Aktualisiert: 22.04.2021 - 15:07

Die positiven Seiten Blick einmal umgekehrt: So erfolgreich und nützlich sind Impfungen

Impfungen gibt es seit dem 18. Jahrhundert. Als Kind hat sich wohl jeder vor dem Piks gefürchtet. Heute sehen wir, wohin uns Impfungen in der Gesundheitsgeschichte der Welt gebracht haben – zumindest, wenn wir die Augen aufmachen.

Foto: Getty Images/cagkansayin

Impfungen gibt es seit dem 18. Jahrhundert. Als Kind hat sich wohl jeder vor dem Piks gefürchtet. Heute sehen wir, wohin uns Impfungen in der Gesundheitsgeschichte der Welt gebracht haben – zumindest, wenn wir die Augen aufmachen.

Derzeit ist das Thema Impfung eines der meistdiskutierten. Schützt die Corona-Impfung überhaupt und hilft sie auch, die Verbreitung zu stoppen? Und vor allem: Welche Nebenwirkungen hat sie? Ist sie vielleicht sogar für den Tod von Menschen verantwortlich? Fragen, die Angst machen – dabei sollten wir den Blick viel besser einmal wenden. Und uns ansehen, was Impfungen leisten.

Nichts dominiert die derzeitigen Diskussionen so sehr wie die Impfstoffe gegen das Coronavirus. Vor allem die Frage, ob man sich impfen lässt oder nicht, steht im Raum – stark beeinflusst durch die Frage nach Nebenwirkungen. Man wolle erst einmal abwarten, heißt es oft. Man vertraue nicht, alles so kurzfristig. Dabei wurde noch nie ein Impfstoff so ausgiebig auf Nebenwirkungen überprüft wie die, die mittlerweile gegen Covid-19 verfügbar sind. Woher also diese Angst? Sollten wir den Blick nicht einmal auf das werfen, wohin uns Impfungen bereits geführt haben?

Warum so negativ? Impfungen können so viel – beachten wir doch das

"Framing" nennt die Faktencheck-Seite Mimikama.at das, was derzeit rund um das Thema Impfung passiert. Das heißt: Ein bestimmter Fokus, eine bestimmte Wortwahl lenkt uns bereits im Vorfeld und vermittelt uns eine subjektive Vorstellung von einem Thema. Sprich: Die derzeitige Berichterstattung auf Nebenwirkungen und befürchtete Gefahren richtet unsere Gedanken vor allem auf das Negative. Klar, die Transparenz gegenüber Nebenwirkungen ist enorm wichtig, um Vertrauen zu erreichen.

Doch derzeit passiert gefühlt das Gegenteil. Das wiederum erzeugt Angst und Ablehnung gegenüber der Impfung. Es ist jemand nach der Impfung gestorben? Schnell ist der Gedanke da: "Das muss am Impfstoff gelegen haben." Doch hier müssen immer erst einmal Zusammenhänge bewiesen werden, um die Annahme zu bestätigen. Gibt es einen Zusammenhang? Dann muss die Häufigkeit betrachtet, auf mögliche weitere ausschlaggebende Gründe geachtet werden, etwa Prädispositionen, also bereits vorhandene Anfälligkeiten für eine Komplikation. Was stimmt, ist: Es wird immer Menschen geben, die auf einen Impfstoff oder Medikamente schlecht reagieren. Doch eines darf man dabei nicht vergessen: Es gibt so viel mehr Menschen, die auf das, wovor so ein Mittel schützen soll, schlecht reagieren! Zur Übersicht: Corona-Impfungen – das sind die bisher erfassten Nebenwirkungen

Angst überschattet die Wirksamkeit von Impfungen

Der Fokus auf mögliche Probleme – ob sie jetzt real sind oder nur eine Vermutung, die gedankenlos verbreitet wird und nach dem "Stille Post"-Prinzip irgendwann als offenbarer "Fakt" bei jemand anderem ankommt – bestimmt derzeit die meisten Kanäle, insbesondere die Sozialen Medien. Einzelne Fälle, die mitgeteilt werden, sind durchaus wichtig, helfen sie den Verantwortlichen doch, schnell zu reagieren – so wie etwa bei den Fällen von Hirnvenenthrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit zweien der Impfstoffe. Auf die Masse betrachtet fällt auf: Die Gefahr ist etwa so hoch, wie die, von einem Blitz getroffen zu werden. Ernst genommen werden müssen sie trotzdem – für die Sinusvenenthrombosen wurde so bereits eine Behandlungsmöglichkeit gefunden. Doch mit großem Echo im Netz geteilt, machen diese Fälle vor allem eines: Angst.

Und diese Angst überschattet das, was eigentlich die große Meldung wert ist: die extrem hohe Wirksamkeit von Impfungen. Ehrlich: Gäbe es keine Impfungen, wären viele von uns vermutlich jetzt nicht hier und könnten diesen Text lesen. Vielleicht würde der Text nicht einmal existieren. Glücklicherweise haben die Eltern der Autorin sie gegen alles Notwendige vakzinieren lassen.

Fassen wir einmal zusammen: Das haben Impfungen geleistet – Beispiel Masern

Ein Impfstoff erhält nach geltendem Arzneimittelrecht nur dann eine Zulassung, wenn nachgewiesen werden konnte, dass er wirkt und gleichzeitig verträglich, also sicher ist. Diesen Hinweis erbringen Hersteller anhand der zuvor laufenden Studien, die wiederum von unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufgegriffen und geprüft werden. Das geschieht fortlaufend.

Allein zum Masernimpfstoff gibt es unglaublich viele Studien, die sich alle mit der Sicherheit befassen. Wir erinnern uns: Das Vertrauen in diese Sicherheit hatte gelitten, als eine einzige, mittlerweile zurückgezogene Studie mit gerade einmal 12 Kindern andeuten wollte, die Masernimpfung könne Autismus auslösen. Hunderttausende Probanden zahlreicher darauf reagierender Studien belegen heute: Nein, kann sie nicht.

Stattdessen konnte die Masernimpfung eines besonders gut: die hochansteckende Krankheit Masern so weit zurückdrängen, dass 2016 weltweit lediglich 90.000 Menschen daran verstorben sind. Seitdem geht die Zahl immer wieder hoch und lag 2019 weltweit bei 207.000 Toten – weil in vielen Teilen der Welt weniger vollumfänglich geimpft wird. Die Unicef nennt als Hauptursache vor allem die nicht rechtzeitige oder fehlende zweite Dosis, die für den vollumfänglichen Schutz aber notwendig ist. Auch in Deutschland lag die Impfquote der zweiten Impfdosis vor Einführen der Masernimpfpflicht im März 2020 nur bei knapp 93 Prozent – um die Krankheit aber gänzlich auszurotten, ist eine Impfquote von 95 Prozent nötig, da die Masern so hoch ansteckend sind.

Vor Einführen der Masern-Impfungen in den 1960er Jahren gab es übrigens alle zwei bis drei Jahre Masernepidemien, mit jährlich weltweit geschätzt zwei bis drei Millionen Todesfällen, so das Robert-Koch-Institut (RKI). Währenddessen gibt es von der US-Seuchenbehörde CDC Daten zu Nebenwirkungen der Masern-Impfung: Eines von 10.000 Kindern im Alter zwischen zwölf und 23 Monaten bekam nach Erhalt von drei separaten Impfspritzen gegen Masern, Mumps und Röteln demnach Fieberkrämpfe zwischen fünf und zwölf Tage nach der Impfung – beim Kombinationsimpfstoff waren es zwei von 10.000 Kindern.

Der MMR-Impfstoff ist übrigens ein Lebendimpfstoff, von dem die größten Risiken bei Impfungen ausgehen können – und selbst die sind immer noch sehr, sehr gering. Auch eine allergische Reaktion wird als "extrem selten" angegeben. Zum Schutz davor sagt die CDC: Wer eine lebensbedrohliche allergische Reaktion auf eine der Komponenten des Impfstoffes gezeigt hat, solle sich nicht impfen lassen – aus reiner Vorsicht.

