Aktualisiert: 13.01.2021 - 09:52

Welche Impfrate nötig ist Coronavirus: Bringt die Impfung endlich die Herdenimmunität?

Wird das Coronavirus ansteckender, benötigen wir auch eine höhere Impfrate in der Bevölkerung. Die Herdenimmunität durch Impfung hat jede Menge Vorteile gegenüber einer "Durchseuchung".

Foto: Getty Images/japatino

Wird das Coronavirus ansteckender, benötigen wir auch eine höhere Impfrate in der Bevölkerung. Die Herdenimmunität durch Impfung hat jede Menge Vorteile gegenüber einer "Durchseuchung".

Das Konzept der Herdenimmunität durch "Durchseuchung" wurde bisher vehement abgelehnt. Doch was ist mit der Herdenimmunität durch Impfung? Welche Impfrate ist eigentlich nötig, damit die Pandemie endet? Das ist gar nicht so leicht zu beziffern und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Ein Wort, das in Verbindung mit der Corona-Pandemie in den letzten Monaten immer wieder gefallen ist, ist das Wort Herdenimmunität. Während man zu Beginn der Pandemie noch hoffte, dass sich innerhalb von ein paar Monaten der Großteil der Bevölkerung unbemerkt mit dem Virus infiziert hätte und es so zu einer Herdenimmunität durch "Durchseuchung" kommen würde, wurde schnell klar: So einfach ist das nicht. Mehrere Gründe sprechen gegen das Konzept einer Herdenimmunität durch Durchseuchung – wie aber sieht es mit der Herdenimmunität durch Impfung aus? Welche Impfrate ist nötig, damit die Pandemie zum Erliegen kommt?

Herdenimmunität durch Corona-Impfung – so funktioniert's

Wer sich gegen eine Krankheit impfen lässt, schützt dadurch nicht nur sich selbst, sondern im besten Fall auch andere Menschen. Das ist besonders für Personen wichtig, die sich selbst nicht impfen lassen können, beispielsweise, weil sie erkrankt sind, etwa an Leukämie, gerade eine Organspende erhalten haben oder schlicht noch zu jung sind. Je mehr Personen geimpft sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand mit dem Virus infiziert und es an Ungeimpfte und andere Risikogruppen weitergibt. Dieses Phänomen bezeichnet man als Herdenimmunität.

Wie viele Personen sich impfen lassen müssen, damit eine Herdenimmunität erreicht wird, hängt vom jeweiligen Krankheitserreger ab. Laut Angaben von Galileo liegt die notwendige Durchimpfungsrate bei Masern zum Beispiel bei 95 Prozent, während bei Diphterie bereits 80 Prozent ausreichen. Experten der Weltgesundheitsorganisation schätzten bisher, dass beim Coronavirus eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent erforderlich ist – also etwa so viele, wie sich laut Meinungsforschungsinstitut YouGov derzeit für oder wahrscheinlich für eine Corona-Impfung aussprechen. Mittlerweile sagen Experten aber: Das ist zu gering.

Denn mittlerweile ist mindestens eine neue, offenbar ansteckendere Virusvariante hinzugekommen, die die Übertragungsgeschwindigkeit möglicherweise erhöht. Nach bisher vorliegenden Daten müssten so laut Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen etwa 80 Prozent der Bevölkerung immun sein, "um die weitere Ausbreitung im Sinne der Herdenimmunität zu verhindern".

Durchseuchung vs. Impfung: Was ist an der Herdenimmunität anders?

Macht es denn wirklich so einen großen Unterschied, ob die Herdenimmunität in der Bevölkerung durch Durchseuchung oder durch Impfung erreicht wird? Die Antwort auf diese Frage lautet: definitiv ja. Zum einen werden, wenn man auf eine Herdenimmunität durch Durchseuchung setzt, Risikopatienten nicht berücksichtigt. Für diese aber könnte der Kontakt mit dem Virus tödlich enden. Zum anderen werden dabei mögliche Langzeitfolgen bei Corona-Patienten außer Acht gelassen – und aktuelle Erkenntnisse zeigen: die sind durchaus präsent. So haben laut einer neuen chinesischen Studie drei von vier Ex-Patienten noch immer mit Folgen zu kämpfen. In anderen Studien kommen Forschende zu dem Ergebnis, dass etwa ein Drittel über Wochen und Monate mit dem Phänomen "Long Covid" zu tun hat – selbst nach leichten Verläufen.

Ein weiterer guter Grund für die Herdenimmunität durch Impfung ist, dass die Immunität durch eine gezielte Impfung deutlich länger anhalten könnte als die natürliche Immunität des Körpers gegen das Coronavirus, die momentan auf mindestens acht Monate geschätzt wird. Da die Impfstoffe von Biontech, Moderna und AstraZeneca gerade erst entwickelt wurden, gibt es dazu natürlich noch keine Langzeitstudien. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete, hoffen Experten aber darauf, dass die dadurch erworbene Immunität deutlich länger anhält. Selbst, wenn der Schutz "nur" zwei Jahre andauere, könne man regelmäßig nachimpfen, so der Immunologe Carsten Watzl.

Wird die Impfung das Virus ausrotten?

Wenn sich genügend Menschen gegen eine Krankheit impfen lassen, kann diese ausgerottet werden. So war es beispielsweise mit den Pocken, die heute weltweit als ausgerottet gelten. Bis dieses Ziel erreicht wird, dauert es allerdings. Ausschlaggebend ist dabei die Ansteckungsrate. Ein ansteckenderes Virus benötigt auch eine höhere Impfrate. "Die Botschaft muss sein: Diejenigen, die Zugang zum Impfstoff haben, sollten nicht zögern, sich impfen zu lassen", sagt Luka Cicin-Sain vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig der Deutschen PresseAgentur (dpa) gegenüber.

Laut Galileo ist aber zumindest damit zu rechnen, dass durch die Corona-Impfung die Infektionszahlen und vor allem die Zahl der schweren Erkrankungen zurückgehen. Es kommt also vermutlich immerhin eine Entspannung der Pandemie-Situation auf uns zu. Das sieht auch Zeeb so: Hauptsache, erst einmal Druck vom Gesundheitssystem und der Gesellschaft nehmen. Und das klappt auch, wenn Geimpfte sich zwar trotzdem anstecken und das Virus weitergeben können, aber eben nicht mehr schwer erkranken. Dann ist auch wieder der Platz und die Zeit für die an anderen Krankheiten schwer Erkrankten – und zwar in dem Rahmen, der für ein humanes Leben benötigt wird.

Selbst, wenn es erforderlich sein sollte, die Impfung regelmäßig auffrischen zu lassen, dann wäre dies dem Immunologen Watzl zufolge zwar "nervig", es wäre dann aber "keine Pandemie mehr".

Ganz wichtig: Sie sind skeptisch bei der Impfung? Müssen Sie nicht – aus diesen Gründen:

Mehr Neuigkeiten und Informationen über das Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite. Hier erklären wir noch einmal, warum die WHO mit ihrer Warnung, das Konzept von Herdenimmunität durch Durchseuchung sei "unethisch", recht hat. Weitere Corona-Experten lehnen die Strategie der Herdenimmunität ebenfalls entschieden ab. Bereits im Sommer hatte eine Studie aus Spanien nahegelegt, dass es sowieso kaum Herdenimmunität durch Corona gibt.

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