Aktualisiert: 08.09.2020 - 21:01

400.000 Tote allein durch Luftverschmutzung Dreckige Luft: Jeder achte Todesfall hängt mit Umweltverschmutzung zusammen

Maske tragen hilft nicht nur gegen die Ausbreitung von Krankheiten: In asiatischen Ländern wird der Mundschutz auch gegen Smog getragen. Doch auch in Europa sprechen die Zahlen der vorzeitigen Todesfälle durch Luftverschmutzung für sich...

Foto: iStock.com/torwai

Maske tragen hilft nicht nur gegen die Ausbreitung von Krankheiten: In asiatischen Ländern wird der Mundschutz auch gegen Smog getragen. Doch auch in Europa sprechen die Zahlen der vorzeitigen Todesfälle durch Luftverschmutzung für sich...

In der EU sterben jährlich rund 400.000 Menschen an durch Luftverschmutzung ausgelöste Krebs- oder Atemwegserkrankungen. Rund 13 Prozent aller Todesfälle innerhalb eines Jahres hängen mit Umweltverschmutzung zusammen. Die neuen Daten der Europäischen Umweltagentur lassen aufhorchen.

Die Luft zum Atmen – wir alle brauchen sie. Was aber, wenn die eingeatmete Luft so verschmutzt ist, dass sie nicht nur Leben möglich macht, sondern es auch verkürzt? Laut einer Studie der Europäischen Umweltagentur (EEA) ist fast jeder achte Todesfall in der EU auf Umweltverschmutzungen zurückzuführen. Rund 400.000 Menschen erliegen demnach jährlich vorzeitig den Krankheiten, die durch verschmutzte Luft ausgelöst werden können: Atemwegserkrankungen allen voran, aber auch Krebs.

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Tod durch Umweltverschmutzung: Zahlen weiterhin hoch

Die EEA hat für den Bericht unter anderem Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) analysiert. Zum Zuge kamen Daten zum Einfluss der Umwelt auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Europäer – die aktuellsten Daten stammen aus dem Jahr 2012. Die Erkenntnis ist bekannt – wohl aber in den Köpfen der wenigsten Menschen wirklich präsent: Die Luftverschmutzung ist und bleibt die größte Umweltbedrohung für unsere Gesundheit. Immerhin: Die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch dreckige Luft ist in den vergangenen 30 Jahren gesunken. Im Jahr 1990 lag sie noch bei einer Million.

Aber nicht nur die Luftverschmutzung spielt eine Rolle für frühzeitige Todesfälle. Auch Lärmbelastung kann sich negativ auf die Lebenszeit und Lebensqualität auswirken. Sie führt laut Bericht zu weiteren 12.000 vorzeitigen Todesfällen jährlich. Weiter werden Auswirkungen des Klimawandels genannt: Hitze und Überschwemmungen. Ferner sind Faktoren wie chemische Verbindungen, Resistenzen bei Krankheitserregern aufgrund von zu hohem Antibiotika-Einsatz sowie verschmutztes Trinkwasser ausschlaggebend. Insgesamt waren im Jahr 2012 rund 630.000 Todesfälle auf die Auswirkungen von Umweltverschmutzung zurückzuführen.

Osteuropa stärker betroffen

Das Gefälle zwischen Ost- und Westeuropa bleibt dabei weiterhin auffällig: In Ländern im Osten Europas sei die Rate vorzeitiger Tode sehr viel höher als in westlichen Ländern, heißt es im Bericht. Vor allem Bosnien und Herzegowina habe mit 27 Prozent den höchsten Anteil an Todesfällen durch Umweltbelastung zu verzeichnen. In Rumänien sei fast jeder fünfte Todesfall auf Umweltverschmutzung zurückzuführen. In Island und Norwegen hingegen gibt es die wenigsten Fälle mit jeweils neun Prozent. Vergleichsweise gut ist die Lage auch in Deutschland mit neun bis elf Prozent.

EEA-Exekutivdirektor Hans Bruyninckx erklärt: "Während wir in Europa Verbesserungen in der Umwelt und im Green Deal einen klaren Fokus auf eine nachhaltige Zukunft sehen, zeigt der Bericht, dass Maßnahmen erforderlich sind, um die am stärksten gefährdeten Personen in unserer Gesellschaft zu schützen."

Vor allem die Atemwege leiden

Die Umweltagentur betont, dass vorzeitige Todesfälle durch von schlechten Umwelteinflüssen induzierte Krankheiten verhindert werden könnten, wenn "Umweltrisiken" beseitigt würden. Zu den Hauptrisiken zählen Krebserkrankungen sowie Erkrankungen der Atemwege, beispielsweise COPD, und des Herz-Kreislauf-Systems.

"Covid-19 war ein weiterer Weckruf"

Die Umweltverschmutzung ist ein Thema, das die Menschheit wohl so früh nicht loslassen wird. Doch eine kranke Umwelt macht auch den Menschen krank. "Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Zustand der Umwelt und der Gesundheit unserer Bevölkerung", erklärt Virginijus Sinkevičius, Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei. "Jeder muss verstehen, dass wir durch den Schutz unseres Planeten nicht nur Ökosysteme retten, sondern auch Leben, insbesondere jene der am stärksten Gefährdeten."

Stella Kyriakides, Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ergänzt: "Covid-19 war ein weiterer Weckruf, der uns allen die Beziehung zwischen unseren Ökosystemen und unserer Gesundheit sowie die Notwendigkeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen, deutlich gemacht hat – die Art und Weise, in der wir leben, konsumieren und produzieren, schädigt das Klima und wirkt sich negativ auf unsere Gesundheit aus.

Aber was kann jeder Einzelne von uns tun? Es reicht lange nicht mehr, nur den Finger zu heben und auf "die da oben" zu schimpfen. Wenn wir alle unseren Lebensstil etwas anpassen, kann schon viel erreicht werden. Wie wäre es beispielsweise mit einem selbstgemachten, langlebigen Bienenwachstuch statt Alufolie oder Frischhaltefolie? Mehr Ideen erfahren Sie auf unserer Themenseite zu nachhaltigem Leben.

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