Aktualisiert: 10.12.2020 - 20:09

Erfahrungsbericht Corona-Test im Krankenhaus: So läuft der Abstrich und alles drumherum ab

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Coronavirus-Test: Wichtige Fragen geklärt

Coronavirus-Test: Wichtige Fragen geklärt

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Und da kam der Anruf: Eine Bekannte unserer Autorin wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Auch wenn beide nur mit Abstand und Masken zusammengesessen hatten: Über eine längere Zeit zusammen in einem Raum heißt: ab zum Test. Jetzt berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Ein kurzer Anruf, kurze Panik, die Frage nach dem "was jetzt?" – mit diesem Gefühl müssen sich mehr und mehr Menschen herumschlagen. Doch es ist gar nicht so einfach dieser Tage, sich testen zu lassen. Unsere Autorin musste den Abstrich über sich ergehen lassen – und teilt ihren Erfahrungsbericht mit uns: So läuft es ab, wenn man sich auf Corona testen lassen muss.

Corona-Test: So läuft er an einer der größten Kliniken Deutschlands

Puuuh. Nun ist es also passiert. Ich hatte einen Kontakt mit einer Person, die einen positiven Corona-Test erhalten hat. Da gehen einem ja erstmal unglaublich viele Gedanken durch den Kopf. Erst pocht die Sorge um die betroffene Person, dann keimt unweigerlich die Frage auf: Habe ich mich angesteckt? Ein wenig Panik schwappt über – und ich habe erstmal diverse Menschen kontaktiert, von deren Meinung zum Thema ich viel halte. Gesundheitsexperten, Apotheker – und letztlich auch mein Hausarzt.

'Sicherheitshalber' wäre ein Test angeraten, war der einheitliche Tenor. Vor lauter Aufregung war ich erstmal gar nicht in der Lage, den nächsten Schritt zu bedenken. Eine liebe Freundin verriet mir dann aber, dass man bei einem großen Krankenhaus in der Stadt eine sogenannte 'Covid-19-Akut-Sprechstunde' kann. Glücklicherweise war dann auch binnen fünf Tage ein Termin frei. Bis dahin hieß es also erstmal: Quarantäne einhalten.

Vor dem Termin: Fragebogen ausfüllen

Die Zeit dahin verging erstaunlich schnell. Viel Ablenkung und einiges an Hilfe von lieben Menschen, die das mit dem Einkaufen für mich übernehmen konnten. Am Tag vor dem Sprechstundentermin bekam ich vom Krankenhaus eine Mail mit einem umfangreichen Fragebogen, den ich ausgefüllt zum Termin mitbringen sollte. Offenbar wollte man es dann vor Ort vermeiden, mich zu viel Sprechen zu lassen – und mögliche Viren in meine Umwelt hinauszuschleudern.

Welche Symptome habe ich? Wann hatte ich Kontakt zu einer infizierten Person? Wie ist es um meinen allgemeinen Gesundheitsstatus bestellt? Fragen wie diese beantwortete ich gewissenhaft – und nahm die Antworten mit zu meinem Termin, zu dem ich mit dem Auto anreiste. Besser keinen Personen-Nahverkehr nutzen, sollte auch ich infiziert sein.

Dann heißt es erstmal: warten, warten...

Am Krankenhaus angekommen, wurde ich von mit Atemschutzmasken-vermummten Security-Fachkräften zum Testzentrum geschickt – und dort warteten schon allerlei Menschen. Nach etwa zehn Minuten wurde ich von einer netten Dame aufgenommen, die sich nach der Uhrzeit meines Termins erkundigte – und ein paar kleinere Fragen stellte. Etwa, ob ich mich bereits mit dem Gesundheitsamt in Kontakt gesetzt hätte und wo genau ich auf die infizierte Person getroffen bin.

Daraufhin wurde mir ein Zettel mit einer Nummer in die Hand gedrückt – wie beim Bürgerbüro oder auch der Arbeitsagentur. Ich sollte aufgerufen werden. Warten konnte ich in einem Zelt, oder auch im Freien. Ich bevorzugte trotz 6 Grad Außentemperatur die frische Luft. Ich suchte mir ein kleines Plätzchen in einer Ecke und beobachtete das Geschehen um mich herum.

Viele Patienten kamen mit Termin – einige andere versuchten ihr Glück auch ohne. Nicht alle wurden aufgenommen. Bei manchen gab es nicht genügend Verdachtsmomente, die einen Test rechtfertigen – diese Patienten wurden weggeschickt. Andere wurden auf eine lange Wartezeit vorbereitet. Ich denke zum Beispiel an einen Mann, der einen negativen Test für einen Flug ins Ausland brauchte – seine Mutter war verstorben und er wollte der Beerdigung beiwohnen. Man beobachtet viel, während man wartet.

