05.01.2021 - 09:29

Es soll schneller voran gehen Spahn: Alle Deutschen sollen bis Sommer ein Impfangebot bekommen

"Zu langsam" – das ist die Kritik, die am Impfvorgehen der EU derzeit geäußert wird. Für Deutschland stellt Jens Spahn jetzt Beschleunigungen in Aussicht: Bis Sommer soll sich jeder impfen lassen können, der möchte.

Foto: Getty Images/Pool / Auswahl

"Zu langsam" – das ist die Kritik, die am Impfvorgehen der EU derzeit geäußert wird. Für Deutschland stellt Jens Spahn jetzt Beschleunigungen in Aussicht: Bis Sommer soll sich jeder impfen lassen können, der möchte.

Derzeit wird die Impfstrategie in Deutschland stark kritisiert. Zu langsam gehe es vorwärts, zu wenig Impfstoff sei bestellt worden. Jetzt reagiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und stellt in Aussicht, was viele erhoffen.

Strategiepapiere hatten den impfwilligen, gesunden Ottonormalbürger zuletzt ein wenig hoffnungslos zurückgelassen. "Erst Ende des Jahres dran?" – den Gedanken hatten wohl viele. Geht es nach Jens Spahn, sollte dies aber eher heißen: Ende der ersten Jahreshälfte. Der Bundesgesundheitsminister will die Impfungen beschleunigen und arbeitet nach eigenen Angaben darauf hin, dass jeder impfwillige Deutsche sich im zweiten Quartal 2021 gegen Corona impfen lassen kann – also bis Ende Juni. Hürden gibt es auf dem Weg dennoch einige.

So funktionieren mRNA-Impfstoffe
So funktionieren mRNA-Impfstoffe

Spahn will allen Bürgern bis Sommer Impfungen ermöglichen

In der digitalen Unionsfraktionssitzung soll Spahn ein Impfangebot für alle Bürgerinnen und Bürger bis Sommer angekündigt haben, berichtete Welt.de. Genauer: ein Impfangebot für alle Interessierten "wohl im zweiten Quartal 2021". Dabei läuft derzeit alles noch sehr schleppend an. Der Gesundheitsminister sucht daher nun nach Wegen, das Impf-Verfahren zu beschleunigen – ein entsprechendes Schreiben an den Gesundheitsausschuss des Bundestages, die Länder-Gesundheitsminister und die Staatskanzleien der Länder liegt dem ARD-Hauptstadtstudio bereits vor.

Dem Gesundheitsminister zufolge reichen die derzeit bestellten Impfdosen aus, damit sich alle Interessierte ab dem zweiten Quartal impfen lassen können. "Das Ziel ist und bleibt es, allen Deutschen im Sommer ein Impfangebot zu machen", ergänzt Spahn seine Aussagen in der Unionsfraktionssitzung.

Man habe bereits bis Jahresende 1,5 Millionen Impfdosen von Biontech erhalten, bis Ende Januar seien es weitere vier Millionen. Insgesamt rechne man damit, vom Mainzer Unternehmen mit 60 Millionen Impfdosen beliefert zu werden. Hinzu kommt der Moderna-Impfstoff, über dessen Zulassung die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA am 6. Januar entscheiden will. Dann kämen noch einmal 50 Millionen Impfdosen hinzu – und das, so Spahn, reiche für alle Interessierten. Der Vektor-Impfstoff von AstraZeneca, auch "Oxford-Vakzin" genannt, ist hier noch gar nicht hinzugerechnet.

Es ist derzeit immer die Rede von Biontech. Aber was ist eigentlich mit den anderen Impfstoffen?

Strategiepapier nennt weitere Beschleunigungsvorschläge

Doch Spahn macht in seinem Papier weitere Vorschläge, um die Impfungen zu beschleunigen. So ist kürzlich aufgefallen, dass die Biontech-Ampullen statt angekündigter fünf wegen einer Sicherheitsüberfüllung sechs Dosen bereithalten können. "Diese Maßnahme kann die Zahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen um bis zu 20 Prozent erhöhen", so Spahn. Hierzu müsste die EMA aber noch ihre Zustimmung geben. Hersteller Biontech empfiehlt dafür, Spritzen für Feindosierung zu nutzen, wie sie auch bei Insulin verwendet würden. Wichtig sei nur, dass die vorgeschriebene Menge von jeweils 0,3 Millilitern Impfstoff gespritzt werde. Es müsse also sehr sorgfältig vorgegangen werden.

Weiterhin nennt Spahn die bereits diskutierte zeitliche Streckung zwischen den beiden Impfdosen, die beim Biontech-Impfstoff für einen umfassenden Impfschutz notwendig sind. In Großbritannien wird dies bereits umgesetzt, für Deutschland soll die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts (RKI) eine Empfehlung abgeben. Doch auch hier gibt es Kritik, da noch nicht bekannt ist, ob ein längerer Zeitraum zwischen beiden Impfungen nicht vielleicht doch den Impfschutz beeinträchtigt. Zudem merken einige Experten an, dass dies die Bereitschaft für die zweite, eigentlich wichtige Impfdosis schmälern könnte.

Anfangs wenige Impfdosen? "Das war von Anfang an klar"

Biontech will währenddessen aber auch die Produktionskapazitäten erhöhen – in einem Rahmen, in dem dies möglich ist. Denn mRNA-Impfstoffe sind kompliziert in der Herstellung. Doch noch im Februar soll an einem neuen Produktionsstandort in Marburg die Arbeit aufgenommen werden. Damit könnten sich die Impfdosen von Biontech noch einmal erhöhen.

"Dass es jetzt am Anfang knapp sein würde mit dem Impfstoff, das war von Anfang an klar", verteidigte derweil Regierungssprecher Steffen Seibert die vielkritisierte Beschaffungspolitik der EU. Auch EU-Kommissionssprecher Eric Mamer erklärte in Brüssel: "Die Zahl der Impfstoffe, die wir haben, reicht aus." Sie müssten nur eben erst einmal produziert und verteilt werden. Und gerade die Produktion dauert. "Wir beurteilen diese Kampagne, als wäre sie schon vorbei, doch die Kampagne beginnt erst", argumentierte Mamer. Man habe bereits im Herbst angekündigt, dass die Impfstoff-Auslieferung ab Jahresende 2020 schrittweise ausgebaut werde und bereits prophezeit, dass die großen Lieferungen im April zu erwarten seien. "Deshalb ist es ziemlich erstaunlich zu sehen, dass wir uns jetzt umdrehen und sagen: 'Warum sind noch nicht alle Impfstoffdosen auf dem Markt?'" Dies sei von Anfang an klar gewesen.

Damit die Impfungen tatsächlich einen Einfluss auf das angestrebte Ende der Coronavirus-Pandemie haben, müssen sich rund 65 bis 70 Prozent der Bevölkerung impfen lassen. Sie sind noch skeptisch wegen der Impfung? Das müssen Sie nicht sein – wir räumen mit Impf-Mythen auf und erklären noch einmal, wo die möglichen Nebenwirkungen der vieldiskutierten mRNA-Impfstoffe liegen. Zudem lesen Sie hier: Wann ist eine neue Impfung wirklich sicher und wirksam?

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