Aktualisiert: 16.09.2020 - 18:43

Vereinzelte Vorstöße Würden Sie für mehr Urlaubstage mit dem Rauchen aufhören?

Raucherpausen summieren sich – Nichtraucher haben diesen Ausgleich nicht immer. Sind mehr Urlaubstage für Letztere daher ein guter Anreiz, das Rauchen sein zu  lassen?

Foto: iStock.com/mikulas1

Raucherpausen summieren sich – Nichtraucher haben diesen Ausgleich nicht immer. Sind mehr Urlaubstage für Letztere daher ein guter Anreiz, das Rauchen sein zu lassen?

Erneut geht eine Meldung durch die Schlagzeilen: Ein Arbeitgeber gibt den Nichtrauchern im Betrieb mehr Urlaubstage, um Raucherpausen der Kollegen auszugleichen. Kann so etwas vielleicht sogar dazu beitragen, mehr Menschen vom Glimmstengel zu lösen?

Wie viel Arbeitszeit geht am Tag, in der Woche, im Monat und schlussendlich im ganzen Jahr eigentlich für Raucherpausen drauf? Diese Frage hat sich kürzlich wieder ein Chef aus Rheinland-Pfalz gestellt – und seinen nichtrauchenden Angestellten einfach mal fünf Tage mehr Urlaub im Jahr in Aussicht gestellt. Ein gutes Zeichen? Und vielleicht sogar eine Möglichkeit, mehr Leute vom Rauchstopp zu überzeugen?

Was passiert im Körper, wenn man aufhört zu rauchen?
Was passiert im Körper, wenn man aufhört zu rauchen?

Restaurantbesitzer gibt Nichtrauchern mehr Urlaub

Helmut Glas, Besitzer des Landgasthofs Jägerstübchen in Neustadt-Hambach in Rheinland-Pfalz war es satt: Regelmäßig gab es Streit zwischen den Rauchern und den Nichtrauchern unter seinen Angestellten. Wie greift man da als Chef am besten ein? Glas' Idee: Mitarbeiter, die nicht rauchen und entsprechend keine Raucherpausen machen, bekommen fünf Tage mehr Urlaub im Jahr gutgeschrieben – als Ausgleich für die Zeit, die ihre rauchenden Kollegen an Zigarettenlängen so am Tag verbrauchen.

Wer jetzt vermutet, dass dieser Vorstoß doch nur noch mehr Ärger provoziert, liegt zumindest im Falle des Landgasthofes an der Weinstraße falsch: Bei Helmut Glas' Mitarbeitern kommt die neue Regelung gut an – sogar so gut, so erzählt er, dass sich sogar manche Raucher dazu entschlossen hätte, das Rauchen aufzugeben.

Rauchpausen hochgerechnet aufs Jahr

Das alles geht natürlich nur, weil im Jägerstübchen auf Vertrauensarbeitszeit beim Rauchen gesetzt wird: "Bei uns im Betrieb sind wir tolerant. Die Raucher müssen nicht ausstechen", erklärt Glas gegenüber RTL. Damit aber alles fair bleibt, habe er kurzerhand seine rauchenden Mitarbeiter dazu befragt, wie viel Zeit am Tag sie während der Arbeitszeit mit dem Glimmstengel in der Hand verbringen. Das habe er hochgerechnet – und sei im Schnitt auf acht bis 15 Arbeitstage Rauchzeit pro Person im Jahr gekommen.

Zugegeben, da kommen die fünf Tage Ausgleich für die Nichtraucher nicht ganz ran – doch mehr Pause am Stück ist schließlich auch der Erholung erträglicher als nur wenige Minuten immer mal wieder.

Im Landgasthof scheint das gut zu funktionieren – das Schimpfen über Raucherpausen habe aufgehört, alle seien zufrieden: "Das ist eine Lösung, die für unseren Betrieb gut ist, ich weiß nicht ob das für andere Betriebe funktioniert", erklärt Glas aber fairerweise.

