08.07.2020 - 21:07

Missbrauch der ärztlichen Autorität? Befreiung von der Maskenpflicht durch ärztliches Attest

Wenn Ärzte ihre Verantwortung nicht ganz ernst nehmen: Eine Gruppe von Ärzten verhilft zur Befreiung von der Maskenpflicht durch ein ärztliches Attest – ganz ohne Untersuchung.

Foto: iStock / Cameravit

Wenn Ärzte ihre Verantwortung nicht ganz ernst nehmen: Eine Gruppe von Ärzten verhilft zur Befreiung von der Maskenpflicht durch ein ärztliches Attest – ganz ohne Untersuchung.

Viele empfinden die Maskenpflicht als nervig – aber sich deshalb gleich ein Attest ausstellen lassen? Offensichtlich ist eine Gruppe von Ärzten äußerst freigiebig mit Attesten, die einen von der Maskenpflicht befreien…

Das Hin und Her um die Corona-Masken scheint nicht aufzuhören. Gerade erst diskutierten einige Bundesländer, ob die Maskenpflicht abgeschafft werden könne, jetzt hat eine Gruppe von Ärzten sich zusammengetan und beschlossen, der Regelung auf eigene Faust ein Schnippchen zu schlagen. Die sogenannte Initiative Ärzte für Aufklärung stellt Atteste aus, die einen von der Maskenpflicht befreien – ohne vorherige Untersuchung.

Befreiung von der Maskenpflicht: Ein ärztliches Attest macht’s möglich!

Die Botschaft, die die Initiative Ärzte für Aufklärung auf ihrer Website propagiert, ist ziemlich eindeutig: Das Coronavirus sei gar nicht so gefährlich und die Maßnahmen, die gegen die Pandemie ergriffen wurden, seien überzogen, wenn nicht gar schädlich – beispielsweise, da wegen Corona viele wichtige Operationen ausgesetzt worden waren, was zu einer Vielzahl an vermeidbaren Todesfällen geführt hätte.

Neben einem eigenen Youtube-Kanal und einem Spendenkonto hat die Initiative eigenen Angaben zufolge auch mehr als 2.000 Unterstützer. Dieser Unterstützerkreis setzt sich keineswegs nur aus medizinischen Laien, die keine Lust mehr auf die Einschränkungen durch die Pandemie haben, zusammen. Überraschenderweise zählen auch mehrere hundert Ärzte dazu, die auf der Website namentlich aufgeführt sind.

Flugblatt appelliert an Ärzte-Kollegen

Zu den Maßnahmen, die die Ärzte für Aufklärung überzogen finden, zählt, wenig überraschend, auch die Maskenpflicht. Auf der Website findet sich ein Flugblatt zum Download, als Urheber des Flugblattes ist die MWGFD (Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie) angegeben, die ebenfalls zu den Unterstützergruppen der Initiative zählen. Das Flugblatt richtet sich an Ärztekollegen. Darin wird darauf hingewiesen, dass "seit einiger Zeit so gut wie keine echten COVID-19-Neuinfektionen im Bundesgebiet mehr nachgewiesen" werden könnten. Aus diesem Grund sei auch die Maskenpflicht im öffentlichen Raum sinnlos, dabei aber "besonders belastend und gesundheitsgefährdend für viele Menschen". Aus diesem Grund werden medizinische Kollegen darum gebeten, zu prüfen, ob sie ihren Patienten nicht eine Befreiung von der Maske attestieren könnten. Praktisch: Vorformulierte Sätze, die nicht unbedingt "das Vorliegen einer Erkrankung voraussetzen", liefert das Flugblatt gleich mit – genau wie eine ähnliche Handlungsempfehlung für Atteste, die Patienten von der Pflicht des regelmäßigen Waschens der Hände mit Desinfektionsmittel befreien.

Das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" hat mehr als 40 der auf der Website als Unterstützer aufgeführten Ärzte angeschrieben und um eine Befreiung von der Maskenpflicht gebeten. Dabei wurde gleich dazugesagt, dass kein medizinischer Grund, sondern lediglich eine Abneigung gegen die Mund-Nasen-Bedeckung vorliege. 19 der angeschriebenen Ärzte antworteten, keiner verneinte die Anfrage. Auch, als ein verdeckter Reporter aus Mainz direkt bei einigen Ärzten aufkreuzte, stellte es kein Problem dar, das gewünschte Attest zu bekommen – obwohl die Ärzte teilweise nicht einmal persönlich mit ihren "Patienten" gesprochen hatten.

Attest-Masche möglicherweise strafbar

Das Verhalten der Ärzte wird von vielen Seiten stark kritisiert, beispielsweise von SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Er bezeichnet das ungeprüfte Ausstellen von Maskenbefreiungsattesten als "Missbrauch der ärztlichen Autorität um ein Gesetz auszuhebeln, das als Schutz vor der Pandemie unbedingt notwendig" sei. Laut der Landesärztekammer verstößt ein solches Vorgehen gegen die ärztliche Berufsordnung. Denkbar sind auch strafrechtliche Konsequenzen: Martin Stellpflug, Fachanwalt für Medizinrecht und Professor an der Psychologischen Hochschule Berlin, verweist auf den § 278 im Strafgesetzbuch, der das Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse verbietet. Auch dem Bundesgesundheitsministerium zufolge ist das Ausstellen von Attesten ohne vorherige ärztliche Untersuchung nicht erlaubt.

Quellen: swr.de, ärzte-für-aufklärung.de, focus.de

Hier erfahren Sie, welche Bundesländer vor Kurzem über das Ende der Maskenpflicht diskutiert haben! Dabei lautet die Antwort auf die Frage, ob wir die Corona-Maske wirklich noch brauchen, ganz klar: ja! Voraussetzung ist natürlich, dass Sie Ihre Maske richtig verwenden: Es heißt nicht umsonst "Mund-NASEN-Bedeckung"! Alles Weitere rund um das Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite.