Aktualisiert: 19.01.2021 - 15:30

Es dauert ein paar Tage Wie schnell wirkt der Biontech-Impfstoff? Israel zeigt's

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Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?

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Im internationalen Vergleich liegt Israel beim Impfen mit Abstand ganz vorne: Schon mehr als ein Viertel der israelischen Bevölkerung hat die erste Dosis des Impfstoffes von Biontech und Pfizer erhalten. Jetzt wissen Forschende dank einer dortigen Studie, wie schnell diese erste Dosis wirkt.

Die Impfkampagne in Israel kann man wohl als erfolgreich bezeichnen: Nach nur knapp vier Wochen sind bereits über 25 Prozent der Bevölkerung des kleinen Landes geimpft. Während dieser Zeit hat die israelische Krankenkasse "Clalit Health Fund" eine Studie gestartet, bei der nun die ersten Daten zum Wirkeintritt des Corona-Impfstoffes von Biontech und Pfizer vorliegen. Demnach senkt die erste Impfdosis des Vakzins das Infektionsrisiko ab dem 13. Tag nach der Impfung um ein Drittel.

Studie in Israel: So schnell wirkt die erste Impfdosis von Biontech und Pfizer

Über 2 Millionen Menschen im rund 9 Millionen Bewohner zählenden Israel sind bereits geimpft. Für die Studie wurden insgesamt 200.000 erstgeimpfte Personen über 60 und 200.000 noch ungeimpfte Vergleichspersonen beobachtet. Bis zum zwölften Tag nach der Impfung zeigten sich demnach in den Gruppen keine Unterschiede. Anschließend aber infizierten sich von den erstgeimpften Personen rund 33 Prozent weniger mit dem Coronavirus im Vergleich zu den ungeimpften Personen. Nach 21 Tagen soll die zweite Impfdosis folgen, die dann einen Impfschutz von bis zu 95 Prozent verspricht. Und das eben auch bei älteren Personen.

"Es handelt sich um vorläufige, aber ermutigende Ergebnisse", so der Medizinprofessor Ran Balicer von Clalit der Zeitung "Jediot Acharonot". Er gehört auch zum Beraterkreis der Regierung. Doch er bestätigt damit: Die erste Dosis braucht ihre Zeit und reicht möglicherweise nicht aus. Die Ergebnisse der Studie "deuten nicht auf vollen Schutz vor der Infektion hin, nicht einmal 17 Tage nach Erhalt der (ersten) Impfung". Balicer rechnet aber damit, dass die Zahl der schwerkranken Corona-Patienten in Kürze sinken werde.

Untermauert werden diese Ergebnisse etwa durch die Untersuchung der Krankenkasse Maccabi. Die berichtete sogar von 60 Prozent weniger Infektionen zwei Wochen nach Gabe der ersten Dosis. Die Krankenkassen in Israel berichten außerdem von überwiegend milden Nebenwirkungen.

Das Land ist mittlerweile zu einem Prototypen für das Impfstoff-Herstellerpaar Biontech/Pfizer geworden. Eine Kooperation ist entstanden, Israel bekommt Impfstoff, liefert dafür Daten. So kann die Wirksamkeit des Präparates unter Realbedingungen weiter getestet werden. Ein großer Vorteil, vor allem in Kombination mit dem digitalisierten Gesundheitssystem Israels. Anfang des Jahres erklärte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, bis Ende März werde sich jeder Impfwillige ab 16 Jahren impfen lassen können.

Infektionszahlen steigen derweil weiter

Dennoch kämpft der kleine Staat derzeit noch mit hohen Infektionszahlen – pro Kopf sind sie höher als in Deutschland. Zudem hatten, nach dem Stand von 12. Januar, laut israelischem Gesundheitsministerium 17 Prozent der derzeit schwer erkrankten Menschen zuvor die erste Impfung erhalten. Das irritiert im ersten Moment, erklärt sich aber anhand des Prinzips von Impfungen und mit den nun bekannten Daten. Denn durchaus kann man sich in diesen ersten Tagen bis Wochen nach der ersten Impfdosis noch immer anstecken und auch schwer erkranken. Denn ein Impfschutz muss sich erst aufbauen – man ist nicht direkt immun. Laut israelischen Ärzten erhalten diese nun schwer erkrankten Personen keine zweite Impfdosis mehr.

In Relation zur Einwohnerzahl sind die derzeitigen Infektionszahlen im Land sehr hoch – und je mehr Infizierte es gibt, desto mehr Menschen stecken sich an. Israel hofft, das die ebenfalls hohe Zahl der Schwerkranken, derzeit bei über 1.000, aufgrund der Beschränkungen und der Impfkampagne in Kürze sinkt. Es ist eben alles eine Frage der Zeit – und mit dem sich langsam aufbauenden Impfschutz verzögert sich natürlich auch der Rückgang der Zahlen. Grund für die hohen Coronavirus-Infektionszahlen könnte außerdem sein, dass die neue Corona-Variante aus Südafrika mittlerweile in Israel nachgewiesen werden konnte. Diese gilt, ähnlich wie die britische Variante, als viel infektiöser und könnte sich bereits unbemerkt ausgebreitet haben.

Sie sind skeptisch bei der Impfung? Müssen Sie nicht – aus diesen Gründen:

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