03.08.2020 - 14:23

"Bündnis Organspende Bayern" In Bayern landet das Thema Organspende jetzt auf dem Lehrplan

Organspende: Bald auf dem Lehrplan in bayerischen Oberstufen

Foto: iStock.com/BraunS

Organspende: Bald auf dem Lehrplan in bayerischen Oberstufen

Um die generelle Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen, setzt Bayern nun auf Aufklärung schon im Schulalter. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation begrüßt das.

Organspende kann Leben retten – doch es fehlt trotz Einführung des Organspende-Ausweises noch immer an vielen, vielen Organen. Allein im Freistaat Bayern stehen derzeit rund 1.300 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Das Problem: Die Aufklärung über dieses sensible Thema ist noch immer gering. Daher hat Bayern das Thema Organspende jetzt im Lehrplan verankert: Ab dem Schuljahr 2020/21 werden Schüler in Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien über ethische, medizinische und rechtliche Hintergründe im Unterricht informiert.

Bayern holt die Organspende auf den Lehrplan: Bereitschaft soll gesteigert werden

Initiiert hatte die Änderung des Lehrplans das "Bündnis Organspende Bayern". Das Ziel: die generelle Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen. Denn oft herrscht noch keine Klarheit in den Köpfen der Bevölkerung: "Wir wollen vermeidbare Informationsdefizite zu Transplantationen in Bayern im Schulunterricht angehen", erklärt dazu Beate Merk (CSU), stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag.

Es geht um Medizin, aber auch Ethik und Recht

Die Organspende werde zukünftig in den Disziplinen Religion und Ethik sowie im Fach Biologie angesprochen, um alle Bereiche des sensiblen Themas abzudecken.

"In den oberen Jahrgangsstufen haben die Schüler genau das richtige Alter, um sich selbst zu fragen, ob sie bereit wären, ein postmortal gespendetes Organ anzunehmen oder ihre eigenen Organe nach ihrem Tod zu verschenken", verdeutlicht die CSU-Politikerin.

Mit dieser Meinung steht sie innerhalb ihrer Partei nicht allein da. Unterstützende Worte gibt es vom Ausschussvorsitzenden Bernhard Seidenath: "Pro Tag sterben drei Schwerkranke in Deutsch­land, denen eine Organspende das Leben gerettet hätte", betont er und plädiert für einen reflektierten Umgang mit dem Thema Organspende.

Ziel: durchdachtes, selbstbestimmtes Entscheiden

Das Ziel: Mehr Menschen dazu bewegen, sich mit dem wichtigen, lebensrettenden Thema auseinanderzusetzen – in allen Aspekten – und aufzuklären. Je mehr man über das Vorgehen und die Hintergründe der Organspende Bescheid weiß, desto besser kann man selbstbestimmt eine für sich stimmige Entscheidung treffen und sie im Organspendeausweis dokumentieren.

DSO hofft darauf, dass andere Bundesländer nachziehen

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) zeigt sich über den bayerischen Vorstoß erfreut. "Wir wünschen uns, dass andere Bundesländer dem Beispiel von Bayern folgen", erklärt der Medizinische Vorstand der DSO, Dr. med. Axel Rahmel. Die Verankerung im Lehrplan sei eine wichtige Maßnahme innerhalb der Aufklärung der Bevölkerung. Es sei sinnvoll, bereits im Schulalter mit dieser Aufklärung zu beginnen. Eine Entscheidung gegen die Organspende könne nämlich mit Vollendung des 14. Lebensjahres getroffen werden. Für die Organspende können sich Jugendliche dann ab 16 Jahren selbstständig entscheiden.

Es gehe aber nicht nur darum: "Neben einer gezielten Aufklärung ist das komplexe Thema Organspende geeignet, in vielfältigen Fragestellungen und Perspektiven entsprechend dem Alter der Schüler in den unterschiedlichen Fächern von Biologie, über Religion und Ethik bis zum Gemeinschaftskunde-Unterricht diskutiert zu werden", betont Rahmel. Dabei denke er an gesellschaftlich relevante Themen wie Tod, Solidarität, Verteilungsgerechtigkeit, Verantwortung und Selbstbestimmung.

Seit Januar 2020 steht fest: In Deutschland dürfen Organe nur mit vorheriger Zustimmung entnommen werden. Nur wer einen Organspendeausweis besitzt und dort angegeben hat, dass Organe nach dem Tod entnommen werden dürfen, kommt als Organspender infrage. Das Problem: Längst besitzt nicht jeder einen solchen Ausweis – auch mangels nötiger Aufklärung.

Immerhin: Trotz Corona-Krise scheint die Bereitschaft zum Organe-Spenden zu steigen. Im ersten Halbjahr 2020, nach der Diskussion über die Organspende und die gescheiterte Widerspruchslösung, ist die Zahl der Organspender und der tatsächlich gespendeten Organe in Deutschland um 7,3 bzw. um drei Prozent gestiegen.

Einen Organspendeausweis zum Ausdrucken gibt es hier zum Download.

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