Aktualisiert: 08.11.2020 - 20:20

Flexible Vorgaben für Patienten Diese Corona-Ausnahmeregeln machen das Leben leichter

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Die Videosprechstunde ist nur eine der Neuerungen, die jetzt für Patienten möglich sind: Corona hat einige Änderungen im Ablauf herbeigerufen.

Foto: iStock.com/ake1150sb

Die Videosprechstunde ist nur eine der Neuerungen, die jetzt für Patienten möglich sind: Corona hat einige Änderungen im Ablauf herbeigerufen.

Ja, Sie haben richtig gelesen, es gibt Dinge, die Corona tatsächlich einfacher macht – z.B. Krankschreibung, Psychotherapie und Rezeptvergabe.

Der Lockdown light ist da, unser Leben wird durch die Coronavirus-Pandemie wieder einmal eingeschränkt und komplizierter. Aber immerhin haben die Erfahrungen aus dem Frühjahr und der technische Fortschritt auch positive Folgen. Wer etwas vom Arzt, Psycho- oder Physiotherapeuten braucht, hat nun mehr digitale Möglichkeiten, profitiert von vereinfachten Abläufen und verlängerten Fristen. Lesen Sie hier die Übersicht über die Sonderregelungen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV (Stand: 05.11.2020), die Patienten das Leben erleichtern. Sie gelten vorläufig, meist bis Januar 2021, je nachdem wie die Pandemie sich entwickelt, werden sie wahrscheinlich noch einmal verlängert.

Vereinfachte Abläufe dank Corona: Video-Sprechstunden und Telefon-Krankschreibung

Telefon-Krankschreibung

Schon im Frühjahr führte die unkomplizierte AU-Bescheinigung nach Telefonat zu einer großen Entlastung der Hausarztpraxen. Seit Mitte Oktober 2020 gilt nun wieder folgendes: Wer wegen Erkältungssymptomen / Atemwegsinfekten nicht arbeiten, kann in der Hausarztpraxis anrufen und sich nach einem Gespräch mit dem Arzt krankschreiben lassen. Das geht für eine Woche (sieben Kalendertage), wenn es nötig ist, kann man die Krankschreibung noch einmal per Telefon um eine Woche verlängern. Die Bescheinigung wird dem Patienten per Post zugesandt.

Wie das Ganze genau abläuft: Krankschreibung per Telefon: So kommt der Schein zum Chef!

Video-Sprechstunde unbegrenzt möglich

Der Gang in die Arztpraxis ist auch mit anderen Beschwerden nicht unbedingt notwendig. Ärzte können Video-Sprechstunden jetzt unbegrenzt für alle möglichen Krankheitsbilder anbieten. Das ist deshalb besonders, weil die Praxen eigentlich enge Grenzen haben, für was und wie oft sie eine Video-Beratung mit den Krankenkassen abrechnen können.

Sehr viele haben deshalb bislang gar keine Video-Sprechstunden angeboten. Das könnte sich nun ändern, es lohnt sich auf jeden Fall bei Ihrem Arzt nachzufragen. Nach der Video-Sprechstunde können Ärzte dann ggf. auch Rezepte, Überweisungen und Krankschreibungen ausstellen.

Video-Sprechstunde beim Zahnarzt in bestimmten Fällen

Zwar nicht direkt pandemiebedingt aber richtungsweisend: Seit Oktober 2020 können Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung die erste Beratung beim Zahnarzt per Video in Anspruch nehmen. "Eine große Hilfe, denn für diese Personengruppen bedeutet ein Praxisbesuch häufig auch einen großen organisatorischen Aufwand. Nun kann die Behandlung per Videoübertragung geplant und vorbereitet werden. Beratende Videofallkonferenzen entlasten zudem Betreuende, Pflege- sowie das zahnmedizinische Personal“, so Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand beim GKV-Spitzenverband. Es bleibt zu hoffen, dass die Möglichkeiten zur Zahnarzt-Video-Sprechstunde noch weiter ausgebaut werden.

Virtuelle Psychotherapie

Ebenso wie Ärzte können auch Psychotherapeuten unbegrenzt Video-Therapiesitzungen durchführen und mit der Krankenkasse abrechnen. Das gilt sogar für die probatorischen Sitzungen, also die ersten fünf Termine für neue Patienten. Man kann eine Psychotherapie theoretisch komplett virtuell beginnen und weiterführen, soweit es vom Therapeuten angeboten wird. In der Praxis einigen sich viele Patienten und Therapeuten auf einen Wechsel zwischen persönlichen Treffen und Video-Sitzungen. Eine von der Kasse genehmigte Gruppenpsychotherapie kann außerdem vorrübergehend in Einzelpsychotherapie umgewandelt werden, das muss lediglich der Krankenkasse mitgeteilt werden.

