Aktualisiert: 25.08.2020 - 21:21

Phänomen erklärt Warum müssen wir auf die Toilette, wenn wir Wasser plätschern hören?

Von Stephanie Brümmer

Er muss immer: Die berühmteste Statue Belgiens, Manneken Pis. Woran liegt es, dass wir diesen Toiletten-Drang spüren, wenn wir Wasser plätschern hören?

Foto: iStock.com / Adrian Wojcik

Er muss immer: Die berühmteste Statue Belgiens, Manneken Pis. Woran liegt es, dass wir diesen Toiletten-Drang spüren, wenn wir Wasser plätschern hören?

Das Phänomen kennt jeder. Sobald irgendwo Wasser plätschert, verspüren wir mehr oder weniger starken Harndrang. Aber woher kommt das eigentlich?

Sie verspüren einen stärkeren Harndrang, wenn Sie im Hintergrund das Wasser aus dem Wasserhahn laufen hören, und das Plätschern des Flusses hat einen ähnlichen Effekt auf Sie? So geht es den meisten Menschen. Welcher Grund steckt hinter dem Pipi-Machen-Müssen, wenn man das Plätschern von Wasser hört? Wir verraten es Ihnen.

Blasenentzündung
Blasenentzündung

Warum müssen wir auf die Toilette, wenn wir Wassergeräusche hören?

Hundertprozentig genau können Experten nicht belegen, warum wir beim Hören von Wassergeräuschen ein verstärktes Bedürfnis haben, die Blase zu entleeren. Allerdings gibt es zwei interessante Ansätze.

Der "Audio-Katheter" aus 1974 machte es vor

Eine Studie aus dem Jahr 1974, abgedruckt in der medizinischen Fachzeitschrift "The New England Journal of Medicine", beschreibt die Erfolge eines Mediziners mit dem "Audio-Katheter". Der Hintergrund: Operierten Prostata-Patienten, die über Probleme mit dem Wasserlassen klagten, wurden Wassergeräusche vom Tonband vorgespielt. Das Ergebnis: Spätestens 30 Minuten nach dem Vorspielen konnten 60 von 80 Patienten auf die Toilette gehen. Ähnliches wurde im Jahr 2015 probiert, die Geräusche kamen zwar aus dem Smartphone, das Ergebnis war aber identisch.

Konditionierung und Evolutionsbiologie könnten dahinter stecken

Es gibt zwei mögliche und sehr wahrscheinliche Erklärungen, die sich auf unsere frühen Tage berufen. Erstens die Konditionierung, zweitens die Evolutionsbiologie. Wie bitte? Wir erklären es Ihnen im Detail.

Bei der so genannten Konditionierung löst ein ganz bestimmter Reiz eine Reaktion aus. Beispiel: Kleinkinder lernen ungefähr im Alter von zwei Jahren auf die Toilette zu gehen. Dabei hören sie das Plätschern und ihr Gehirn verbindet die Tätigkeit mit einem Geräusch. In der Folge wird das Geräusch automatisch mit dem Wasserlassen assoziiert.

Die Evolution baut auf der These auf, dass unsere Vorfahren nur dort Wasserlassen konnten, wo keine Gefahr für Leib und Leben bestand, zum Beispiel durch wilde Tiere. Deshalb gingen Sie an Flüsse oder Bäche, an denen Raubtiere die menschliche Fährte, vor allem den starken Uringeruch nicht wittern konnten, um dort die Notdurft zu verrichten. Durch das Pullern ins Wasser wurden die Tiere nicht so schnell auf den Menschen aufmerksam. Das Geräusch der Gewässer wäre somit durch die Wahl der Notdurft-Örtlichkeit auch in unserem Hirn verankert.


Neurologischer Erklärungsansatz fürs Pullernmüssen

Darüber hinaus gibt es eine Erklärung aus der Neurologie. Überwiegende Teile der Muskulatur unserer Blase können wir nicht bewusst steuern, denn das wird vom vegetativen Nervensystem kontrolliert.

Der Parasympathikus steuert die Anspannung der Muskulatur. Ganz konkret zieht sich die Blase dann zusammen und wir haben das Gefühl auf die Toilette zu müssen. Sein Gegenspieler, der Sympathikus sorgt für die Entspannung der Muskulatur, die Blase wird also schlaff und kann Urin aufnehmen.

Unser Wunderwerk Körper reagiert folgendermaßen: Bei Stress, Kampfbereitschaft oder Fluchtinstinkt, haben wir keine Zeit für Bedürfnisse anderer Natur, somit regiert in diesen Situationen der Sympathikus unseren Körper und entspannt die Blase, damit wir keinen Harndrang verspüren.

Wenn wir uns dagegen in einer entspannten Situation befinden, ist der Parasympathikus dominant. Da Wassergeräusche, egal welche, meist als entspannend wahrgenommen werden, können wir dem Harndrang dabei leichter freien Lauf lassen.

Wann verspürt man überhaupt Harndrang?

Wussten Sie das? Die Blase kann bis zu 600 Milliliter Urin aufnehmen. Sie hat Druckrezeptoren, die ab ca. 200 Millilitern Impulse an unser Gehirn geben. Das vegetative Nervensystem senden dann einen Befehl an die Blasenmuskulatur. Das Ergebnis: Die Blase kontrahiert und wir haben das Bedürfnis, Wasser zu lassen. Manchmal kommt dieser Impuls im für uns falschen Moment und wir haben keine Zeit oder finden keinen passenden Ort. Bis zu einem gewissen Grad können wir dann über den Zeitpunkt der Erleichterung mitbestimmen.

Grund dafür sind zwei Muskelringe. Einer liegt am oberen Ende der Harnröhre und unterhalb der Blase. Diesen können wir nicht beeinflussen. Anders aber der zweite Ringmuskel, den wir steuern können: Dieser verschließt die Harnröhre am unteren Ende. Somit können wir trotz Wassergeräuschen an uns halten.

Sie leiden unter einer Reizblase? Das sind die Symptome, Ursachen & Abhilfen.Die perfekte Diät finden: Ein Urintest soll dabei helfen Unser Körper ist wirklich erstaunlich: Kennen Sie diesefünf überraschenden Fakten über unseren Körper? Ein Urintest kann kann beim Coronavirus auch vor schwerem Verlauf warnen.

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