quellen: aerzteblatt.de/dpa, pharmazeutische-zeitung.de, tagesschau.de

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