Aktualisiert: 21.01.2021 - 18:07

Manche Arten sind anfälliger Coronavirus bei Tieren gibt Hinweis auf Herkunft

Auch Katzen und einige andere Tiere können sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren. Welche genau, hat eine Forschertruppe untersucht – und die Ergebnisse geben Hinweise auf den Ursprung...

Foto: Getty Images/MamiGibbs

Auch Katzen und einige andere Tiere können sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren. Welche genau, hat eine Forschertruppe untersucht – und die Ergebnisse geben Hinweise auf den Ursprung...

Das Coronavirus Sars-CoV-2 kann auch Tiere infizieren – das ist mittlerweile bekannt. Jedoch gibt es Unterschiede zwischen den Arten – und das könnte einen Hinweis darauf geben, wie das Coronavirus letztlich auf den Menschen übergesprungen ist und die Pandemie ausgelöst hat.

Dass sich etwa Katzen oder Hunde mit dem Coronavirus infizieren können, ist schon länger klar. Vor einigen Wochen dann die Schockmeldung aus Nerzfarmen in Dänemark – Millionen Tiere wurden aus Angst vor der dort nachgewiesenen Mutation getötet, zahlreiche Menschen hatten sich angesteckt. Und kürzlich die Meldung über infizierte Gorillas – die Tiere hatten sich offenbar über einen Pfleger infiziert. Doch noch immer ist unklar, welche Tiere sonst noch anfällig für Infektionen sind. Und wie funktioniert das überhaupt? Das haben sich Forschende aus Großbritannien nun genauer angesehen. Mit ihrer Forschungsarbeit zum Coronavirus bei Tieren geben sie auch Hinweise zum Ursprung des Virus – nämlich darauf, über welchen Zwischenwirt Sars-CoV-2 auf den Menschen übergesprungen sein könnte.

Corona bei Tieren: Forscher finden Hinweise auf Übertragung zum Menschen

Am britischen Pirbright Institut werden Infektionskrankheiten bei Nutztieren untersucht. Eine Forschergruppe hat sich nun genauer mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 auseinandergesetzt. Ihre Ergebnisse hat sie im Fachmagazin "PLOS Biology" veröffentlicht.

Neben Erkenntnissen darüber, welche Tiere besonders anfällig für eine Infektion mit Sars-CoV-2 sind, konnten die Forschenden auch möglicherweise ein wenig Licht ins Dunkel bei der Suche nach dem Ursprung des Coronavirus bringen. Sie bringen den Zwischenwirt wieder ins Spiel.

Das Spike-Protein ist der Schlüssel

Für die Forschung diente den Wissenschaftler*innen ein Experiment mithilfe eines anderen, mit Sars-CoV-2 verwandten Coronavirus, RaTG13, das bei Fledermäusen vorkommt. Dessen Ergbut entspricht zu 96 Prozent dem von Sars-CoV-2. Über molekularbiologische Techniken konnten sie das Spike-Protein dieses Virus mit Daten von Sars-CoV-2 vergleichen.

Das Spike-Protein ist sozusagen der Schlüssel, den Coronaviren nutzen, um in Zellen einzudringen. Sie geben dieser Virengruppe auch ihren Namen, da sie wie kleine Zacken aus der Virenhülle herausragen. Über das Spike-Protein dringt so ein Virus also in die Zelle ein, um sich dort dann zu vermehren. Dabei muss dieser Schlüssel aber zum Schloss passen. Daher können nicht alle Coronaviren dem Menschen und auch nicht jedem Tier etwas anhaben – solange ihr Spike-Protein nicht zum "Schlüsselloch" in der Zelle passt. Jedes Lebewesen hat nämlich etwas anders geformte "Schlüssellöcher", die Rezeptorbindungsstellen. Bei manchen Gattungen kann ein Spike-Protein daher besser andocken als an anderen.

Coronavirus dürfte tierischen Zwischenwirt gehabt haben

22 Tierarten haben die Foschenden untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass vor allem die "Schlüssellöcher" der Zellen von Hunden, Katzen und Rindern am besten zum Spike-Protein des Coronavirus Sars-CoV-2 andocken konnten. Am schlechtesten dockten sie an die Rezeptorbindungsstellen von Vögeln und auch von Fledermäusen an.

Das ist interessant, bedeutet es doch, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 so, wie es jetzt unter uns Menschen und eben einigen Tieren kursiert, der Fledermaus nichts anhaben kann – bzw. möglicherweise nicht mehr. Und es bedeutet, dass das Coronavirus nicht direkt von der Fledermaus auf den Menschen gesprungen sein dürfte, da sich ihre Rezeptorbindungen, also ihre "Schlüssellöcher" für die Spike-Proteine, von Sars-CoV-2 zu sehr unterscheiden. Forschende weltweit gehen davon aus, dass Sars-CoV-2 von Fledermäusen über einen Zwischenwirt auf den Menschen übergesprungen sein dürfte und sich auf diesem Weg am Spike-Protein verändert hat. Die Studienergebnisse legen dies nahe: Es muss ziemlich sicher einen Zwischenwirt gegeben haben, in dem sich das Virus soweit verändern konnte, dass es in menschliche Zellen eindringen kann, vermuten die Forschenden. Dieser Zwischenwirt diente entsprechend als eine Art Brücke:

Ein in Fledermäusen vorhandenes Coronavirus mutiert so weit, dass es bei Kontakt mit einem anderen Tier überspringt und es infiziert. Dieses Tier hat Zellen, deren "Schlüsselloch" für dieses Coronavirus anfällig ist und das dem des Menschen eher ähnelt. Das Virus hat zudem Zeit, sich weiter anzupassen – und kann dann bei zu engem Kontakt auf den Menschen überspringen, zu dessen Zellen das veränderte Spike-Protein jetzt noch besser passt. Eine klassische Zoonose.

Genetische Veränderung in den Wirten

Die Forscher vermuten, dass eine genetische Veränderung des Virus auch in der Realität eine Rolle gespielt haben könnte. Wenn ein Virus, ähnlich wie in ihrem Experiment, mit einem angepassten Spike-Protein mit Erfolg an die Rezeptoren von Menschen andocken konnte, sei es ihnen zufolge denkbar, dass eine genetische Veränderung erst der Grund dafür gewesen sei, dass das Virus auf den Menschen übergesprungen ist.

Sie schließen: Ihre Erkenntnisse könnten darauf hindeuten, dass zwischen Virenstämmen Mechanismen bestehen, die die Viren mutieren lassen, so dass sie von einer Art zur nächsten springen können – in diesem Fall also von einem Tier auf den Menschen.

Rund um das Coronavirus bei Tieren kommt Haustierhaltern natürlich die Frage in den Kopf: Kann mein infiziertes Haustier mich mit Covid anstecken? Eine neue Corona-Verordnung jedenfalls verlangt: Positiv auf Covid-19 getestete Haustiere müssen den Behörden gemeldet werden. Können Meeressäugetiere eigentlich an Covid-19 erkranken? Ja, heißt es in einer Studie. Sie deckt auf, wie gefährdet die Meeresbewohner durch Corona sind – und wie sie an das gefährliche Virus gelangen.

Studie:

Conceicao, Bailey et al. (PLOS Biology, 2020): "The SARS-CoV-2 Spike protein has a broad tropism for mammalian ACE2 proteins"

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