Aktualisiert: 09.01.2021 - 20:48

"Schick' ne Ansichtskarte!" Mit dem Finger tief in die Nase: Ist Popeln eigentlich ungesund?

Schnell mal den Finger in die Nase zu stecken kann ganz schön befreiend sein, oder? Auf eine Sache sollten Sie aber – auch bei Kindern – achten, damit das Popeln keine ungesunden Züge annimmt.

Foto: Getty Images/Denis Bezobrazov / EyeEm

Schnell mal den Finger in die Nase zu stecken kann ganz schön befreiend sein, oder? Auf eine Sache sollten Sie aber – auch bei Kindern – achten, damit das Popeln keine ungesunden Züge annimmt.

Offiziell macht's keiner, inoffiziell sieht die Sache ganz anders aus: In der Nase bohren, umgangssprachlich: popeln. Und Sie so? Wenn Sie sich jetzt ertappt fühlen, denken Sie lieber noch einmal darüber nach. Man kann sich da nämlich so einiges kaputt machen.

Na? Schnell noch den Finger aus der Nase gezogen? Seien wir ehrlich: Manchmal hat man das Gefühl, es muss einfach sein, ein wenig zu popeln, oder? Nun, auch wenn es ganz befreiend sein kann, so ist das Bohren in der Nase nicht unbedingt die beste Idee – aus Hygienegründen für Sie und andere, aber auch aus Verletzungsgründen. Popeln kann ganz schön ungesund sein. Aber es gibt auch ein paar Forscher, die die Vorzüge durchaus zu schätzen wissen...

Popeln: Gefährliche Angewohnheit?

Angetrocknetes Nasensekret ist und bleibt einfach unangenehm, wenn es da so im Riechgang hockt. Ständig dieses Fremdkörpergefühl – vielleicht sogar schlechter atmen können. Das muss doch raus – oder? Nun, kräftiges Naseputzen tut's hier manchmal leider nicht. Und zack, steckt der Finger in der Nase. Das Gefühl der Erleichterung bleibt aber oft nicht lange.

Denn wer viel und gerne in der Nase bohrt, provoziert sogar, dass sich weitere Krusten bilden, verletzt vielleicht sogar die zarte Nasenschleimhaut, bis es blutet – und alles erst recht verkrustet. Und dann kommt der Finger wieder zum Einsatz. Häufiges Nasenbluten? Dann bitte Finger aus der Nase lassen!

Das Hauptproblem beim Popeln sind nämlich die Finger. Denn auf denen sitzen viele Keime – nebst Bakterien, etwa Staphylokokken möglicherweise auch Viren, ganz vielleicht sogar das Coronavirus Sars-CoV-2. Wenn also in der Nase bohren, dann bitte vorher Hände gründlich waschen. Ansonsten könnten Erreger direkt in die Nase gesetzt werden und dort Unheil anrichten. Wir reden hier nicht nur von Covid-19, sondern beispielsweise auch von hartnäckigen Nasennebenhöhlenentzündungen oder chronischen Entzündungen der Nasenschleimhaut, die dann – ja, richtig – weiteres Nasebohren provozieren. Und ganz fies: Kommt es zu Verletzungen, könnten Keime sogar in die Blutbahn geraten und im schlimmsten aller Fälle eine Sepsis auslösen.

Auch eine Nasenspray-Sucht kann zu starker Borkenbildung führen, die wiederum das Popeln zur Regelmäßigkeit werden lässt.

Nasennebenhöhlenentzündung eingefangen? Dann könnten Hausmittel helfen – oder? Mehr sehen Sie im Video:

Helfen Hausmittel bei Nasennebenhöhlenentzündung?
Helfen Hausmittel bei Nasennebenhöhlenentzündung?

