22.09.2020 - 15:59

Zwangsstörung Dermatillomanie: Die Haut bearbeiten bis sie blutet

Mal an einem Pickel herumdrücken? Nicht weiter tragisch. Anders verhält es sich bei Dermatillomanie, auch Skin Picking genannt.

Foto: iStock.com/PeopleImages

Mal an einem Pickel herumdrücken? Nicht weiter tragisch. Anders verhält es sich bei Dermatillomanie, auch Skin Picking genannt.

Wer eine Zwangsstörung hat, leidet. So ist es auch bei Dermatillomanie: Betroffene kratzen, drücken oder bearbeiten ihre Haut anderweitig. Die Folgen sind schwerwiegend – sowohl physisch als auch psychisch.

Wer kennt das nicht? Man entdeckt einen fiesen Pickel oder eine trockene Hautstelle und beginnt, natürlich in bester Absicht, daran herumzudrücken. Ein paar Minuten später ist die Haut rot, eventuell auch blutig und alles in allem sieht das Ganze deutlich schlimmer aus als vorher. Blöd gelaufen, aber meist sich nicht weiter dramatisch – vorausgesetzt, die Hände waren sauber und es bleibt bei diesem einen Mal. Was bei den meisten auch der Fall ist. Bei – laut "aerzteblatt.de" – 2 bis 5 Prozent der Bevölkerung bleibt es aber eben nicht dabei. Sie leiden unter Dermatillomanie, auch Skin Picking genannt, also unter dem krankhaften Zwang, die eigene Haut zu "bearbeiten", d.h. daran zu drücken, zu zupfen, zu quetschen oder zu reiben.

Dermatillomanie: So äußert sich die Zwangsspektrumstörung

Wer unter Dermatillomanie leidet, verspürt den Zwang, die eigene Haut durch intensives Bearbeiten von Unebenheiten zu befreien. Um dies zu erreichen, drücken und zupfen die Betroffenen an Pickeln, Mitessern, Krusten oder eingewachsenen Härchen. Neben den eigenen Händen nutzen viele auch Hilfsmittel wie Pinzetten oder Nadeln.

Ein Skin-Picking-Schub kann einige Minuten, im Extremfall aber auch einige Stunden andauern, die Betroffenen sind währenddessen wie in Trance. Das Ergebnis: Nach einem solchen Anfall sieht die Haut noch viel schlimmer aus als vorher, sie ist gerötet oder blutet, im schlimmsten Fall bleiben Narben zurück oder eine Entzündung entwickelt sich.

Die Konsequenzen sind jedoch nicht nur körperlicher Natur: Dermatillomanie schlägt auch auf die Psyche. Viele Betroffene verstehen nicht, was mit ihnen los ist, sie leiden unter den deutlich sichtbaren offenen Stellen und Narben, ekeln sich vor sich selbst und isolieren sich im schlimmsten Fall.

Die meisten Betroffenen sind Frauen

Dermatillomanie wird als Zwangsspektrumsstörung eingestuft. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise auch Kleptomanie, Trichotillomanie oder das Messie-Syndrom. Der genaue Auslöser ist unklar, als mögliche Gründe werden oft Stress oder Traumata genannt. Besonders häufig tritt Dermatillomanie in der späten Kindheit oder der frühen Jugend auf, oder aber im Erwachsenenalter, zwischen dem 30. und dem 45. Lebensjahr. Besonders Frauen leiden darunter: Sie machen laut "aerzteblatt.de" 60 bis 90 Prozent der Betroffenen aus.

Was hilft gegen das Skin Picking?

Viele Betroffene verstehen nicht, was mit ihnen passiert. Kein Wunder: Dermatillomanie ist erst seit einigen Jahren als Zwangsspektrumstörung anerkannt. Die Störung ist bisher erst wenig erforscht, viele Ärzte – auch Hautärzte – sind nicht ausreichend darüber informiert und erkennen sie nicht. Betroffene erhalten von ihnen, ebenso wie von Freunden oder Familienmitgliedern, deshalb häufig den Rat, das Ganze einfach bleiben zu lassen. Selbstredend kann ein solcher Vorsatz bei einer Zwangsstörung in den allermeisten Fällen nichts ausrichten. Zu erkennen, dass man unter Dermatillomanie leidet, ist daher bereits der erste große Schritt auf dem Weg der Besserung.

Um die Störung zu bekämpfen, gibt es verschiedene Ansätze: Experten empfehlen eine kognitive Verhaltenstherapie. Bei dieser lernen Betroffene, wie sie den Schüben entgegenwirken können und was sie im Fall eines Schubs tun können. Auch das Habit-Reversal-Training, das auch selbst durchgeführt werden kann, wird empfohlen. Nicht als einzige, aber als zusätzliche Option kann es außerdem hilfreich sein, einer Selbsthilfegruppe beizutreten. Selbsthilfegruppen für Dermatillomanie-Betroffene gibt es in vielen größeren Städten.

Ebenfalls in den Bereich der Zwangsspektrumstörungen eingeordnet wird die Trichotillomanie, der Zwang, sich Haare auszureißen. Auch die Pandemie verstärkte viele Menschen in ihrem zwanghaften Verhalten: Lesen Sie hier mehr über den Zusammenhang zwischen Corona und Zwangsstörungen. Sie wollen mehr über zwanghafte Verhaltensweisen erfahren? Wir haben uns mit einem Psychotherapeuten über Zwangsstörungen unterhalten.

Wichtig nach einem Schub ist übrigens eine sanfte Hautpflege, die die betroffenen Stellen nicht noch mehr reizt.

Halloween alles rund um das Gruselfest

Halloween alles rund um das Gruselfest

Beschreibung anzeigen
Eine Marke der FUNKE Mediengruppe