Aktualisiert: 06.12.2020 - 20:15

Natürliches Desinfektionsmittel Ohne Spucke nix los: Wussten Sie, wie wichtig unser Speichel ist?

Speichelnde Babys sind unglaublich süß – doch mit der Zeit steigt der Ekel vor Spucke. Dabei ist die Körperflüssigkeit ein wahres Wunderwerk!

Foto: Getty Images/Kelly Sillaste

Speichelnde Babys sind unglaublich süß – doch mit der Zeit steigt der Ekel vor Spucke. Dabei ist die Körperflüssigkeit ein wahres Wunderwerk!

Er ist immer da, wir alle haben ihn im Mund, doch wenn wir ihn sehen, ekelt's uns schnell einmal: Speichel wird unglaublich unterschätzt. Dabei ist die Körperflüssigkeit ein wahres Wunderwerk!

Spucke drauf! Auch, wenn dieser Spruch in so manchem Ekel hervorruft und ein kräfiges auf-Wunden-Speicheln sicher nicht immer die beste Idee ist: Ohne Spucke hätten wir ein großes, was sagen wir, ein riesiges Problem. Was die Körperflüssigkeit alles kann, ist wohl den wenigsten bewusst. Speichel ist wichtig für den ganzen Körper!

Speichel ist ein Allroundtalent – aber wo kommt er eigentlich her?

Erst wenn die Spucke fehlt, merken wir, wie wichtig sie doch ist. Ein trockener Mund ist unangenehm – aber nicht nur das. Denn Speichel steckt zum einen voller wichtiger Enzyme, die bereits im Mund beginnen, Nahrung zu verdauen. Doch er hilft auch dabei, Krankheitserregern schon im Mund den Garaus zu machen und unterstützt so unser Immunsystem.

Verantwortlich für die Speichelproduktion sind verschiedene Drüsen im Mund. Drei große Speicheldrüsen gibt es, und mehrere kleine. Die drei Hauptspeicheldrüsen kommen paarweise vor:

  • Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis)
  • Unterkieferspeicheldrüse (Glandula mandibularis)
  • Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis)

Doch sie produzieren nicht alle das Gleiche. Jede Speicheldrüse ist für bestimmte Anteile des Mundsekrets zuständig. Mischen sie sich, entsteht Speichel, oder eben umgangssprachlich: "Spucke".

Aus was besteht Speichel eigentlich?

Der fertige Speichel besteht dann aus verschiedenen Proteinen, genauer Enzymen. Beim Speichel aus der Ohrspeicheldrüse spricht man von "Verdünnungsspeichel", in dem weniger Enzyme stecken. Er macht etwa ein Viertel der Gesamtspeichelmenge aus.

Der Speichel aus der Unterkieferspeicheldrüse ist der "Gleitspeichel", der sehr eiweißhaltig ist und zwei Drittel der Speichelmenge ausmacht. Ebenfalls eiweißreich und fadenziehend ist der Speichel aus der Unterzungenspeicheldrüse, der ebenfalls die Bezeichnung "Gleitspeichel" trägt.

Rund 1,4 bis 1,6 Gramm Eiweiße befinden sich in einem Liter Speichel. Diese sogenannten Mucoproteine sind schleimig und haben eine Besonderheit: Sie haben einen kleinen Kohlenhydratanteil. Sie sorgen dank ihrer Schleimigkeit dafür, dass unsere Schleimhäute geschmeidig bleiben.

Die Ohr- und Unterkieferspeicheldrüsen produzieren vor allem Speichelamylasen. Die wichtigste davon ist die sogenannte Alpha-Amylase (Ptyalin), die Stärke in Nahrung bereits im Mund zersetzt. Damit das gut funktioniert, ist langes, ausgedehntes Kauen übrigens so wichtig. Wer richtig kaut und so viel Stärke bereits im Mund verdauen kann, erspart seinem Verdauungstrakt später jede Menge Arbeit und sich selbst ein paar unangenehme Stunden.

Aber auch Fett kann Speichel bereits spalten – mit Lipase von den Zungengrunddrüsen. Sie hilft vor allem Säuglingen, das Milchfett aus der Muttermilch besser aufzunehmen.

Und sonst so? Sonst stecken in Speichel noch Ammoniak, Harnsäure und Harnstoff, Folsäure, Vitamin C sowie diverse Elektrolyte.

Was Spucke alles kann

Verschiedenste Aufgaben übernimmt der Speichel im Mund:

  • Er spült Nahrungsreste weg und hilft dabei, die Zahnzwischenräume sauber zu halten.
  • Er hilft, Nahrung besser schlucken zu können.
  • Er hilft dabei, Stärke und Fett bereits im Mundraum zu verdauen.
  • Er hilft uns, Geschmäcker zu erkennen.
  • Er bekämpft Krankheitserreger, etwa Bakterien und Viren.
  • Er hilft dabei, die Zähne zu mineralisieren.

Und manchmal hilft der Speichel auch einfach dabei, ein aufkommendes Durstgefühl zu überbrücken. Wussten Sie, dass Erwachsene Experten zufolge zwischen einem halben und ganzen 1,5 Litern Speichel pro Tag bilden können? Der muss natürlich irgendwo her kommen. Wer also in die Verlegenheit kommt, seinen Durst mithilfe der Speicheldrüsen zu stillen, sollte zusehen, schnellstmöglich an etwas "Richtiges" zu trinken zu kommen. Denken Sie dran: Wir sollten täglich rund zwei Liter Wasser trinken. Ein Teil davon landet – richtig – in der Spucke. Mehr dazu: Flüssigkeitsmangel: Darum ist Trinken so wichtig!

So halten Sie Ihren Speichel gesund – und sich selbst

Wie das aber immer so ist: Damit der Speichel seine ihm aufgetragenen Jobs richtig durchführen kann, muss er richtig zusammengesetzt und "gesund" sein. Das können Sie selbst beeinflussen, indem Sie ein paar Tipps beherzigen:

  • Achten Sie auf eine gute Mundhygiene und Zahngesundheit: zweimal täglich Zähneputzen ist wichtig und hilft auch gegen Karies und beugt Mundgeruch vor.
  • Lassen Sie Zähne und Zahnfleisch regelmäßig durchchecken, insbesondere, wenn Sie unter regelmäßigem Zahnfleischbluten leiden.
  • Bei trockenem Mund: regen Sie die Speichelproduktion an, etwa mithilfe von Kaugummis oder Bonbons.
  • Trinken Sie genug Wasser. Auf zuckerhaltige Getränke, Säurehaltiges sollten Sie möglichst verzichten.
  • Verzichten Sie möglichst aufs Rauchen.

Also: Wenn Ihnen demnächst einmal wieder das Wasser im Mund zusammenläuft, wissen Sie jetzt, warum das so ist und woher das Sprichwort kommt. Spannend, oder?

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