Nicht der erste mit dieser Idee

Der Restaurantchef ist nicht der Erste, der einen solchen Vorstoß wagt. In Japan hatte ein Firmenchef schon im Jahr 2017 Ähnliches getan: Weil seine Mitarbeiter vom 29. Stock aus immer nach unten fahren mussten und so mindestens zehn Minuten für ihre Raucherpausen gebraucht hatten, schrieb er den Nichtrauchern im Kollegium sechs zusätzliche Urlaubstage im Jahr gut. Ein Sprecher damals sagte, dass sich die Unterhaltungen im Raucherraum trotzdem meist um die Arbeit drehen würden, daher habe man sich lieber dazu entschieden, die Nichtraucher zu belohnen, nicht die Raucher zu bestrafen." Vier Mitarbeiter hatten bereits zwei Monate später mit dem Rauchen aufgehört. Sie bekamen das Versprechen, dass auch ihnen dieser Zusatzurlaub zustehe, sollten sie mindestens ein Jahr bei ihrer Entscheidung bleiben. Das Projekt gilt bis heute als erfolgreich.

Was denken Sie? Würden Sie mit dem Rauchen aufhören, wenn stattdessen bei gleichem Lohn mehr freie Zeit am Stück herausspringen würde?

Aber: Rechtlich gesehen in Ordnung?

Doch warum gibt es diese Regelung nicht überall? Warum sind bisher nur so wenige Fälle bekannt? In Deutschland jedenfalls ist die rechtliche Lage dazu bisher noch recht unklar. Das Gleichbehandlungsgebot sei laut dem Fachanwalt für Arbeitsrecht Frank Zander zwar gedeckt, erklärt der Anwalt gegenüber RTL. Doch seitens der Arbeitsgerichte gebe es noch keinerlei Urteile zu diesem Sachverhalt. Arbeitgeber sollten daher aufpassen, nicht in ein Benachteiligungsverbot zu kommen und am Ende allen Mitarbeitern mehr Urlaub zahlen zu müssen. Vertraglich gesehen müssten auch rauchende Arbeitnehmer die in ihrem Vertrag festgelegte Arbeitszeit leisten. Die Zeit müsse also nachgearbeitet werden – und dazu können Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer auch verpflichten, sofern die Pausenzeiten überschritten werden.

Ganz klar ist das bei Unternehmen, die mit Stechuhr arbeiten, und bei denen sich auch die Raucher während ihrer Raucherpausen ausstechen müssen. Hier kann es entsprechend gar nicht zu Diskrepanzen kommen.

Doch hinsichtlich der Gesundheit – und das wiederum sei auch einer seiner Hauptgründe für den eingeräumten Mehrurlaub, erklärt Helmut Glas – ist mehr Urlaub im Jahr möglicherweise doch ein größerer Anreiz, dem Tabak abzuschwören. Der Arbeitgeber hätte damit jedenfalls gleich mehr gewonnen: Auf Dauer gesündere Arbeitnehmer, die gleichzeitig erholter sind und zusätzlich auch noch mehr Positives mit ihrem Job und ihrem Chef verbinden. Klar ist: Wer gerne raucht, benötigt auch einen für sich selbst triftigen Grund, um damit aufzuhören. Und wenn's schon die eigene Gesundheit nicht ist, dann vielleicht doch das Mehr an Freizeit?

Sie würden eigentlich gerne endlich mit dem Rauchen aufhören, aber es ist einfach so schwer? Wir nennen Ihnen 10 gute Gründe, das Rauchen aufzugeben – vielleicht hilft das dem Kopf, sich besser darauf einzustellen. Wussten Sie etwa, dass Sie Ihre Lunge reinigen können? Dann macht auch vielleicht sogar der Urlaub am Ende mehr Spaß.

Eine Marke der FUNKE Mediengruppe