Aktualisiert: 20.08.2020 - 18:49

Erheblicher Anstieg an Nichtversicherten Die Krankenversicherung ist wichtig – doch immer mehr Menschen haben keine

Von der Redaktion

Karte hinlegen, und schon übernimmt die Krankenkasse die Behandlungsgebühren. Trotzdem steigt die Zahl derer in Deutschland, die keine Krankenversicherung haben.

Foto: iStock.com/ollo

Karte hinlegen, und schon übernimmt die Krankenkasse die Behandlungsgebühren. Trotzdem steigt die Zahl derer in Deutschland, die keine Krankenversicherung haben.

Eine Krankenversicherung mag eine finanzielle Belastung sein. Größer ist letztere aber, wenn dann einmal ein teurer Krankheitsfall auftritt. Dennoch leben immer mehr Menschen in Deutschland ohne Krankenversicherung. Das Statistische Bundesamt schlägt Alarm.

Seit fünf Jahren steigt die Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung in Deutschland. Während es 2015 noch 79.000 Nichtversicherte waren, ist die Zahl zuletzt stark gestiegen – auf 143.000. Das Statistische Bundesamt hat die entsprechenden Daten kürzlich veröffentlicht, nachdem die Linke die Daten im Bundestag abgefragt hatte. Die Partei sieht jetzt den Bund in der Pflicht.

Menschen ohne Krankenversicherung: Vor allem im Westen deutlicher Anstieg

Auffällig ist, dass vor allem im Westen viele Menschen keine Krankenversicherung besitzen. In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 78,94 Millionen Krankenversicherte – gesetzlich oder privat. In den westlichen Bundesländern besaßen 117.000 keine Krankenversicherung, in den östlichen Bundesländern hingegen 26.000. Dabei gilt seit 2009 offiziell eine Krankenversicherungspflicht für alle – ob gesetzlich oder privat versichert.

Jetzt soll die Bundesregierung das Recht auf medizinische Versorgung gewährleisten, fordert Linken-Sozialpolitikerin Sabine Zimmermann. Ihr erster Vorschlag: Ein Fond, über den die Behandlung von Menschen ohne Krankenversicherung finanziert werden soll.

Corona-Krise macht Wichtigkeit von Krankenversicherungen deutlich

Weitere Vorschläge aber drehen sich um freiwillig Versicherte: Selbstständige etwa, die sich selbst versichern müssen, aber nur ein geringes Einkommen aufweisen, müssten stärker bei den Beitragszahlungen entlastet werden. Bisher gibt es Beitragsentlastungen für Kleinselbstständige, deren Mindestbeitrag sich so auf etwa 160 Euro im Monat halbiert. Zimmermann betont: Gerade die Coronakrise mache jetzt die Bedeutung eines funktionierenden Gesundheitssystems deutlich.

Wie sich ein Krankheitsfall ohne Krankenversicherung auswirken kann, sieht man aktuell unter anderem in den USA. Dort besitzen weit weniger Leute eine entsprechende Versicherung, weil sie nicht verpflichtend und viel teurer ist als in Deutschland. Nun müssen Menschen, die etwa wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt worden sind, horrende Rechnungen teils in Millionen-Dollar-Höhe zahlen.

In Deutschland werden die Kosten zu großen Teilen von den Krankenkassen aufgefangen: Unter anderem aufgrund des Virus steuern die gesetzlichen Krankenkassen im laufenden Jahr 2020 auf ein Defizit von 14,1 bis 14,6 Milliarden Euro zu. Der Grund: sinkende Beitragseinnahmen bei gleichzeitig steigenden Kosten.

Wo kommen die Nichtversicherten her – und wie fängt man sie auf?

Warum die Zahl der Nichtversicherten in den vergangenen Jahren so zugenommen hat, konnte das Bundesgesundheitsministerium auf Nachfrage der "Saarbrücker Zeitung" erst einmal nicht schlüssig klären, heißt es in dem Blatt. Und auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sei diesbezüglich ratlos. GKV-Sprecher Florian Lanz stellte der Zeitung gegenüber klar: "Selbst wenn Menschen ihre Kassenbeiträge aus persönlichen Gründen nicht begleichen können, verlieren sie trotzdem nicht ihre Krankenversicherung." In diesen Fällen würden stattdessen Beiträge gestundet und Nachzahlungen vereinbart. Jedoch sei in diesen Fällen mit eingeschränktem Leistungsumfang im Versicherungsschutz zu rechnen. Die Kasse zahlt dann nur noch bei akuten Krankheiten oder Schmerzbehandlungen.

Experten seien laut "Saarbrücker Zeitung" der Auffassung, dass vor allem Selbstständige, Arbeitssuchende und Obdachlose keine Krankenversicherung hätten. Hier setzt Sabine Zimmermann an und fordert den genannten Fond: "Die Bundesregierung muss dringend dafür sorgen, dass für jeden Menschen das Recht auf medizinische Versorgung gewährleistet wird."

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