26.07.2020 - 19:02

In Vogelfutter und Co Ambrosia: Allergieauslöser und Gartenschreck

Die Nase läuft bisweilen bis in den September hinein: Die Pollen der Ambrosia sind klein, leicht und aggressiv, wenn sie sich auf Schleimhäuten breitmachen.

Foto: iStock.com/HusarK

Die Nase läuft bisweilen bis in den September hinein: Die Pollen der Ambrosia sind klein, leicht und aggressiv, wenn sie sich auf Schleimhäuten breitmachen.

Sie wächst und gedeiht – und bringt uns dabei Leid. Die invasive Pflanze Ambrosia ähnelt dem gemeinen Beifuß. Doch sie ist weit einnehmender, verbreitet sich rasend schnell und löst dabei noch jede Menge Allergiesymptome aus. Als würde das nicht schon reichen: los wird man sie leider auch nicht so schnell.

Es gibt invasive Pflanzenarten, die sich über verschiedene Wege hierzulande ausbreiten und andere Pflanzen vertreiben. Eine davon hat einen weiteren, entscheidenden Nachteil: Die Ambrosia-Pflanze ist hoch-allergen. Sie blüht von Juli bis Oktober, bereits wenige Pollen genügen, um Nasen zum Triefen und Augen zum Jucken zu bringen. Aber sie kann nicht nur Allergikern gefährlich werden, sondern auch bei Berührung zu Hautreizungen führen. Sie verbreitet sich enorm leicht – und das hat unter anderem mit Tierliebe zu tun.

Ambrosia: Allergieauslöser steckt in Vogelfutter

Denn im Winter will so mancher Tierfreund den Vögeln da draußen etwas Gutes tun und verstreut daher Vogelfutter – und die gibt es schon fertig gemischt zu kaufen. Gut für die Vögel, weil das drin ist, was sie zu verschneiten Zeiten wirklich brauchen. Doch zwischen die Körner und Samen mischt sich auch gerne mal ein Samenkorn der Beifuß-Ambrosie, auch beifußblättrige Ambrosia, beifußblättriges Traubenkraut oder einfach Ambrosia genannt.

Auch, wenn es heute vermehrt Futtermischungen gibt, auf denen Ambrosiafreiheit deklariert wird: Auch in diesen wird bei unabhängigen Tests immer mal wieder etwas von den feinen, nur etwa maximal fünf Millimeter großen Samen entdeckt, denn die Ackerpflanze wächst oft unbemerkt zwischen Sonnenblumen und wird ungesehen mitgeerntet. Bekämpft werden kann die Pflanze dort nicht, weil sie mit der Sonnenblume verwandt ist und jegliche Mittel sich auch gegen die gelbe Blume richten würden.

Das Blöde daran: Die Ambrosiasamen wuchern nicht direkt los, sondern können teilweise über Jahre hinweg unentdeckt im Boden schlummern. Fangen sie aber einmal an zu wachsen, nimmt es kaum mehr ein Ende.

Pflanze ist dem Beifuß sehr ähnlich – so erkennen Sie sie

Ursprünglich stammt die Pflanze aus Nordamerika. Laut Landwirtschaftskammer NRW hat sie sich dann erst südlich der Alpen und in Ungarn ausgebreitet und fasst nun mehr und mehr auch bei uns Fuß. Bekannt ist sie in Deutschland aber schon seit 1860, nachdem sie mit Getreidevorräten der US-amerikanischen Armeen eingeschleppt wurde.

Aufgrund ihres Auftretens in Vogelfutter wächst sie bei uns derzeit vor allem noch in der Nähe von Vogelfütterungsstellen. Große Bestände gibt es bisher in Süd- und Südwestdeutschland sowie in Sachsen und Brandenburg. Aber sie breitet sich langsam weiter aus.

Die einjährige Pflanze ähnelt dem gemeinen Beifuß, jedoch sind ihre Blätter grüner und ihre Stängel behaart. Zudem wächst die Blüte länglich nach oben, während die des Beifuß eher kegelförmig sprießt.