Fast nicht mehr vorhanden: Polio und Tetanus

Das RKI nennt noch ein Beispiel: 1961 sind in Deutschland fast 4.700 Kinder an Polio (Polyomyelitis, Kinderlähmung) erkrankt, eine Krankheit, die enorme Langzeitfolgen mitbringt. Anfang der 1960er Jahre wurde die Schluckimpfung gegen Polio eingeführt. 1965 erkrankten noch knapp 50 Kinder. Seit 1990 gab es hierzulande keine einzige durch Wildpolioviren ausgelöste Erkrankung. Richtig ist, dass die Schluckimpfung mit Lebendimpfstoff vereinzelt Polio auslösen konnte. Dies hat man festgestellt und gehandelt. Seit 1998 wird mit einem Totimpfstoff via Injektion geimpft. Dieser kann die Erkrankung nicht auslösen.

Erfolg gibt es auch in Sachen Tetanus, auch bekannt als Wundstarrkrampf, zu vermelden. Früher eine gefürchtete Erkrankung mit Lähmung bis hin zum Tod, tritt Tetanus heute fast nur noch bei älteren Menschen mit nachgelassenem Impfschutz auf.

Gelten als ausgerottet: die Pocken

Und die Pocken mit ihrer geschätzten Sterblichkeit von rund 15 Prozent? Gegen die wurde im Jahr 1796 der erste Impfstoff überhaupt vorgestellt. Mittlerweile gilt die gefährliche Krankheit als ausgerottet. Die WHO hat die Welt im Jahr 1980 für pockenfrei erklärt. Eine informative Übersicht über Erfolge durch Impfungen gibt es auch hier.

Übrigens: Warum es manchmal mit einer Dosis nicht getan ist und warum die Impfung nicht direkt nach Gabe immun macht, lesen Sie hier. Im Video erklären wir Ihnen die Unterschiede der verschiedenen Impfstoffarten:

Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es
Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es

Die Medizin hat unglaublich viel gelernt

Laut Unicef haben Impfungen dazu beigetragen, dass sich die Kindersterblichkeit weltweit halbiert hat – einbezogen auch Länder mit kaum vorhandener Gesundheitsversorgung, die ohne die Arbeit solcher Gesundheitsorganisationen kaum Zugang zu Impfungen hätten.

Noch ein Vorteil: Im Gegensatz zu vielen Medikamenten sind Impfungen kostengünstig – vor allem im Vergleich zu den Kosten, die Krankheiten mit lebenslangen Folgen verursachen. Auch Covid-19 scheint Folgen mitzubringen, das zeichnet sich immer mehr ab.

Die Medizin und die Pharmazie haben viel gelernt in den vergangenen Jahren bis Jahrhunderten. Fälle wie der Contergan-Skandal* haben letztlich dazu geführt, dass man Fehler ernstgenommen hat. Heute wird sehr, sehr viel kontrolliert.

Nachdem im Jahr 2009 nach der Pandemrix-Impfung gegen die Schweinegrippe Fälle von Narkolepsie aufgetreten sind, war klar: Es muss noch mehr kontrolliert werden, damit seltene Wechselwirkungen auffallen. Was die wenigsten wissen: Die Narkolepsie kann ebenso eine Langzeitfolge der Schweinegrippe sein. Dass der Impfstoff bei manchen Menschen offenbar diese Folge triggert, also auslöst, wäre aufgefallen, hätte man den Impfstoff damals bereits an so vielen Menschen getestet, wie es 2020 mit den Corona-Impfstoffen passiert ist.

Doch die Testgruppe damals lag im vierstelligen Bereich. Später wusste man: Von 100.000 Geimpften trat bei etwa vier Personen eine Narkolepsie auf. Und bis heute ist nicht ganz geklärt, wodurch sie ausgelöst wurde. Experten vermuten: Ein Virus-Protein, das bei Menschen mit bestimmten Erbgutmerkmalen einer Andock-Stelle im Gehirn ähnelt, war möglicherweise der Auslöser. Das Protein steckte in der Impfung – aber eben auch im Virus. Die Menschen mit den betreffenden Erbgutmerkmalen wären der Gefahr demnach auch bei einer Infektion ausgesetzt gewesen. Schäden, die im Zusammenhang mit einer Impfung auftreten, sind immer schlimm, keine Frage. Die Schäden, die eine Krankheit, noch dazu eine pandemische, mitbringen, aber auch – und die kommen in vielfach höherer Zahl vor.

