Aktualisiert: 16.07.2020 - 21:03

Urlaub ohne Bluten Zyklus mit der Pille verändern? Warum das keine gute Idee ist

Entspannt im Urlaub: Die Pille einfach länger einnehmen oder sich von jemandem einen Blister besorgen, um die Periode zu verschieben? Das sollten Sie immer vorher ärztlich abklären.

Foto: iStock.com/yavdat

Entspannt im Urlaub: Die Pille einfach länger einnehmen oder sich von jemandem einen Blister besorgen, um die Periode zu verschieben? Das sollten Sie immer vorher ärztlich abklären.

Sie nervt, ist vor allem nicht immer regelmäßig und gerade im Sommerurlaub maximal unpassend: Die Regelblutung. Gut, dass es die Pille gibt, mit der wir unsere Menstruation nach Belieben beeinflussen können, denkt sich da so manche. ABER: Das kann ganz schön gefährlich werden!

Der Urlaub ist schon längst geplant – aber wir Frauen kennen das ja. Der Zyklus will dann doch nicht so ganz mit unserer Ferienplanung harmonieren. Also einfach die Antibabypille organisieren und damit die Monatsblutung verschieben? Schnell und einfach gemacht. Das kann ganz schön riskant werden, erklären Experten.

Pille durchnehmen und Periode verschieben: Ist das gesund?

Denn auch, wenn die "Pille" heute zum Standardrepertoire gehört und regelmäßig verschrieben wird: Nebenwirkungen hat sie. Und das nicht zu knapp. Das erklärt beispielsweise Ingrid Mühlhauser, Vorsitzende des Arbeitskreises Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft. Denn die Pille ist ein Medikament, bei dem auch schwere Komplikationen nicht ausgeschlossen werden können. "Als Lifestyle-Behandlung ist die Pille daher ungeeignet, und dafür ist sie auch nicht zugelassen."

Was viele nämlich nicht wissen: Vor allem im ersten halben Jahr der Einnahme ist das Risiko für Komplikationen wie Thrombosen und daraus resultierenden Embolien und Schlaganfällen – sowieso eine mögliche Nebenwirkung – am höchsten, da sich der Körper erst einmal auf das Medikament einstellen muss. Hinzu kommt, dass der Weg in den Sommerurlaub oft lang und mit stundenlangem Sitzen in einem Verkehrsmittel verbunden ist. Im Zug kann man vielleicht noch aufstehen. Im Auto, Bus oder Flugzeug, dazu möglicherweise noch mit eingeschränkter Beinfreiheit, gestaltet sich das schon schwieriger. Und wer lange sitzt, steigert sein Thrombose-Risiko einmal mehr.

Auch wenn es Kritiker gibt: Frauenärztinnen und -ärzte sind sich weitestgehend einig, dass die Pille zwar kein hochgefährliches, schlechtes Medikament sei. Doch sie hat eben auch Nebenwirkungen und daher sollten Frauen, die sie einnehmen, niemals leichtfertig damit umgehen. Denn das Präparat ändert je nach Zusammensetzung so einiges am Körper.

Aus diesem Grund sollten Sie sich, sollten Sie die Pille nicht selbst nehmen, niemals einfach so von einer Freundin einen Blister geben lassen, um die Periode zu verschieben. Die Pille ist auf den Körper Ihrer Freundin abgestimmt – und kann bei Ihnen ganz anders wirken und möglicherweise auch Ihr Risiko für Thrombosen und Co erhöhen.

Manchmal ist das "Durchnehmen" medizinisch sinnvoll

Normalerweise wird die Pille 21 Tage lang genommen. Dann folgen sieben Tage Pause. In dieser Pause kommt es zu einer Blutung, der sogenannten Abbruchblutung. Denn die Pille unterdrückt das Heranreifen der Eizelle und den Eisprung. Sobald der Wirkstoff nicht mehr zugeführt wird, kommt es zur Blutung. Diese Blutung aber kann verhindert werden, indem die Pille einfach durchgängig eingenommen wird.

Das nutzen manche Frauen aus, um den Zeitpunkt ihrer Blutung zu verschieben. Das ist auch gut möglich, denn wann genau die Abbruchblutung erfolgt, ist im Grunde egal. Man hatte sich damals beim Erfinden der Pille an den natürlichen Zyklus der Frau angepasst. Medizinisch sei das Verschieben der Abbruchblutung unproblematisch, erklärt etwa Anneliese Schwenkhagen, Frauenärztin aus Hamburg und Expertin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe gegenüber "ntv.de".

