Aktualisiert: 13.01.2021 - 18:17

Hoher Bedarf wegen Maskenpflicht FFP2-Masken aufbereiten und wiederverwenden: So geht's

Kann man FFP2-Masken säubern?

Kann man FFP2-Masken säubern?

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In Bayern gilt nun eine FFP2-Maskenpflicht beim Einkaufen und im öffentlichen Personennahverkehr. Doch die fest sitzenden Masken sind teuer – und gute Produkte noch immer Mangelware. Mehrmals tragen ist aber so eine Sache. Das geht nur mit der richtigen Desinfektion. Aber auch die ist nur sehr schwer sicher möglich.

Eigentlich sollte man FFP2-Masken nur kurze Zeit am Tag tragen – und nach der Benutzung entsorgen. So sieht es zumindest das Arbeitsschutzgesetz vor. Für die Nutzung im privaten Bereich kann man die festen Masken auch mal länger tragen. Aber dennoch: Auch sie verschmutzen oder werden feucht. Dann heißt es: austauschen. Doch die Mund-Nasen-Bedeckungen sind teuer. Man kann FFP2-Masken wiederverwenden – dabei ist jedoch auf gewisse Dinge zu achten, sonst drohen Gesundheitsgefahren.

FFP2-Masken wiederverwenden: Geht das überhaupt?

Die FFP2-Maske ist, genau wie die lockerere und dünnere OP-Maske, ein Wegwerfprodukt. Sie soll spätestens dann ausgetauscht werden, wenn sie durch die Atemluft oder durch Regen durchfeuchtet ist, denn dann wird sie durchlässig und verliert ihre Schutzwirkung. Im feuchten Milieu können sich außerdem Bakterien ansiedeln und ausbreiten, die dann später wieder eingeatmet werden und gesundheitliche Probleme verursachen können. Dabei haben FFP2-Masken durchaus ihre Vorteile, schließen sie doch, richtig getragen, fest ab und schützen so auch die Träger vor Krankheitserregern.

Aber mit rund vier Euro pro Stück – zumindest laut Apothekenpreisen – sind die Masken für viele Menschen doch eher ein Luxusgut. Wie also die Tragepflicht in Bayern angehen? Da ist es eigentlich klar, dass viele, wenn nicht sogar fast alle Betroffenen mehrmals zur bereits getragenen Maske greifen. Im Notfall geht das auch, und deshalb hat ein Team der Fachhochschule Münster in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auch mehrere Varianten der Aufbereitung bzw. Desinfektion von FFP2-Masken untersucht.

Die wichtigste Regel dabei ist: Bitte immer nur die eigene Maske wiederverwenden! Das gilt für alle Arten von Masken – auch innerhalb der Familie sollte nicht getauscht werden. Denn jeder Mensch hinterlässt seine "persönlichen" Erreger, ob Viren, Bakterien, Pilze und Co – und die können bei einem anderen Menschen durchaus Schaden anrichten. So können diese Erreger – in Maßen! – entfernt werden:

Hitzeschock: Ab in den Backofen mit der Maske

Coronaviren sowie viele andere Erreger sind nicht hitzebeständig. Um Sars-CoV-2 aber vollständig zu inaktivieren, müssen härtere Saiten aufgezogen werden. Laut Erkenntnissen der Forschungsgruppe werden Coronaviren nach einer Stunde im Backofen bei 80 °C inaktiv. Doch bei der Masken-Backaktion gibt es Dinge zu beachten:

  • Die Masken sollten vorher mindestens einen Tag an der Luft getrocknet werden.
  • Backofen am besten auf Ober- und Unterhitze einstellen – über Umluft könnten Erreger kreuz und quer durch den Backofen gewirbelt werden.
  • Die Temperatur von 80 °C muss durchgehend eingehalten werden. Hierfür eignet sich etwa ein Backofenthermometer. Geringere Temperaturen reichen nicht aus, um Erreger gänzlich abzutöten.
  • Zu heiß darf der Backofen nicht werden, sonst verformen sich die Masken oder werden durchlässig – das passiert schon bei rund 90 °C, teilweise sieht man das nicht einmal. Das Problem: Viele Backöfen zeigen schwankende Temperaturen.
  • Sie sollten FFP2-Masken höchstens fünfmal im Ofen erhitzen, danach sollten sie entsorgt werden.

Vorsicht: Hat Ihre Maske ein Atemventil (solche Masken sollten Sie sowieso nicht tragen, da bei ihnen der Fremdschutz gänzlich verloren geht!) oder ist vom Modell "Körbchen", also formstabil, eignet sich die Backofenmethode nicht. Aufpassen gilt außerdem, wenn Metall oder ein Kunststoffbügel verarbeitet sind.

