Aktualisiert: 18.01.2021 - 11:47

Nicht zu lange warten! Aktualisierte Impfempfehlung: Wie lange kann man die zweite Dosis der Corona-Impfung verschieben?

Beim Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer wird ein dreiwöchiger Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfdosis empfohlen. Doch könnte man mit der zweiten Impfung theoretisch auch länger warten? Diese Frage wird unter Experten momentan diskutiert. Die Ständige Impfkommission hat bereits ihre Corona-Impfempfehlung aktualisiert.

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Beim Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer wird ein dreiwöchiger Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfdosis empfohlen. Doch könnte man mit der zweiten Impfung theoretisch auch länger warten? Diese Frage wird unter Experten momentan diskutiert. Die Ständige Impfkommission hat bereits ihre Corona-Impfempfehlung aktualisiert.

Kann man die zweite Dosis der Corona-Impfung verschieben, damit mehr Personen schneller die erste Dosis erhalten? Das sagen Experten dazu.

Die Corona-Impfungen haben begonnen – doch der Impfstoff selbst ist nach wie vor ein knapp bemessenes Gut. Bis genug Vakzin produziert werden kann, dass alle Menschen die beiden notwendigen Impfdosen erhalten, wird es noch dauern. Das wiederum stellt Mediziner und Behörden vor eine schwierige Entscheidung: Sollen lieber so viele Menschen wie möglich die erste Dosis des Corona-Impfstoffs erhalten, auch wenn das bedeutet, dass man auf die zweite Dosis länger warten muss als vorgesehen? Oder ist es besser, erst einmal weniger Menschen zu impfen, diese aber vollständig, d.h. mit beiden Impfdosen? Die Frage, ob man die zweite Dosis der Corona-Impfung verschieben kann, wurde unter Experten angeregt diskutiert. Jetzt hat die Ständige Impfkommission ihre Corona-Impfempfehlung aktualisiert.

So funktionieren mRNA-Impfstoffe
So funktionieren mRNA-Impfstoffe

Aktualisierte Corona-Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission: Warum sollte man die zweite Dosis überhaupt verschieben?

Mit welcher Impfstrategie lassen sich die bisher vorhandenen Impfstoff-Ressourcen am effizientesten nutzen? Wie können sie den bestmöglichen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten? Mit dieser Frage beschäftigt man sich gerade in Großbritannien – und traf, befeuert durch die rasche Ausbreitung der neuen Corona-Mutation B.1.1.7, eine ungewöhnliche Entscheidung: Die Menschen dort sollen die zweite Dosis des Corona-Impfstoffs erst 8 oder sogar 12 Wochen nach der ersten Dosis erhalten. Auf diese Weise können mehr Menschen die erste Dosis bekommen.

Dem britischen Gesundheitsdienst NHS zufolge erzielt die Priorisierung der ersten Impfdosis für möglichst viele Leute die größtmögliche Schutzwirkung in der Bevölkerung. Die Sterblichkeit, schwere Verläufe und die Krankenhauseinlieferungen könnten so reduziert werden. So soll der NHS entlastet und das Gesundheitssystem vor dem Kollaps bewahrt werden.

So möchte man sowohl mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer als auch mit dem Impfstoff von Moderna verfahren. Diese Strategie wird jedoch heiß diskutiert, denn bei beiden Impfstoffen ist eigentlich ein Wartezeitraum von drei bzw. vier Wochen vorgesehen. Ob und, wenn ja, wie die lange Pause zwischen den Impfdosen die Wirksamkeit des Vakzins beeinträchtigt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Warum überhaupt zwei Impfdosen?

Um die Diskussion um die Verschiebung der zweiten Impfung zu verstehen, ist es notwendig, zu wissen, warum überhaupt zwei Impfdosen notwendig sind. Denn eine gewisse Schutzwirkung wird bereits circa zwölf Tage nach der ersten Impfdosis aufgebaut. Studien von Moderna und Biontech/Pfizer zufolge soll die Schutzwirkung nach der ersten Dosis bei über 80 Prozent gelegen haben, allerdings wurden hierzu nicht viele Daten erhoben, weshalb es fraglich ist, wie zuverlässig dieser Wert ist. Wie lange man geschützt ist, wenn man nur die erste Dosis erhält, ist ebenfalls noch nicht geklärt.

Mehr dazu: Vorsicht: Darum ist man nicht sofort nach einer Impfung immun.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Immunologie schützen Antikörper und T-Zell-Antworten, die nach der zweiten Impfung gebildet werden, besser und länger. In einem Interview mit dem Tagesspiegel erklärt Immunologe Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, dass die Antikörper gegen ein Virus, die der Körper bei einer Impfung entwickelt, miteinander konkurrieren. Nur die besten Antikörper werden ausgewählt – und diese werden vor allem nach der zweiten Impfung gebildet. Die T-Zellen, die nach der zweiten Impfung gebildet werden, sorgen auch hauptsächlich dafür, dass der Körper das Coronavirus auch nach längerer Zeit wiedererkennen kann.

Schränkt die lange Wartedauer die Wirksamkeit des Impfstoffs ein?

Dass die zweite Impfdosis wichtig ist, steht also außer Frage. Nur darüber, wie lange man mit dieser warten kann, sind sich die Wissenschaftler noch nicht einig. So hält beispielsweise der Impfstoffforscher Leif-Erik Sander von der Berliner Charité laut Science Media Center die Strategie, die jetzt in Großbritannien verfolgt wird, für wirkungsvoller. Laut ihm ist eine verspätete zweite Impfung "unbedenklich, da die Impfungen in den Studien schon etwa zehn Tage nach der ersten Injektion einen sehr hohen Schutz gegen Covid-19 zeigten".