Gynäkologinnen und Gynäkologen raten manchen Frauen sogar dazu, etwa, wenn sie unter hormonellen Störungen leiden, die mit extremen Regelschmerzen, Migräne oder aber mit Endometriose zusammenhängen. "Da kann man durch die durchgehende Einnahme der Pille sehr viel Gutes bewirken", erklärt Schwenkhagen. Sie hält die Dauereinnahme für unbedenklich. Auch laut "Frauenärzten im Netz" hat der "Langzyklus – ebenso wie eine 'normale' Pillenanwendung – keine Auswirkungen auf die spätere Fruchtbarkeit."

Allerdings sind sich die Experten einig: Die Entscheidung, ob die Pille regulär oder ohne Unterbrechung eingenommen werden soll, sollte immer ärztlich abgeklärt und beobachtet werden. Zwar zeige die Datenlage bei beiden Formen ein vergleichbares Nutzen-Schaden-Verhältnis. Doch zu Langzeitauswirkungen gibt es noch keine eindeutigen Daten. Zudem sollte die Entscheidung für eine Langzeiteinnahme nur mit Einphasen-Pillen erfolgen, bei denen jede Tablette die gleiche Wirkstoffkombination besitzt. Daher rät Ingrid Mühlhauser: "Die Pille ist kein homöopathisches Placebo, sondern ein Medikament, das erheblich in den Hormonhaushalt der Frau eingreift." Die kleine Tablette und ihre Auswirkungen dürfen daher nicht unterschätzt werden. Unser Sexualmediziner ist sich jedenfalls sicher: "Die Pille würde heutzutage gar nicht mehr zugelassen".

Periode verschieben ohne Pille – geht das?

Auch wer die Pille nicht nimmt, kann seine Periode verschieben. Möglich ist das mit besonderen, gestragenhaltigen Hormonpräparaten, die ein paar Tage vor der erwarteten Blutung eingenommen werden und so die Blutung rund zwei Wochen hinauszögern sollen. Diese Tabletten sind rezeptpflichtig, die Einnahme ist also immer ärztlich abzusprechen. Denn diese Tabletten greifen kurzfristig stark in den Hormonhaushalt ein. Sie sollten hierauf nicht zu oft zurückgreifen.

Blutung verschieben mit Hausmitteln

Es gibt aber auch ein paar Hausmittel, mit denen Sie versuchen können, Ihre Periode hinauszuzögern. Das soll mit sogenannten "Frauenkräutern" ganz gut klappen,etwa Mönchspfeffer oder Schafgarbe. Sie müssen aber regelmäßig eingenommen werden. Und die Wirkung ist dabei auch nicht unbedingt gegeben. Auch hier gilt übrigens: Bitte immer ärztlich absprechen! Denn auch pflanzliche Mittel haben enormes Wirkungspotential.

Zyklusverschiebungen bitte immer gynäkologisch absprechen

Wer seine Periode partout verschieben möchte, spreche also bitte mit seiner Frauenärztin oder seinem Frauenarzt. Diese klären auch über mögliche Nebenwirkungen auf. Denn auch wenn das Durchnehmen der Pille in der Regel als unbedenklich gilt, kann es – wir können es nicht oft genug wiederholen – zu Nebenwirkungen kommen. Dazu können sich Unwohlsein, Kopfschmerzen, sogar Schwindel gesellen. Und auch zu Zwischenblutungen kann es trotz Langzeiteinnahme kommen.

Denken Sie daran: Die Pille beeinflusst den Hormonhaushalt, und der ist bei jeder von uns individuell. Wer dort wild herumpfuscht, kann möglicherweise die Verhütungsleistung der Pille senken und spielt außerdem mit seiner Gesundheit. Also: schön im Rhythmus bleiben – am besten natürlich im, ja, natürlichen. Und wenn es im natürlichen Zyklus blutet, Sie aber sonst keine Probleme mit Ihrer Regel oder Ihrem Hormonhaushalt haben, dann blutet es eben. Immerhin: Auch mit Tampons oder Menstruationstassen lässt sich schwimmen.

Lieber hormonfrei verhüten? Wie wäre es mit Kupferspirale oder Kupferkette? Und wie ist das im Alter? Verhütung in den Wechseljahren: Darauf sollten Sie jetzt achten.

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