Hinweis: Die Schutzwirkung ist nach dem Backen im Backofen nicht mehr hundertprozentig gegeben, so wie sie bei einer frischen Maske wäre! Die Hitze kann das Material und damit die Filterleistung durchaus zerstören, insbesondere wenn der Backofen nicht gleichmäßig erhitzt. Nicht immer sind die Schäden mit dem bloßen Auge zu erkennen. Beachten Sie daher, dass die Maske schon nach einem Mal Backen durchaus unwirksam werden kann und der Tipp auf eigene Gefahr gilt.

Ab an die Leine: Sieben Tage trocknen lassen

Wem die Backofen-Methode nicht zusagt, der kann seine Masken auch über einen Zeitraum von sieben Tagen bei Raumtemperatur trocknen lassen. Dazu können Sie sie an einem Haken oder einer Leine aufhängen – mit Abstand zueinander und streng getrennt nach Maskenträger. Doch, wie soll es anders sein, auch hier gibt es Einschränkungen.

  • Sars-CoV-2 hält sich laut bisherigen Erkenntnissen sehr lange auf Oberflächen, durchaus mehrere Tage. Aus diesem Grund sollte der Trockenzeitraum von sieben Tagen nicht unterschritten werden.
  • Achten Sie penibel genau auf die Trockenzeit von mindestens sieben Tagen. Dabei lohnt es sich, die Masken zu markieren.
  • Zudem sollten Sie die Masken weder im Bad noch in der Küche aufhängen, da dort die Raumluft zu feucht ist. Am besten eignet sich ein trockener Keller oder Dachboden – sofern sauber.
  • Achten Sie zudem drauf, dass Kinder nicht an die trocknenden FFP2-Masken gelangen.

Auch hier gilt: Maximal fünfmal trocknen lassen und wiederverwenden. Denn auch so verlieren FFP2-Masken irgendwann ihre Schutzwirkung oder verschmutzen.

Hinweis: Es gibt wie erwähnt nicht nur Viren, sondern auch Bakterien und Pilze. Und die lassen sich von Trockenzeiten nicht unbedingt beeindrucken.

Diese Methoden sind nicht geeignet

Leider war es das auch bereits mit geeigneten Desinfektionsmethoden für FFP2-Masken. Laut Forschungsteam sind jegliche anderen Methoden ungeeignet, etwa das Waschen in der Waschmaschine oder in der Spülmaschine, ein Auskochen im Kochtopf oder ein paar Runden in der Mikrowelle. Denn zum einen schädigen diese Methoden das Material durch mechanische Belastung oder Waschmittel, und zum anderen ist die Desinfektionsleistung nicht gut genug. Auch UV-Licht wirkt hier nur auf der Oberfläche. Es inaktiviert Coronaviren zwar, dringt jedoch nicht weit genug ins Maskenmaterial ein.

Nur zwei Methoden – und auch die unter Vorbehalt

Letztendlich lässt sich sagen: Die oben genannten Methoden Backofen und eine Woche trocknen sind am hilfreichsten. Doch auch hier besteht durchaus das Risiko, dass die Masken Schaden nehmen. Experten raten daher dennoch davon ab. Am besten bleibt: Maske für maximal acht Stunden nutzen und dann entsorgen.

Die stark kritisierte FFP2-Maskenpflicht in Bayern stellt somit sicherlich so einige Menschen vor ein Problem. Beachten Sie aber bitte: Ein unsauberer Mundschutz kann durchaus krank machen. Das gilt übrigens auch für andere Mundschutz-Arten: Corona-Schutz: Ist es wirklich nötig, die Maske nach jedem Gebrauch zu waschen? Masken wiederverwenden ist also immer ein Risiko.

Mit FFP2-Masken ist es zudem gar nicht mal so einfach. Da stellt sich die Frage: Wie lange kann man so eine FFP2-Maske eigentlich tragen? Ein weiteres Problem: Im Internet werden oft günstigere Masken angeboten – oft auch unter der chinesischen Bezeichnung KN95 – doch viele dieser Masken sind gefälscht und bieten unzureichenden Schutz. Hinweis: KN95-Masken sind nicht per se schlecht – es handelt sich nur um die chinesische Schutzklasse partikelfiltrierender Halbmasken. FFP2 ist die europäische Bezeichnung, die anderen Zulassungskriterien gehorcht. Leider gibt es aber jede Menge schwarze Schafe unter den Verkäufern. Wie Sie gefälschte FFP2-Masken erkennen, lesen Sie im Artikel.

Sie sind sich nicht sicher, ob Ihre Maske schützt? Dieser Trick verrät es Ihnen! Wichtig dabei ist auf jeden Fall: Maske bitte immer über Mund UND Nase tragen! Nur so ist ein Schutz vor dem Coronavirus für andere, aber auch für Sie selbst möglich.

Hier finden Sie die "Möglichkeiten und Grenzen der eigenverantwortlichen Wiederverwendung von FFP2-Masken für den Privatgebrauch" der FH Münster.

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