Aktualisiert: 15.08.2020 - 21:58

Wer besonders helfen kann Häusliche Gewalt? Gynäkologen sind gefragt!

Gynäkologen können eine der ersten Anlaufstellen für Frauen sein, die unter häuslicher Gewalt leiden. Daher haben die Verbände jetzt Handlungsempfehlungen angepasst.

Foto: iStock.com/Cecilie_Arcurs

Gynäkologen können eine der ersten Anlaufstellen für Frauen sein, die unter häuslicher Gewalt leiden. Daher haben die Verbände jetzt Handlungsempfehlungen angepasst.

Über häusliche Gewalt wird nicht gesprochen. Doch manchen fällt sie vielleicht eher auf als anderen. Besonders Gynäkologen spielen eine große Rolle – auch auf psychischer Ebene.

Wo geht man hin, wenn man unter häuslicher Gewalt leidet? Die Hürden sind enorm, wem soll man sich anvertrauen? Dass ebendiese Hürden bei Frauenärztinnen und -ärzten vielleicht niedriger sind, darauf weisen die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) hin. Sie sagen: Gynäkologen spielen bei der Aufdeckung häuslicher Gewalt gegen Frauen eine besondere Rolle.

Häusliche Gewalt? Gynäkologen können helfen

Wichtig sei, dass dies bei allen Ärztinnen und Ärzten des Berufsstandes ankomme. "Verstärkt durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehend gestiegenen Fallzahlen ist es heute umso wichtiger, dass Gynäkologen in Niederlassung und Klinik im professio­nellen Umgang mit gewalterfahrenen Patientinnen vertraut sind“, erklärte DGGG-Präsident Anton Scharl zu einer Stellungnahme der Verbände.

Der Grund ist eigentlich naheliegend. Denn die Fachgesellschaft und der Berufsverband weisen darauf hin, dass gewaltbetroffene Frauen viel häufiger unter gynäkologischen Beschwerden leiden als Frauen, die bisher keine Gewalt gegen sich erlebt haben. Die Hemmschwelle, sich Hilfe zu suchen, sei vor allem bei niedergelassenen Frauenärzten niedrig, sie seien daher oft die erste Anlaufstelle.

Verbände haben Handlungsempfehlungen aktualisiert

Wie Frauenärztinnen und Frauenärzte in einem solchen Fall reagieren sollen, haben die Verbände nun in einer aktualisierten Handlungsempfehlung veröffentlicht. Dort wird Rat gegeben, wie betroffene Frauen und gegebenenfalls auch deren Kinder am besten und effektivsten unterstützt werden können.

Vier zentrale Aufgaben nennt das Papier für niedergelassene Ärzte:

  • Gewalterfahrungen und Folgen von Gewalt erkennen, ansprechen und bei der Untersuchung berücksichtigen,
  • gesundheitliche Folgen von Gewalt gegebenenfalls gerichtsverwertbar dokumentieren,
  • Hilfen zum Schutz und zur Beendigung von Gewalt vermitteln und
  • Sicherheit für Patientinnen und Praxisteam in der Praxis gewährleisten.

Jeder der Punkte wird in der Stellungnahme genau erörtert, ebenso gibt es Hilfe für mögliche Handlungsschritte. "Nur wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, kann einer Chronifizierung von häuslicher Gewalt vorgebeugt und langfristig Entlastung geschaffen werden", schloss Scharl.

Gewalt zu Hause ist ein Problem, vor dem zu oft die Augen verschlossen werden – oft unbewusst. Doch sie existiert, in alle Richtungen. Gerade in der Corona-Krise ist das einmal mehr zu Tage getreten. Schon zu Beginn der Coronavirus-Pandemie hatten Frauenhäuser mehr Gewalt gegen Frauen befürchtet.

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Apotheken hatten sich daher auf einen Geheim-Code geeinigt. Bedrohte Menschen – übrigens auch Kinder und Männer, gegen die Gewalt durchaus auch in höherem Maße vorkommt, als gedacht – können so einen Notruf auslösen.

Sie oder jemand in Ihrem Bekanntenkreis benötigt Hilfe aufgrund von Gewalt? Das Hilfetelefon ist im Notfall da. Sie erreichen Mitarbeiter des Hilfetelefons rund um die Uhr unter der kostenlosen Nummer 08000 116 016, sowie per E-Mail oder Chat auf der Seite hilfetelefon.de.

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