Aktualisiert: 12.11.2020 - 21:28

So reagiert der Körper Bingewatching: Stundenlanges Seriengucken tut nicht gut

Stundenlang vor der Flimmerkiste? Ein Serienmarathon macht Spaß – und süchtig. Wie ungesund Bingewatching ist und was Sie gegen die Schäden tun können.

Foto: iStock.com/kali9

Stundenlang vor der Flimmerkiste? Ein Serienmarathon macht Spaß – und süchtig. Wie ungesund Bingewatching ist und was Sie gegen die Schäden tun können.

Herbststimmung, kalt draußen – und dann auch noch Lockdown! Was liegt da näher als ein feiner Serienabend... oder zwei... oder drei...? Bingewatching – also exzessives Serien- und Filmgucken ist wahrscheinlich das, was derzeit viele von uns zum Zeitvertreib machen. Aber unser Körper mag das leider gar nicht. Mit ein paar einfachen Tipps lassen sich bleibende Schäden aber abwenden.

"Ein Hoch auf Netflix und Co!" Das denken sich wahrscheinlich gerade weltweit sehr viele Menschen, die aufgrund eines Lockdowns gemischt mit ungemütlichem Novemberwetter lieber im Warmen bleiben und die Wunder der Technik nutzen. Das Programm ist schließlich äußerst vielfältig. Ein Serienmarathon jagt den nächsten. Aber Bingewatching ist ganz schön ungesund. Unser Körper reagiert nämlich auf die bewegungsfreie Dauerberieselung ganz anders, als es uns lieb ist.

Bingewatching: Darum ist der Serienmarathon ungesund

Eigentlich brauchen wir es gar nicht aufzählen: Kaum Bewegung, stundenlanges Starren auf nur einen kleinen Teil im Blickfeld, womöglich noch unkontrolliertes Snacken nebenbei. Das ist aber tatsächlich nur ein Teil von dem, was Bingewatching so ungesund macht. Das stundenlange Fernsehschauen – das Menschen übrigens schon machen, seitdem die TV-Geräte in den meisten Wohnzimmern stehen – stellt Dinge mit unserem Körper an, die uns kurzfristig, aber auch langfristig schaden.

Bingewatching bezeichnet das exzessive Schauen von Serien oder Filmen. Der Begriff macht die Runde, seitdem es Streamingportale wie Netflix oder Amazon Prime in die meisten Haushalte geschafft haben. Das Phänomen gibt's schon länger: Schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten lassen sich Menschen vom TV-Programm berieseln. Seitdem man sich das, was man schauen möchte, aber aussuchen kann, ist die Zahl der Bingewatcher gestiegen. In Gesprächen hat man zuweilen das Gefühl, sich sogar gegenseitig toppen zu müssen. Und es gibt ja soooo viel zu gucken!

Doch Bingewatching findet meist relativ bewegungslos im Sitzen statt. Und das ist, so erzählen es uns Forscher seit Jahren, absolut nicht gesund: "Sitzen ist das neue Rauchen" hört man oft. Die Folgen der Bewegungslosigkeit für den Körper: Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Haltungsschäden und -schwächen, Diabetes...

Das sind die Hauptschäden für unseren Körper

  • Trockene Augen: Beim langen Starren auf den Bildschirm bewegen wir unsere Augen kaum noch – und blinzeln auch weniger. Das hat zur Folge, dass der Tränenfilm austrocknet – und es äußert sich in roten, brennenden Augen.
  • Bewegungsmangel: Merken wir spätestens nach dem zweiten oder dritten Tag, so richtig aber erst auf lange Sicht. Insbesondere wer vom Bürostuhl (womöglich auch noch im Home Office) aufs Sofa fällt, wird schnell merken: Da schwinden die Muskeln, und früher oder später schmerzt der Rücken. Der Mangel an Bewegung kann zudem ratzfatz zu Übergewicht führen.
  • Schlafdauer und Schlafqualität leiden: Nicht nur die spannende Serie hält uns wach – das blaue Licht des TV-Geräts sorgt auch dafür, dass unser Körper nicht ausreichend Melatonin bildet. Ohne das Schlafhormon können wir aber nicht gut einschlafen geschweige denn durchschlafen. So schleppen wir dank Schlafstörungen uns von Tag zu Tag müder in Richtung Sofa.
  • Depressionen: Wer mehr Zeit vor der Glotze als mit anderen verbringt, verringert seine sozialen Kontakte, verliert sie sogar. Gut, das ist in Zeiten eines Lockdowns sowieso der Fall. Aber auch Pflichten und Hobbys werden schnell vernachlässigt, wenn Bingewatching in Suchtverhalten ausartet. Doch eine weitere Erkenntnis zeigt: Bingewatching kann auch depressiv machen. Laut einer Studie der University of Buffalo und der Mount Sinai School of Medicine hemmt stundenlanges Bindschirm-Starren die Produktion von Myelin, einem Stoff, der unsere Nervenzellen schützt. Fehlt dieses Myelin, begünstigt das laut anderer Studien auf Dauer Depressionen und Angstzustände.
  • Gedächtnisstörungen: Die vielen Informationen, die beim stundenlangen TV-Schauen auf uns einprasseln, können wir nicht mehr richtig verarbeiten. Wer immer nur eine Folge in der Woche guckt, kann diese Informationen viel besser verarbeiten und sich länger daran erinnern als an das, was er schnell hintereinander "wegsuchtet". So viele Informationen auf einmal können nämlich die wenigsten von uns verarbeiten. Das kann sich auch – im Zusammenhang mit den Schlafstörungen, die uns um den regenerierenden Schlaf bringen – langfristig auf unsere kognitiven Fähigkeiten auswirken.

