Aktualisiert: 01.02.2021 - 17:26

AstraZeneca und die Mutanten Geringere Impfstoff-Wirksamkeit – na und?!

Mit Impfstoffen gegen das Coronavirus: Die bisherigen Vakzine sind etwas weniger wirksam gegen die neuen Mutationen. Doch auch 60 bis 70 Prozent Wirksamkeit sind noch immer hoch – und jedes Prozent rettet Leben, denn der Schutz vor schweren Verläufen ist da.

Foto: Getty Images/VICTOR HABBICK VISIONS/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Mit Impfstoffen gegen das Coronavirus: Die bisherigen Vakzine sind etwas weniger wirksam gegen die neuen Mutationen. Doch auch 60 bis 70 Prozent Wirksamkeit sind noch immer hoch – und jedes Prozent rettet Leben, denn der Schutz vor schweren Verläufen ist da.

Derzeit ist das Thema Wirksamkeit der Impfstoffe vieldiskutiert: Die aktuell kursierenden Mutanten setzen sie teilweise etwas herunter – und das Vakzin von AstraZeneca wird gar als "Impfstoff zweiter Klasse" bezeichnet – aber mit Unrecht. Denn eine geringere Wirksamkeit ist gar nicht so dramatisch.

Vor weniger als einem Jahr noch haben wir daran gezweifelt, überhaupt einen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 zu finden und wären schon mit der geringsten Wirksamkeit zufrieden gewesen. Nun haben wir zwei Impfstoffe mit extrem hoher Wirksamkeit – und einen mit einer etwas schwächeren, dazu mehrere Virusmutanten, die diese Wirksamkeiten etwas einschränken. Grund zur Panik ist das aber nicht – denn auch eine geringere Impfstoff-Wirksamkeit rettet Leben.

Geringere Impfstoff-Wirksamkeit – na und?!
Geringere Impfstoff-Wirksamkeit – na und?!

Ist eine geringere Impfstoff-Wirksamkeit Grund zur Sorge?

Derzeit machen mehrere Coronavirus-Varianten die Runde: Das Virus ist an mehreren Stellen mutiert, unter anderem an Stellen am sogenannten Spike-Protein, mit dem es sich Zugang zu unseren Zellen verschafft. Erste Untersuchungen zeigen, dass zumindest die südafrikanische Variante B.1.351 dafür sorgt, dass Impfstoffe etwas weniger wirksam sind.

Hinzu kommt, dass der neu zugelassene Impfstoff von AstraZeneca laut Studien eine geringere Wirksamkeit aufweist als die anderen bereits verimpften Vakzine. Da die Datenlage nicht hoch genug ist, wird dieser Impfstoff nun von der Stiko in Deutschland für Personen unter 65 Jahren empfohlen.

News dieser Tage lassen da schnell einmal den Gedanken aufkeimen, dass damit ja möglicherweise alles umsonst sei. Muss man dann überhaupt impfen? Wir möchten und müssen hier feststellen: JA! Auch, wenn die Wirksamkeit auf den ersten Blick geringer erscheint und das sicherlich im ersten Moment auch Angst machen kann, so ist sie dennoch noch immer hoch und vor allem eines: lebensrettend. Denn eines fällt bei all der Diskussion schnell unter den Tisch: Auch etwas weniger wirksame Impfstoffe schützen vor schweren Verläufen und damit vor dem Tod!

Epidemiologin erklärt: Darum ist jeder Impfschutz besser als keiner

Den Gedanken greift unter anderem Dr. Katelyn Jetelina auf. Sie ist Epidemiologin und führt die Facebook-Seite "Your local epidemiologist" und hat einen Eintrag zum Thema verfasst. Die Überschriften der vergangenen Tage stoßen ihr etwas auf und sie möchte die Verwirrung und die dadurch entstehende Angst auflösen, indem sie Folgendes feststellt:

"Wir (Epidemiologen) sind immer noch sehr erfreut, auch über "weniger" wirksame Impfstoffe", schreibt sie. Und: "Wir sind noch immer sehr voller Hoffnung, dass die Impfstoffe die Pandemie stoppen, auch wenn Varianten die Effektivität der Vakzine verringern." Warum das so ist, erklärt sie im Anschluss.