Wie eine Psychotherapie generell und "traditionellerweise" abläuft, erfahren Sie hier.

Mehr Spielraum bei Rezepten und Überweisungen

Austauschmöglichkeiten bei der Rezept-Einlösung

Apotheken haben während der Corona-Pandemie mehr Möglichkeiten zum Austausch von Arzneimitteln. Wenn ein Rezept ein bestimmtes Präparat, bzw. einen bestimmten Hersteller verlangt, müssen sich Apotheker nicht unbedingt daran halten. Wenn sie das bestimmte Medikament nicht vorrätig haben, dürfen sie dem Kunden auch eines mit demselben Wirkstoff geben, auch, wenn das teurer ist.

Wenn gar keine Präparate mit dem verordneten Wirkstoff zu bekommen sind – z.B. durch Lieferengpässe – darf die Apotheke, nach Rücksprache mit dem Arzt, ein ähnlich wirkendes Medikament herausgeben. Patienten müssen in diesen Fällen kein neues Rezept vom Arzt holen. Medikamente können außerdem in einer anderen Packungsgröße und -anzahl als auf dem Rezept vermerkt, abgegeben werden.

Krankenhaus-Entlassungen: Verordnungen gelten länger

Wer aus dem Krankenhaus entlassen wird, bekommt mehr Zeit bei Krankschreibungen und für Anschlussbehandlungen. Konkret sind es jetzt 14 Tage. Dabei geht es um folgende Leistungen: AU-Bescheinigung, häusliche Krankenpflege, Hilfsmittel, Soziotherapie, Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) sowie Heilmittel.

Das bedeutet, dass man sich vom Klinik-Arzt für 14 Tage nach Entlassung krankschreiben lassen kann und auch zwei Wochen Zeit hat, um Überweisungen einzulösen. Rezepte bei der Entlassung können jetzt auch für größere Medikamenten-Mengen ausgestellt werden. Zuvor durfte das Krankenhaus nur Anschluss-Rezepte für die kleinste mögliche Packung ausstellen. Die Einlösefrist für Entlassrezepte wurde auf 6 Werktage verlängert.

Physiotherapie und Co werden flexibler

Heilmittelverordnungen – z.B. für Physiotherapie - können innerhalb von 28 Tagen begonnen werden. Regulär hatte man nur 14 Tage Zeit, um die Behandlung zu beginnen, nachdem man ein Rezept vom Arzt bekommen hat. Mit der Verlängerung soll ein Terminstau bei Heilmittelbehandlungen verhindert werden, wenn es wegen Pandemie-Maßnahmen zu Verzögerungen kommt. Folgeverordnungen für Heil- und Hilfsmittel können die Praxen jetzt auch nach Telefon-Gespräch ausstellen. Außerdem können Heilmittelbehandlungen in vielen Fällen auch per Video-Chat stattfinden, z.B. in der Sprachtherapie.

Mehr Spielraum für chronisch Kranke

Kontroll-Termine dürfen ausfallen

Eigentlich müssen Patienten, die dauerhaft auf Medikamente und Behandlungen angewiesen sind, mindestens einmal im Quartal bei ihren behandelnden Ärzten vorstellig werden. Diese Kontrolluntersuchungen dürfen derzeit ausfallen, wenn es medizinisch vertretbar ist. Auch Schulungen (z.B. zum Diabetes-Management) müssen Patienten derzeit nicht unbedingt absolvieren. Koordinierende Ärzte können somit selbst entscheiden, was für ihre Patienten in der aktuellen Situation am besten ist.

Notfallplan sichert Dialyse-Versorgung

Um die Dialyse-Versorgung auch während der Pandemie sicher zu stellen, sollen die Einrichtungen flexibel auf bestimmte Notsituationen reagieren können. Dialyse-Ärzte könnten z.B. krankheitsbedingt ausfallen oder in Quarantäne müssen, ganze Einrichtungen vorrübergehend geschlossen werden. In solchen Fällen können Praxen unkompliziert Patienten anderer Praxen übernehmen.

U-Untersuchungen ohne starre Fristen

Für die Kinder-Früherkennungsuntersuchungen U6, U7, U7a, U8 sowie U9 sind eigentlich bestimmte Fristen vorgegeben. Jetzt können Ärzte diese U-Untersuchungen auch durchführen und abrechnen, wenn die vorgegebenen Untersuchungszeiträume und Toleranzzeiten überschritten sind. Die Sonderregelung gilt solange, wie der Deutsche Bundestag eine epidemische Lage von nationaler Tragweite feststellt – und bis zu drei Monate darüber hinaus.

Wie der Stand bei der Coronavirus-Pandemie und den Maßnahmen zu ihrer Eindämmung ist, erfahren Sie immer aktuell auf unserer Themenseite.

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