Zum Vergleich: Die Coronavirus-Impfstoffe, die derzeit in der EU zugelassen oder auf dem Weg dorthin sind, wurden vor der Zulassung an mehreren zehntausend Menschen gestestet. Schwerwiegende Nebenwirkungen während dieser umfassenden Studien? Keine, die sich gänzlich auf den Imfpstoff selbst zurückführen lassen. Stand jetzt sind weltweit schon einige Millionen Menschen geimpft worden. Schwerwiegende Nebenwirkungen oder Todesfälle kurz nach der Impfung nach mittlerweile in Deutschland über 17 Millionen vergebenen Impfdosen? Im zweistelligen Bereich. Und auch hier liegt zumindest in den meisten Fällen recht klar kein Zusammenhang mit der Impfung vor. Ausnahme: die oben genannten Hirnvenenthrombosen, deren Zahl im Vergleich zu den Geimpften im Promillebereich liegt – und die man bei schnellem Erkennen behandeln kann.

Das Spannende an der Sache: Die Entwicklung genbasierter Impfstoffe – die unsere DNA übrigens nicht verändern können, wie vielfach befürchtet, hat Jahre gedauert. Das haben nur die wenigsten von uns mitbekommen. Entsprechend schnell konnte man nun dank vieler Forschungsgelder vergleichsweise schnell reagieren – und wird dies auch in Zukunft noch schneller können. Denn einmal entwickelt, kann insbesondere die mRNA-Technologie relativ "einfach" angepasst werden. Das wird sich auch in Hinblick auf bereits kursierende oder möglicherweise noch kommende Virusmutanten auszahlen. Je schneller die Impfstoffe angepasst werden, desto besser.

Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?
Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?

Sie sind skeptisch bei der Impfung? Müssen Sie nicht – aus diesen Gründen:

Kein Lob für Prävention

Das Problem der Impfungen war schon vor der Coronavirus-Pandemie: Erfolg macht müde – oder wie es im Zuge der Pandemie an anderer Stelle hieß, aber übertragen werden kann: "There is no glory in prevention": Für Prävention gibt es kein Lob. Denn wenn Krankheiten nicht mehr auftreten, haben wir irgendwann wieder das im Blick, was sie in ein negatives Licht rückt: die Nebenwirkungen, und wenn sie noch so selten sind. Da reicht dann auch eine einzelne Meldung über Probleme nach einer Impfung. Warum ein Risiko eingehen, wenn die Krankheit kaum vorkommt? Nun – ohne Impfung ist die Krankheit schneller wieder da, als man gucken kann. Mit all ihren Problemen und Langzeitfolgen. Die Frage ist: Wollen wir das – nach all dem, was Impfungen für uns getan haben?

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* Hinweis der Redaktion: Das Medikament Contergan wird hier lediglich genannt, um zu zeigen, dass schwere Problemfälle in der Pharmabranche zum Umdenken geführt haben. Der Contergan-Skandal war jedoch ein Arzneimittelskandal – Medikamente sind mit Impfungen rein gar nicht vergleichbar. Impfungen funktionieren gänzlich anders als Medikamente, so dass man allein aufgrund der Natur der Sache keine ähnlichen Nebenwirkungen erwarten kann. Wichtig zu wissen ist: Eine Impfung greift NICHT in den Stoffwechsel ein, sondern erzeugt eine Immunantwort im Körper. Ist dies geschehen, verschwinden die eingebrachten Stoffe wieder. Was übrig bleibt, sind vom Körper selbst gebildete Eiweiße. Im Vergleich: Bei Medikamenten verbleiben körperfremde Stoffe im Körper, die letztendlich eine Wirkung erzielen. Diese werden verstoffwechselt, wobei verschiedenste Stoffwechselprodukte auftreten, die durchaus toxisch sein können – und entsprechend Nebenwirkungen hervorrufen können. Solche Stoffwechselprodukte können sich in Organen wie der Leber durchaus anreichern und für später auftretende Schäden sorgen.

Solche verzögerten Folgen kann es bei Impfstoffen nicht geben. Tritt in den ersten rund 14-21 Tagen nach der Impfung keine Nebenwirkung auf, kann auch später keine durch das Vakzin selbst ausgelöste Nebenwirkung mehr auftreten – denn die Stoffe, die die Immunantwort hervorrufen, sind bereits abgebaut.

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Quellen

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