5 Tipps gegen Bingewatching-Schäden

Was also tun? Gehören auch Sie schon zu den Serienfans und merken, dass Sie gar schon Probleme haben, Motivation für andere Aktivitäten zu finden oder stellen fest, dass der Rücken langsam nicht mehr richtig mitmachen will? Dann haben wir hier 5 Tipps für Sie, wie Sie Ihre Lieblingsserien trotzdem genießen können, ohne Ihrem Körper und Geist zu schaden.

  1. Pausen mit Bewegung! Wir sollten ja generell öfter rausgehen. Also ruhig nach jeder Folge ein paar Minuten an die frische Luft und spazieren gehen. Wer ein Fitnessgerät, etwa einen Crosstrainer, zuhause hat, kann das Seriengucken natürlich auch mit dem Training kombinieren. Auch leichte Gewichtübungen lassen sich klasse in den Serienmarathon einbauen. Trotzdem nicht vergessen, nach jeder Folge für ein paar Minuten aufzustehen. Das bringt dann auch den Kreislauf wieder in Schwung.
  2. Limit setzen! Es muss doch nicht die komplette Serie sein, oder? Die ist in den meisten Fällen nämlich auch morgen und übermorgen noch da. Nach maximal zwei Stunden am Tag ausschalten – das hält die Spannung oben und gibt Ihrem Gehirn Zeit, das Gesehene zu verarbeiten. Es gibt noch sooo viele andere Beschäftigungen, denen wir jetzt nachgehen können.
  3. Gesund snacken! Wenn schon was auf dem Sofa knabbern, dann bitte gesund. Wie wär's mit Rohkost? Auch Karotten, Gurken und eine Handvoll Nüsse oder ein aufgeschnittener Apfel schmecken – und sättigen besser als Chips. Mehr? Nach Feierabend: 15 gesunde Snacks für abends.
  4. An die Augen denken! Vergessen Sie das Blinzeln nicht! Auch dafür sind kurze Pausen zwischen den Folgen optimal: Denken Sie dran, immer mal wieder woanders hinzuschauen und den Fokus auf einen anderen Punkt zu lenken. Verpassen können Sie nichts – dafür gibt's heute ja die Pause-Taste.
  5. Sozial bleiben! Auch wenn es im Lockdown schwierig ist – bleiben Sie in Kontakt mit Familie und Freunden. Statt der zigsten Folge der Serie lieber mal die Tante anrufen. Oder auch cool: Nebenbei Videochat mit der besten Freundin halten und zusammen gucken – und die Folge gleich noch auseinandernehmen.

Und noch ein Tipp hinterher, wenn's mit dem Einschlafen mal nicht klappen will: 10 Sofortmaßnahmen gegen Schlafstörungen in der Corona-Krise.

Oder aber zwischendurch mal mit Hintergrundinfos über die Serie versorgen. Kennen Sie beispielsweise die Schauplätze der Serie Babylon Berlin?

Babylon Berlin - die wichtigsten Schauplätze und ihre Geschichte
Babylon Berlin - die wichtigsten Schauplätze und ihre Geschichte

So ist das ungesunde Bingewatching gar nicht mal mehr sooo ungesund. Pausen sind eben wichtig. Das gilt bei allem.

Mit diesen Tipps können wir Ihnen gleich mit viel besserem Gewissen unsere Serien-Tipps für den Lockdown empfehlen. Und für die Abwechslung:

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