Allergieauslöser Ambrosia: Geringe Konzentrationen reichen aus

Vor allem Allergiker müssen sich vor dem Kraut hüten. Denn ihre Pollen sind leicht und fliegen enorm weit – sogar mehrere hundert Kilometer können sie zurücklegen. Das Fatale daran: Es reicht eine sehr geringe Pollenkonzentration, um Allergiesymptome auszulösen – lediglich zehn Pollen pro Kubikmeter Luft. Die Pflanze schickt aber mit einer Million Pollen jede Menge davon los. Zu den Hauptsymptomen gehören typische Heuschnupfen-Symptome:

  • Laufende oder verstopfte Nase
  • Kitzeln in Nase und am Gaumen
  • Tränende, juckende und gerötete Augen

In schweren Fällen kann die Ambrosie bei empfindlichen Allergikern aber auch asthmatische Anfälle oder gar einen anaphylaktischen Schock auslösen. Zudem kann es zu Kreuzallergien kommen – Betroffene reagieren dann plötzlich auch auf Karotten und Sellerie, Melonen oder Bananen sowie Paprika oder Petersilie allergisch. Zudem reagieren Ambrosia-Allergiebetroffene oft auch auf Beifuß-Pollen. Die Pflanzen sind sich nämlich nicht ohne Grund optisch so ähnlich.

Noch schlimmer wird es, wenn sich Ambrosia-Pollen mit Feinstaub mischen, etwa an Autobahnen. Eine Studie für das Helmholtz-Zentrum München hatte gezeigt, dass mit Abgasen in Kontakt geratene Ambrosia-Pollen andere, allergene Proteine entwickeln, was zu noch heftigeren allergischen Reaktionen führen kann.

Hinzu kommt: Die Ambrosia blüht von Juli bis tief in den September hinein und macht Allergikern das Leben damit mittlerweile noch länger schwer als sowieso schon.

Vorsicht beim Entfernen: Ambrosia kann die Haut stark reizen

Aber nicht nur Allergiker sollten sich vor zu viel Kontakt hüten. Denn die Pflanze kann auch starke Hautreizungen hervorrufen. Beim Entfernen ist daher Vorsicht geboten. Tragen Sie auf jeden Fall Handschuhe und bedecken Sie Ihren Körper mit dicht gewebter Kleidung. Am besten greifen Sie auch auf eine Mund-Nasen-Bedeckung zurück.

Beim Entfernen müssen Sie darauf achten, wirklich alle Bestandteile der Pflanze zu entfernen – auch die Wurzel, sonst wuchert die Ambrosia munter weiter. Am besten entfernen Sie die Pflanze, bevor sie blüht, da sich ihre Pollen sonst leicht verteilen können – und die Pflanze dann einfach neu wächst. Sollte sie schon in Blüte stehen, sollten Sie die Blüten erst vorsichtig abschneiden, ohne sie zu sehr zu bewegen. Achten Sie aber darauf, dass sie dabei ihre Pollen nicht abwerfen kann.

Ausgebuddelte Ambrosia-Pflanzen gehören nicht in den Kompost oder den Biomüll! Dort können sie sich weiter verbreiten. Stecken Sie die Pflanzenreste am besten in eine intakte Tüte, die Sie fest verschließen und in der grauen Restmülltonne entsorgen.

Sie vermuten, die Ambrosia wächst in Ihrem Garten? Bevor Sie sie (vorsichtig) entfernen, machen Sie Fotos von der Pflanze, um den Wuchs zu melden. Das können Sie entweder an einer der zentralen Meldestellen der Bundesländer machen oder Sie wenden sich gleich an die Online-Meldestelle des Julius-Kühn-Institut (JKI) des Landwirtschaftsministeriums.

Auch Pflanzen wissen sich zu wehren – und schaffen es damit sogar, sich invasiv auszubreiten. Vorsicht walten lassen sollten Sie beispielsweise auch beim Riesenbärenklau – der kann nämlich Verbrennungen verursachen und Atemnot auslösen.