Das sagt die Deutsche Gesellschaft für Immunologie

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI) geht davon aus, dass eine längere Dauer zwischen den beiden Impfdose "unter Umständen sogar wirkungsvoller" sein könnte. Wie die Fachgesellschaft auf ihrer Website erklärt, hat sich der Abstand von 21 Tagen bei anderen Impfungen als frühstmöglicher Termin für eine zweite Impfung herausgestellt. Hält man diesen Abstand nicht ein, könne die erste Immunreaktion die zweite Immunreaktion blockieren. Laut Carsten Watzl könne dies "unerwünschte Folgen" haben, bis hin zu einer Toleranz gegen das Virus.

Die Gesellschaft schreibt in einem Statement, dass es "in dieser besonderen Pandemielage" vertretbar sei, "mit den jetzt vorhandenen Impfdosen möglichst vielen Menschen erst einmal die erste Immunisierung zu ermöglichen". Carsten Watzl hebt hervor, dass auch die Teilnehmer der Zulassungsstudie von Biontech zwischen den beiden Impfdosen teilweise einen Abstand von bis zu 42 Tagen hatten. Die zweite Impfung könne verzögert nachgeholt werden, man solle damit jedoch keinesfalls länger als 60 Tage warten. Die DGfI empfiehlt außerdem, begleitend wissenschaftliche Studien durchzuführen, um die Auswirkung der Verlängerung der Impfintervalle auf bis zu 60 Tage zu untersuchen.

Die DGfI betont ausdrücklich, wie wichtig die zweite Impfung ist. Auf diese dürfe keinesfalls verzichtet werden. Carsten Watzl weist ebenfalls darauf hin, dass die zweite Impfung Vorrang vor Erstimpfungen anderer haben muss, falls ansonsten der Abstand von 60 Tagen überschritten würde.

Die Ständige Impfkommission hat ihre Corona-Impfempfehlung aktualisiert

Nach der Debatte um den Abstand zwischen den beiden Impfdosen hat die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung hinsichtlich der Corona-Impfung aktualisiert. Dazu wird geraten:

  • Die STIKO empfiehlt entweder den Impfstoff von Biontech und Pfizer oder den von Moderna. Beide werden hinsichtlich ihrer Sicherheit und Wirksamkeit als gleichwertig beurteilt (der Schutz liegt bei circa 95 Prozent).
  • Beide Impfungen sollen mit dem gleichen Produkt erfolgen. Man kann NICHT bei der ersten Impfung den Biontech/Pfizer-Impfstoff und bei der zweiten Impfung das Moderna-Produkt erhalten.
  • Bei dem Impfstoff von Biontech soll die zweite Impfdosis nach [frühestens] 21 Tagen erfolgen, bei dem von Moderna nach 28 Tagen. Der STIKO zufolge soll die zweite Dosis innerhalb des durch die Zulassungsstudien abgedeckten Zeitraumes erfolgen. Das sind die bereits erwähnten 42 Tage.
  • Sollte der Abstand von 42 Tagen überschritten worden sein, soll die zweite Impfung trotzdem erfolgen. Der Impfprozess soll nicht abgebrochen und neu begonnen werden.

Gefahr von Mutationen und Resistenzen

Neben der Frage nach der Stärke und Dauer der Schutzwirkung ist ein weiterer Faktor, der bei einer Anpassung der Impfstrategie nicht unterschätzt werden darf, die Gefahr von Mutationen und Resistenzen. Man geht davon aus, dass auch die neue, besonders ansteckende Virusmutante B.1.1.7 in einem Patienten mit geschwächtem Immunsystem entstanden sein könnte. Wird die zweite Imfpdosis zu weit nach hinten verschoben, könnte das eventuell weitere Mutationen begünstigen.

Hintergrund ist, dass, falls die erste Dosis keinen ausreichenden Schutz bietet und der Patient längere Zeit auf die zweite Dosis warten muss, das Virus dann mehr Zeit hat, zu mutieren, ehe sich die volle Schutzwirkung entfaltet. Im schlimmsten Fall verfügen die neuen Mutationen dann über eine Resistenz gegen den Impfstoff, d.h. die Corona-Impfungen, die aktuell zur Verfügung stehen, wirken eventuell nicht mehr oder nicht mehr so gut.

Laut dem Virologen Alexander Kekulé könnte eine solche Entwicklung vor allem bei älteren Menschen auftreten, da ihre Immunantwort schwächer ausfällt als bei jüngeren Personen. Aus diesem Grund raten einige Experten dazu, die zweite Dosis nur bei Personen zu verschieben, die jünger als 75 Jahre sind. Andere halten eine Verschiebung auch bei Risikogruppen für unbedenklich.

Quellen: spiegel.de, scinexx.de, tagesspiegel.de, dgfi.org, rki.de

Die vollständige aktualisierte Corona-Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission finden Sie hier: Beschluss der STIKO zur 1. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung

Mehr Neuigkeiten und Informationen über das Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite. Um mehr Impfstoff zu produzieren, muss Biontech jetzt die Produktion hochfahren – um das Zögern der EU auszugleichen. In vielen Ländern wird bereits fleißig geimpft. Israel zeigt, wie schnell der Biontech-Impfstoff wirkt. Gleichzeitig wird weiter an der medikamentösen Behandlung von Covid-19 geforscht: Unter anderem stellt sich die Frage, ob das Krätze-Medikament Ivermectin etwa doch gegen Corona hilft.

Übrigens: Gerade als HerzpatientIn sollten Sie sich gegen Corona impfen lassen.

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