Aktualisiert: 24.07.2020 - 19:16

Stresstest Pandemie 91 Prozent der Deutschen sind im Corona-Stress!

Die Pandemie setzt uns allen zu: 91 Prozent der Deutschen stehen wegen Corona vermehrt unter Stress.

Foto: iStock / Phynart Studio

Die Pandemie setzt uns allen zu: 91 Prozent der Deutschen stehen wegen Corona vermehrt unter Stress.

Die meisten Deutschen fühlen sich durch die Pandemie gestresst. Das sind die Gründe dafür...

Haben Sie sich während der letzten Monate gestresster gefühlt als sonst? Wenn ja, sind Sie damit nicht allein. Die Pandemie ist für uns alle eine Belastungsprobe: Aufgrund der Kontaktbeschränkungen brechen gewohnte soziale Strukturen weg, viele haben ihre zwischenmenschlichen Kontakte auf ein Minimum reduziert. Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sind stark eingeschränkt, teilweise wurde nicht nur unser privater, sondern auch unser beruflicher Alltag umstrukturiert. Und wer dem Wahnsinn gerne entfliehen möchte, kann dazu nicht einmal in den Urlaub fahren… Diese neue Normalität fordert ihren Tribut. Eine Umfrage des FORSA-Instituts im Auftrag des Arbeitskreises Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM) im Lebensmittelverband Deutschland zeigt: 91 Prozent der Deutschen leiden unter Corona-Stress.

Deshalb leiden 91 Prozent der Deutschen unter Corona-Stress

Befragt wurden 1.100 Menschen ab 18 Jahren. Der Befragungszeitraum waren die vier Wochen zwischen dem 15. Juni und 13. Juli – also ein Zeitraum, in dem die strengsten Sicherheitsmaßnahmen bereits wieder aufgehoben worden waren und sich gefühlt ein Großteil der Bevölkerung schon an die neue Normalität gewöhnt hatte. Und doch: 91 Prozent der Deutschen gaben an, sich in letzter Zeit privat oder beruflich gestresst gefühlt zu haben. Dabei scheint das Stressniveau stark zu variieren: 37 Prozent gaben an, manchmal gestresst gewesen zu sein, 32 Prozent verspürten selten ein Stressgefühl. Doch immerhin ein besorgniserregender Prozentsatz von 22 Prozent gab an, häufig gestresst gewesen zu sein.

Auch zum genauen Grund des Stressgefühls wurden die Teilnehmenden gefragt. Jeder Zweite gab als Grund die Kontaktbeschränkungen an – entweder, weil der Kontakt zu Familie und Freunden eingeschränkt war oder aber, weil sie den gewohnten Freizeitaktivitäten nicht mehr nachgehen konnten. Weitere 26 Prozent machen den Grund für die Stressbelastung ebenfalls im Privatleben aus: Sie fühlen sich dadurch gestresst, dass momentan weniger Urlaubsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

30 Prozent hingegen setzt ihr Berufsleben unter Stress. Auch auf der Arbeit gab es bei vielen einschneidende Neuerungen und Veränderungen, an die sie sich noch nicht gewöhnt haben, beispielsweise die Einführung von Home-Office und Schichtarbeit.

Umfrage aus dem Vereinigten Königreich sagt Ähnliches aus

Die Ergebnisse der FORSA-Studie decken sich mit einer Umfrage, die im Vereinigten Königreich durchgeführt wurde. Die "UK Household Longitudinal Study" ist eine repräsentative Befragung, die seit 2009 jedes Jahr durchgeführt wird. Die Teilnehmenden werden im Rahmen der Umfrage zu verschiedenen sozialen und ökonomischen Themen befragt. Teil der Befragung ist auch der "General Health Questionnaire", der die psychische Verfassung der Befragten untersucht.

Dieses Jahr wurde die Umfrage zwischen dem 23. und 30. April durchgeführt, die britische Bevölkerung befand sich zu diesem Zeitpunkt im Lockdown. Mehr als ein Viertel der Teilnehmer erlebte ihren Angaben nach Ende April eine nach Einschätzung von Kathryn Abel von der Universität Nottingham "potenziell klinisch signifikante psychische Belastung". Vor der Pandemie war es weniger als ein Fünftel gewesen.

Besonders interessant an dieser Umfrage ist, dass im Gegensatz zu der FORSA-Umfrage auch veröffentlicht wurde, auf welche Bevölkerungsgruppen die Pandemie am meisten Einfluss hatte. Den Ergebnissen der Befragung nach ging es beispielsweise Frauen schlechter als Männer und Personen mit Kindern schlechter als Kinderlosen. Interessant ist aber vor allem, dass junge Menschen am meisten unter der neuen Situation litten – also gerade die Gruppe, für die das Risiko, an Covid-19 zu sterben, am geringsten ist. Am wenigsten litten hingegen die über 70-jährigen, deren Sterberisiko am höchsten ist.

Wie schädlich ist die Pandemie für die Gesundheit junger Leute?

Nun lief die Pandemie-Situation im Vereinigten Königreich natürlich anders ab als in Deutschland, auch die Zeiträume, in denen die Umfragen durchgeführt wurden, waren unterschiedlich. Die Ergebnisse aus dem Vereinigten Königreich lassen sich daher natürlich nicht einfach so auf Deutschland übertragen. Nichtsdestotrotz weisen beide Umfragen in die gleiche Richtung. Sie zeigen: Die Pandemie hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf unsere psychische Gesundheit.

Dass dabei gerade diejenigen leiden, die das Virus am wenigsten gefährdet, kommt vielen unfair vor. Tatsächlich scheinen auch in Deutschland gerade junge Menschen mit den Sicherheitsmaßnahmen weniger gut klarzukommen als andere Altersgruppen, darauf weisen die illegalen Feiern und Zusammenkünfte unter jungen Leuten hin. Umso bedenklicher sind diese Ergebnisse, weil immer noch niemand weiß, wie lange uns die Pandemie noch begleiten wird und wie lange die genannten Maßnahmen notwendig sind. Welchen Effekt langfristiges "social distancing" hingegen gerade auf die psychische Gesundheit junger Leute hat, ist allerdings auch nicht bekannt.

Hier geht es zur Umfrage des FORSA-Instituts im Auftrag des Arbeitskreises Nahrungsergänzungsmittel (AK NEM) im Lebensmittelverband Deutschland.

Mehr Informationen über den "General Health Questionnaire" der "UK Household Longitudinal Study" erhalten Sie hier.

Weitere Hintergrundinformationen und Neuigkeiten rund um das Coronavirus erhalten Sie auf unserer Themenseite. Wussten Sie beispielsweise, dass auch die psychische Belastung von Kindern während der Pandemie höher ist als erwartet? An einem Impfstoff wird zwar eifrig geforscht, dennoch sagen manche Wissenschaftler, ein Impfstoff sei nicht der Ausweg aus der Corona-Krise.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Marke der FUNKE Mediengruppe