...und weiter warten

Nach etwa 45 Minuten wurde ich dann aufgerufen. Damit war das Warten allerdings nicht vorbei. Vielmehr ging es jetzt um das Vorlegen meiner Krankenkarte – und die zweite Phase des Wartens. Ich wurde in einen Vorraum geführt, in dem auch andere Menschen warteten. Immerhin: Der Raum war ausreichend groß und durchflutet von Stoßluft. Die Menschen um mich herum hielten Abstand und ich war beruhigt.

Kurzgespräch mit Ärzten

Nach einer weiteren halben Stunde wurde ich in eine Art Sprechzimmer gebeten. Es war weniger ein Sprechzimmer, wie man es sich vorstellen würde. Es war eine Art Telefonzelle. In dieser gab es nichts als ein offenes Fenster nach draußen, ein in dicke Folie verpacktes Telefon mit nur einem Knopf in der Funktion einer Gegensprechanlage, eine Glasscheibe (hinter der sich zwei Ärzte mit Mundschutz verbargen) sowie Desinfektionsmittel und -tücher.

Ich zeigte meinen ausgedruckten Fragebogen und antwortete auf alles, was die Ärzte so wissen wollten. Dann kamen Sie zu dem Ergebnis, es sei besser, wenn ich getestet werden würde. Danach erhielt ich den Auftrag, Telefon, Stuhl und die Türklinken von beiden Seiten zu desinfizieren und alles nur noch mit einem Desinfektionstuch zu anzufassen – und nochmal kurz im Wartezimmer Platz zu nehmen.

Mundschutz runter – für 20 Sekunden

Nun ging es aber ganz schnell. Ich wurde von einer Schwester in den (durchlüfteten) Testraum geführt. Sie informierte mich über das Vorgehen des Tests. Bat mich, wenn ich nach dem Test husten müsse, dies in die Armbeuge zu tun. Die Info-Blätter für mein Verhalten nach dem Test lagen schon bereit.

Etwa 20 Sekunden lang hatte ich meinen Atemschutz heruntergenommen. Die Schwester führte mir einen extra langen Q-Tipp in den Hals. Als ich gerade das Gefühl hatte, würgen zu müssen, war es auch schon vorbei. Ich sammelte mich ein paar Sekunden, dann wurde mir ein Q-Tipp in die Nase geführt. Sicher nicht angenehm, aber längst nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ein kleiner Preis für die Gewissheit, die ich dadurch bekommen sollte.

Negatives Ergebnis? Trotzdem Quarantäne!

Schon hatte ich die Maske wieder auf und war auf dem Weg zum Auto – bewaffnet mit den Infoblättern und der Aufforderung, in Quarantäne zu bleiben. So lange, bis der Kontakt zur infizierten Person zwei Wochen her ist – ungeachtet des Testergebnisses! Schon am Tag danach erreichte mich dieses via Telefon. Ich hatte Glück: Es war negativ. Ich habe kein Corona.

Riesengroße Erleichterung! Und obwohl ich sowieso ein unglaublich vorsichtiger Mensch bin: Ich werde noch vorsichtiger sein, weil ich diese Tage der Sorge und Angst nie wieder erleben möchte. Es kann einen so unvermittelt treffen, das kann man gar nicht glauben. Das sehe ich selbst an mir bekannten Menschen, die sich infiziert haben. Keiner fahrlässig, jeder bedacht. Das Virus ist so tückisch und, Entschuldigung, dass ich das so sagen muss, ein A***loch. Die Befolgung der AHA + L Regelung – die übrigens auch gegen andere Infektionskrankheiten schützt, die man insbesondere dieser Tage auch nicht durchleben will – ist da das Mindeste, was man tun kann. Zum Schutz der eigenen Person und aller anderen Menschen. Der geliebten Personen und aller anderen, die den eigenen Weg kreuzen.

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Unsere Autorin ist nicht die einzige im Umkreis, die sich hat testen lassen müssen. Auch diese Frau musste ran – und das gleich zweimal: Corona: Aus dem Tagebuch einer Getesteten

Wann zum Test? 6 Kriterien: Erfüllen Sie eines, sollten Sie einen Corona-Test machen lassen!

Das Coronavirus lässt uns eben noch nicht los. Auch die vielerhofften Impfungen werden die Pandemie nicht schlagartig beenden können. Was wir jetzt brauchen: Noch ein bisschen Disziplin, denn mit Abstand, Maske und Co schützen wir uns alle gegenseitig. Solidarität sollte das Wort des Jahres sein, nicht Corona.

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