24.11.2020 - 13:03

Begrenzte Kapazitäten Gesundheitsökonom fordert: Keine Intensivbetten für Corona-Skeptiker!

Ein Intensivbett in der Uniklinik Dresden. Davon gibt es nicht unendlich viele. Wie geht man vor, wenn die Kapazitäten erschöpft sind? Sollen Corona-Skeptikern Intensivbetten verwehrt bleiben?

Foto: imago images/Max Stein

Ein Intensivbett in der Uniklinik Dresden. Davon gibt es nicht unendlich viele. Wie geht man vor, wenn die Kapazitäten erschöpft sind? Sollen Corona-Skeptikern Intensivbetten verwehrt bleiben?

In Deutschland bekommt im Ernstfall jeder ein Intensivbett – zumindest solange noch welche frei sind. Doch wie geht man vor, wenn dies nicht mehr der Fall ist? Die Schweiz kämpft bereits mit diesem Problem. Ein Schweizer Gesundheitsökonom spricht jetzt Klartext.

In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit. Das bedeutet: Wer gegen die Corona-Regeln ist, das Virus als harmlos erachtet oder es gar für eine Verschwörungstheorie hält, darf diese Meinung selbstverständlich kundtun. Er darf protestieren, Facebook-Kommentare schreiben und seine Meinung beim bierseligen Beisammensein vertreten – nun ja, Letzteres zumindest bis zum Lockdown Nummer 2. Solange er sich an die in Deutschland geltenden Gesetze hält, hat er dennoch nichts zu befürchten – und sollte sich das Virus doch als realer erweisen als von ihm angenommen, steht im Ernstfall sogar ein Intensivbett für ihn bereit. Fein! Doch mit diesem Privileg könnte jetzt bald Schluss sein. Ein Schweizer Gesundheitsökonom fordert: Keine Intensivbetten für Corona-Skeptiker!

Verwirken Corona-Skeptiker ihr Recht auf ein Intensivbett?

Ein von Gegnern der Corona-Maßnahmen häufig hervorgebrachtes Argument: Die meisten Corona-Patienten erkranken sowieso nicht schwer! Das mag, vereinfacht gesagt, zwar stimmen (solange wir die bekannten und die unerforschten Langzeitfolgen des Virus außer Acht lassen), ein großes Problem der Pandemie liegt aber ganz woanders: Steigen die Infektionszahlen weiter, gibt es in Deutschland weder genügend Intensivbetten, noch ausreichend Personal, um alle Patienten (und dazu zählen nicht nur Corona-Patienten) zu versorgen. Unser Gesundheitssystem würde kollabieren.

Nur: Wie entscheidet man, wer ein Intensivbett bekommt und wer nicht? Wer – im schlimmsten Fall – stirbt und wer am Leben bleibt? Willy Oggier, ein bekannter Schweizer Gesundheitsökonom, hat zumindest eine Idee, wie man diese Entscheidung ein bisschen vereinfachen könnte: Im Interview mit der Basler Zeitung schlug er vor, dass im Falle von Engpässen "Corona-Skeptiker ihr Recht auf ein Akutbett oder einen Intensivplatz verwirken".

Corona-Skeptiker sollen namentlich erfasst werden

Willy Oggier spricht in dem Interview über die Corona-Situation in der Schweiz. Da der Mangel an Intensivbetten ein globales Problem ist, lässt sich sein Vorschlag auch auf Deutschland übertragen. Es ist ein extremer Vorschlag – und wie ließe sich dieser überhaupt umsetzen? Schließlich sind die Gedanken frei. Woher soll man also im Zweifelsfall wissen, wer an der Existenz oder der Schädlichkeit des Coronavirus zweifelt?

Willy Oggier geht es nicht darum, Gedanken zu kontrollieren und Gedankengut, das nicht der Linie der Masse entspricht, abzustrafen. Statt für Gedanken sollen Zweifler für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden: Personen, die beim Verletzen der Corona-Regeln ertappt werden, sollen namentlich erfasst werden – und dann im Ernstfall im Krankenhaus kein Intensivbett erhalten.

Für den Gesundheitsökonomen geht es dabei offenbar weniger um Strafe aus Prinzip, als um Fairness gegenüber anderen Patienten: "Ich finde es fairer, wenn der selbsternannte Corona-Rebell das Nachsehen hat, als wenn es einfach den ältesten Patienten im Raum trifft", so Oggier. Im Grunde ein nachvollziehbarer Gedanke – ob dieser moralisch vertretbar ist und sich in Deutschland überhaupt so umsetzen ließe, darf jedoch bezweifelt werden.

Klar ist: Corona-Skeptiker gibt es schon seit Beginn der Pandemie. Doch woher kommt dieser Frust und sogar Hass, den viele Corona-Leugner an den Tag legen? Mehr Neuigkeiten und Informationen über das Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite. Hier erfahren Sie unter anderem, welche Nebenwirkungen der neue Corona-Impfstoff von Biontech hat. Außerdem erklären wir Ihnen, wie Sie gefälschte FFP2-Masken erkennen.

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