Aber Popeln kann auch gesund sein – sagen Forscher

Popel einfach irgendwo hinzuschmieren, da sollten wir uns einig sein, ist unschön und unhygienisch. Also lieber ein Taschentuch bereithalten, das danach entsorgt werden kann. Doch so mancher, nicht nur Kinder, isst seine Popel auch. Laut Nasen-Ratgeber.de sind sich Ärzte bisher uneinig, ob das nun gesund ist oder gar schädlich ist. Die einen sagen: Ein Großteil des Nasensekrets läuft sowieso den Rachen hinunter und die Magensäure tötet die Erreger ab. So mancher Forscher ist sogar der Meinung, dass wer seine Popel isst, sein Immunsystem stärkt. Demzufolge könnten die guten Bakterien im Nasenschleim sogar Atemwegserkrankungen und Magengeschwüren vorbeugen und vor Zahnerkrankungen schützen.

Der Vollständigkeit halber: Nach dem Nasenbohren bitte ebenfalls nochmal Hände waschen. So entfernen Sie die eigenen Keime von den Fingern – und schmieren Rotz inklusive potentieller Viren und Bakterien nicht an anderer Menschen Hände oder Gegenstände.

Was bei Kindern zu beachten ist

Dass Kinder einmal popeln, ist übrigens ganz normal. Schließlich wollen sie ihren Körper ja auch erkunden. Und wenn's dann auch noch in der Nase juckt, kommt schnell eins zum anderen. Und wie wir jetzt gelernt haben, ist das Essen von Popeln auch nicht unbedingt das Allerschlimmste. Wichtig ist dennoch auch hier die Hygiene. Achten Sie bei Kindern daher besonders gut auf gewaschene Hände, wenn die Kleinen gerne mal den Finger ins Nasenloch stecken. Vor allem, wenn die Nase beginnt zu bluten, sollten Eltern ein Auge drauf haben, dass nicht munter weitergebohrt wird, bis alles abgeheilt ist.

Rhinotillexomanie: Wenn das Popeln zum Zwang wird

Übrigens gibt es auch zwanghaftes Nasenbohren, das wird dann Rhinotillexomanie genannt und fällt unter den Bereich der Zwangsstörungen, ähnlich wie Nägelkauen, Dermatillomanie – das Aufkratzen der Haut, oder Trichotillomanie, also zwanghaftes Haareausreißen. Wann das Popeln zwanghaft verläuft, ist schwer zu sagen. Doch die Nase leidet irgendwann darunter, denn je öfter gebohrt wird, desto eher werden empfindliche Gefäße in der Nasenschleimhaut verletzt. Wer sehr exzessiv bohrt, kann sogar einen Durchbruch der Nasenscheidewand provozieren. Betroffenen kann eine psychotherapeutische Behandlung aber meist weiterhelfen.

Wenn nicht popeln – was dann?

Aber die Brocken in der Nase nerven doch...! Ja, tun sie. Aber was, wenn wir Ihnen sagen, dass Sie denen sogar vorbeugen können? Das ist alles eine Frage der richtigen Pflege. Ein wahres Wunder etwa ist die regelmäßige Anwendung einer Nasendusche. Das Spülen mit isotonischer Kochsalzlösung hält die Schleimhäute feucht und geschmeidig, spült Keime aus der Nase und kann so vor Krankheiten schützen – und eben auch vor Borkenbildung. Auch Nasensalben oder Nasenöle helfen bei trockener Nase, die Schleimhäute feucht zu halten.

Wir sehen: Hin und wieder einmal in der Nase bohren ist – sofern die Finger gewaschen sind! – gar nicht so tragisch. Das Ganze kann sogar recht interessant werden und Auskunft über Ihren Gesundheitszustand geben. Betrachten Sie doch beim nächsten Mal ruhig Ihren Nasenschleim genauer – die Farbe sagt nämlich viel aus.

Doch insbesondere wenn Sie unter trockener Nase leiden, etwa weil man sich mal wieder nur in beheizten Räumen aufhält, sollte das Popeln auf ein absolutes Minimum beschränkt werden. Es gibt schließlich gute, vorbeugende Alternativen.

Und wenn's dann doch mal zur blutigen Flut aus der Nase kommt? Nasenbluten stoppen: die 9 besten Tipps!

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