Aktualisiert: 12.08.2020 - 21:33

Bertelsmann-Studie zeigt Zusammenhalt steigt – durch die Corona-Krise

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Von Kindern bemalte Steine für den Zusammenhalt während der Krise: Ein Sinnbild für Solidarität – die laut einer Bertelsmann-Umfrage tatsächlich gestiegen ist.

Foto: imago images / photo2000

Von Kindern bemalte Steine für den Zusammenhalt während der Krise: Ein Sinnbild für Solidarität – die laut einer Bertelsmann-Umfrage tatsächlich gestiegen ist.

Auch wenn das Bild in den sozialen Medien durchaus stellenweise Anderes vermuten lässt: Laut einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann Stiftung ist der Deutschen Solidarität durch die Pandemie gestiegen. Doch das gilt nicht überall.

Kommt unsere Gesellschaft mit einer Krise klar? Die Coronavirus-Pandemie beweist: ja – jedenfalls, wenn man einer repräsentativen Studie der Bertelsmann Stiftung Glauben schenkt. Demnach ist der gesellschaftliche Zusammenhalt während der Corona-Krise in Deutschland gestiegen. Als robust wird er dort beschrieben – sogar gewachsen sei er. Doch vollumfassend gilt das nicht. Die Studie zeigt auch: Es gibt hier große soziale Unterschiede.

Bertelsmann Stiftung: Zusammenhalt der Deutschen durch Corona-Krise gewachsen

Zu Beginn der ersten Auswirungen der Coronavirus-Pandemie in Deutschland, von Anfang Februar bis Ende März, hatte die Bertelsmann Stiftung für den "Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt 2020" insgesamt 3010 Personen ab 16 Jahren aus einem breiten Spektrum der Gesellschaft befragt. Damals hatten 46 Prozent den Zusammenhalt im Land als gefährdet angesehen.

Nach Aufheben der strengen Kontaktbeschränkungen von Mai bis Mitte Juni hatte die Stiftung noch einmal 1000 Menschen befragt. Davon waren nur noch 36 Prozent der Auffassung, der Zusammenhalt sei gefährdet. "Wir verzeichnen einen Aufschwung bei der allgemeinen Stimmungslage in unserer Momentaufnahme bis Anfang Juni", so Studienautor Kai Unzicker.

Entgegen der Vermutungen: Die meisten sind erleichtert

Im Februar waren 41 Prozent der Befragten der Ansicht, die Menschen würden sich nicht um ihre Mitmenschen kümmern. Im Juni waren es mit 21 Prozent nur noch halb so viele. Gleichzeitig nahm das Vertrauen in die Bundesregierung von 19 auf 45 Prozent zu.

Auch, wenn in der näheren Vergangenheit öfter die Rede vom Präventionsparadox war – es fällt nicht auf, was verhindert wird –, zeigten sich viele Bürger bei der Umfrage als erleichtert darüber, dass die Pandemie bisher in ihren Augen so glimpflich ausgefallen sei. Das bestätigt Kai Unzicker: "Zugleich haben sie mehrheitlich große Solidarität und Rücksichtnahme erfahren."

Weniger sozialer Zusammenhalt unter Geringverdienern

Jedoch haben sich bei der Studie auch soziale Unterschiede gezeigt. So gaben Menschen mit geringer Bildung, niedrigem Einkommen oder mit Migrationshintergrund vermehrt an, weniger sozialen Zusammenhalt zu erleben. Unzicker erklärt: "Wer vorher schon benachteiligt gewesen sei, für den stelle sich die Lage in der Krise noch schwieriger dar."

Auch die Zukunftsangst sei unter den befragten Menschen, die von geringem Zusammenhalt berichteten, größer – anders als solche, die den Zusammenhalt als größer empfanden. Jene fühlten sich auch weniger einsam.

Auch in der politischen Gesinnung zeigten sich Unterschiede: So bewerteten Anhänger der Grünen, der CDU/CSU, SPD und FDP den Zusammenhalt in Deutschland weit positiver als Anhänger der Linkspartei sowie vor allem der AfD oder politisch ungebundene Personen. An generellem Vertrauen, Akzeptanz von Diversität sowie dem Vertrauen in Institutionen mangelte es laut Bertelsmann-Studie vor allem Anhänger der AfD, während Links-Wähler vor allem Defizite bei der sozialen Gerechtigkeit anbrachten.

Auch die Funke Mediengruppe hat sich einmal in der Berliner Innenstadt umgeschaut und Ende April ein Stimmungsbild eingefangen:

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Stiftung rät: Angebote ausbauen

Sorgen sind also durchaus da. Doch, so Unzicker, die Daten zeigten, dass der Zusammenhalt im Land weiter robust sei. Dennoch empfehlen Unzicker und seine Kolleginnen und Kollegen der Politik und Gesellschaft, vor allem auf Bevölkerungsgruppen zu achten, die wenig Zusammenhalt erfahren. "Gerade durch die Erfahrungen der aktuellen Krisensituation drohen vor allem Alleinerziehende, Migranten und Personen mit geringerer Bildung aus dem sozialen Gefüge herauszufallen", beschreibt Unzicker. "Sollte sich beispielsweise die Situation bei der Kinderbetreuung oder dem Homeschooling in nächster Zeit nicht deutlich verbessern oder gar wieder verschärfen, so geht dies vor allem zu Lasten dieser Gruppen", schließt der Studienautor. Vor Ort müssten daher vor allem Versorgungs- und Unterstützungsangebote ausgebaut werden.

Klar ist jedenfalls: Das Coronavirus wird uns noch eine Zeitlang beschäftigen. Wichtig ist daher, mit den Gegebenheiten leben zu lernen – und niemanden zu vernachlässigen. Unangenehm wären natürlich erneute Kontaktbeschränkungen. Charité-Virologe Christian Drosten hat da aber Ideen, wie man einen weiteren Lockdown umgehen könnte.

Ein Zeichen der Solidarität: Bunte Steinschlangen am Wegesrand!

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