28.07.2020 - 20:44

Ab 2 Stunden Neue Studie: Zu viel Fernsehen ist schlecht für die Gesundheit

Nach einem anstrengenden Arbeitstag erstmal vor dem TV entspannen – perfekt! Leider gibt es da einen Haken: Zu viel Fernsehen ist schlecht für die Gesundheit.

Foto: iStock / Dean Mitchell

Nach einem anstrengenden Arbeitstag erstmal vor dem TV entspannen – perfekt! Leider gibt es da einen Haken: Zu viel Fernsehen ist schlecht für die Gesundheit.

Dass Fernsehen nicht die gesündeste Art der Freizeitgestaltung ist, sollte bekannt sein. Hier erfahren Sie, wie viel Fernsehen zu viel ist und warum.

"Guck nicht so viel Fernsehen, sonst kriegst du viereckige Augen!" – Haben Sie diese Warnung früher auch immer von ihrer Mutter zu hören bekommen – oder dieses und ähnliche Horrorszenarien vielleicht sogar selbst ihren Kindern ausgemalt? Dass die verführerische Freizeitaktivität die Form Ihrer Augen verändert, stimmt natürlich nicht. Leider bedeutet das aber keineswegs, dass der abendliche Krimimarathon auf der Couch spurlos an Ihrer Gesundheit vorübergeht. Eine neue Studie, die unter anderem vom Institute for Health and Wellbeing und dem Institute of Cardiovascular and Medical Sciences der University of Glasgow und der British Heart Foundation Glasgow durchgeführt wurde, zeigt einmal mehr: Zu viel Fernsehen ist schlecht für die Gesundheit.

Wie viel Fernsehen ist schlecht für die Gesundheit?

"Zu viel Fernsehen? Ich doch nicht!", denken Sie sich jetzt vielleicht. In der Tat: "Zu viel" ist eine schwammige Zeitangabe, denn: Wie viel ist zu viel? Laut den Wissenschaftlern, die die Studie durchgeführt haben, beginnt "zu viel" in diesem Fall bereits ab 2 Stunden. Das ist ein Problem – denn laut "de.statista.com" betrug die durchschnittliche Fernsehdauer in deutschen Haushalten im Jahr 2019 3 Stunden und 21 Minuten. Das sind zwar immerhin 6 Minuten weniger als 2018, aber eben immer noch deutlich zu viel.

Bei der schottischen Studie handelt es sich um eine Landzeitstudie, die letzte Woche in der Fachzeitschrift "Mayo Clinic Proceedings" veröffentlicht wurde. Von 2006 bis 2018, also ganze 12 Jahre lang, wurden die Daten von 490.966 Teilnehmern zwischen 37 und 73 Jahren analysiert. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie viel Zeit die Studienteilnehmer vor dem Fernseher verbrachten und wie sich diese auf ihre Gesundheit auswirkte.

Weniger Fernsehzeit senkt Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Daten der Wissenschaftler zeigen: Viel TV-Konsum geht mit einem erhöhten Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. 8,64 Prozent der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die sich während der Studie ereigneten, sind der vor dem Fernseher verbrachten Zeit zurechenbar. Eine Reduzierung der Fernsehzeit auf maximal 2 Stunden täglich hätte 7,95 Prozent der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern oder zumindest verzögern können.

Die Wissenschaftler schlussfolgern aus diesen Zahlen, dass in Zukunft dazu geraten werden könnte, die Fernsehzeit auf weniger als 2 Stunden zu beschränken. Dadurch könnten die meisten negativen Auswirkungen der Freizeitaktivität reduziert werden. Wer statt fernzusehen schlafe, laufe oder körperlicher Aktivität nachgehe, reduziere die gesundheitlichen Risiken ebenfalls.

Nicht fürs Sitzen gemacht

Wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Aktivität des Fernsehens an sich ist, die für die gesundheitlichen Risiken ausschlaggebend ist. Stattdessen ist es der Zustand, in dem dieser Aktivität nachgegangen wird: das Sitzen. Laut diverser Studien istder Mensch nicht für langes Sitzen gemacht. Zu langes Sitzen fördere neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen Erkrankungen wie Diabetes oder Rückenschmerzen, außerdem belaste es die Beinvenen und könne zu Thrombosen und Krampfadern führen.

2010 veröffentlichte ein Team um Prof. David Dunstan vom australischen Baker Heart and Diabetes Institute eine Studie, in der er ebenfalls die Zusammenhänge zwischen Fernsehkonsum und Sterblichkeit untersuchte. Zwar legte Prof. David Dunstan die kritische Grenze noch bei 2 anstatt 4 Stunden fest, ansonsten decken sich seine Ergebnisse jedoch mit denen der schottischen Studie. Auch hier wird die Fernsehzeit mit einem erhöhten Sterberisiko, insbesondere durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in Verbindung gebracht. Weiterhin steht hier besonders die Tatsache im Fokus, dass es sich dabei um eine sitzende Tätigkeit handelt. Präventionsstrategien zur Vermeidung chronischer Erkrankungen sollen sich darauf konzentrieren, die sitzend verbrachte Zeit zu reduzieren, insbesondere eben die, die für ausgiebiges Fernsehen draufgeht.

Auf der Website des Baker Heart and Diabetes Institute rät Prof. David Dunstan deshalb dazu, in den Werbepausen bzw. jede halbe Stunde aufzustehen und Sportübungen durchzuführen, um die Muskeln zu bewegen. Weiterhin solle man nicht einfach nur sitzend TV gucken, sondern am besten währenddessen bügeln, kochen oder putzen, so dass man nicht nur sitzt, sondern gleichzeitig auch seine kognitiven Fähigkeiten trainiert. Weiterhin solle man bewusst den Aufwand betreiben, Sportübungen in seinen Tagesplan zu integrieren.

Alles zum Thema Herz-Kreislauf erfahren Sie auf unserer Themenseite. Unsere Tipps gegen Steißbeinschmerzen könnten Ihnen ebenfalls helfen.