"Im Jahr 2020 haben wir auf Impfstoffe mit etwa 50-prozentiger Wirksamkeit gehofft", schreibt sie. Dann seien Moderna und Pfizer (mit Biontech, Anm. d. Red.) mit wahnsinnig guten Wirksamkeiten von um die 95 Prozent ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt. Daneben nennt sie noch den noch nicht zugelassenen Impfstoff Novavax mit laut Phase-III-Studie ähnlich hoher Wirksamkeit. Die beiden Vakzine von AstraZeneca und Johnson&Johnson liegen zwar darunter – aber zeigen noch immer (weit) über die ursprünglich erhofften 50 Prozent Wirksamkeit.

Aber was ist die Wirksamkeit überhaupt? Auch das erklärt sie: "Die Wirksamkeit zeigt uns: 'Wie effektiv, wie wirksam ist ein Vakzin, vor der Krankheit zu schützen?'". Wenn also 100 Menschen an Covid-19 erkrankt seien, so würden die Impfstoffe mit 95-prozentiger Wirksamkeit 95 davon vor der Krankheit schützen.

Jetzt sind aber neue Varianten dazugekommen, bei denen die Wirksamkeit der Impfstoffe teilweise sinkt. Sie nennt das Beispiel Novavax: Deren Impfstoff zeigt für die britische Variante B.1.1.7 eine Wirksamkeit von 86 Prozent sowie für die südafrikanische Variante B.1.351 eine Wirksamkeit von etwa 60 Prozent. Wenn also 100 Menschen an Covid-19 erkranken, sind immer noch 86 davon gegen B.1.1.7 geschützt und 60 gegen B.1.351. Und das, so stellt sie fest, sei doch immer noch besser als gar nichts.

Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?
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Mehr zu den Varianten: Neue Coronavirus-Varianten: Die Impfstoffe wirken – zumindest großteils

Auch wenn Geimpfte erkranken – die Symptome sind viel schwächer

Ganz wichtig dabei ist aber eines: Auch die anderen 14 bzw. 40 Menschen in unserem Beispiel sind damit der Krankheit nicht komplett ausgeliefert wie gänzlich ohne Impfschutz. Denn die Impfstoffe können den Ausbruch der Krankheit nicht nur verhindern, sie schaffen es insbesondere, den Verlauf abzumildern. Das bedeutet: Wer geimpft ist, kann zwar möglicherweise noch erkranken, zeigt dabei aber mit hoher Wahrscheinlichkeit mildere Symptome. Der Körper kann sich auch mit nicht ganz vollständigem Impfschutz besser gegen das Virus wehren.

Jetelina erklärt dies anhand der Placebogruppen in den klinischen Studien am Beispiel des Impfstoffes von Moderna. In deren klinischer Studie waren 30 Probanden schwer an Covid-19 erkrankt. Alle waren Teil der Placebogruppe. In der Impfstoffgruppe waren zwar auch Probanden erkrankt, jedoch ausschließlich mit milden Symptomen.

Sie schließt ihren Post mit einem Ausdruck der Enttäuschung über die negativen Schlagzeilen zu den Impfstoffen und betont: "Wir sollten alle unglaublich glücklich sein über die Impfstoff-Ergebnisse. Und wir sollten immer noch voller Hoffnung sein."

Die Pandemie wird auch mit den Impfstoffen nicht schlagartig vorbei sein. Doch sie wird enden, auch wenn wir langfristig mit dem Coronavirus leben lernen werden. Das Coronavirus wird irgendwann seine Gefährlichkeit verlieren – und die Impfungen werden dabei eine wichtige Rolle spielen.

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