08.07.2020 - 17:39

Zu früh gefreut... Studie aus Spanien zeigt: Kaum Herdenimmunität durch Corona

Eine Szene, die sich während der Corona-Krise in Valencia abspielte. Jetzt zeigt eine neue Studie aus Spanien, dass wir uns bei Corona vermutlich nicht auf Herdenimmunität verlassen können.

Foto: iStock / mediamasmedia

Eine Szene, die sich während der Corona-Krise in Valencia abspielte. Jetzt zeigt eine neue Studie aus Spanien, dass wir uns bei Corona vermutlich nicht auf Herdenimmunität verlassen können.

Herdenimmunität wurde in Bezug auf das Coronavirus als erstrebenswertes Ziel in Betracht gezogen. Jetzt zeigt eine Studie aus Spanien, dass dieser Plan vermutlich nicht funktioniert.

Erinnern Sie sich noch an den Beginn der Corona-Pandemie? Damals hieß es: Wer das Virus einmal überstanden habe, sei aus dem Schneider: Die Antikörper, die der Körper bei der Konfrontation mit dem Virus entwickle, würden vor einer erneuten Infektion schützen. Basierend auf dieser Annahme wurde Herdenimmunität als mögliches Ziel diskutiert, es wurde sogar die Einführung von Immunitätspässen in Betracht gezogen und gerade erst schwappten aus den USA Negativ-Schlagzeilen von sogenannten Corona-Partys zu uns herüber, die eine möglichst schnelle Ansteckung mit dem Virus zum Ziel hätten.

Jetzt liegt jedoch der Verdacht nahe, dass wir uns, was die Herdenimmunität angeht, vermutlich zu früh gefreut haben. Eine Studie aus Spanien zeigt, dass es dort kaum Herdenimmunität durch Corona gibt.

Neue Studie aus Spanien widerlegt Herdenimmunität-Theorie bezüglich Corona

Spanien gehört zu den Ländern, die am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen waren. Über 252.000 Menschen haben sich infiziert, fast 30.000 starben. Durch einen harten Lockdown war das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt. Aufgrund der hohen Infektionszahlen war man davon ausgegangen, dass es in der Bevölkerung viele Menschen geben müsse, die symptomfrei und ohne es zu merken an Corona erkrankt waren und mittlerweile Antikörper ausgebildet hätten. Durch eine groß angelegte Studie mit 60.000 Menschen wollte man herausfinden, wie hoch die Herdenimmunität in der spanischen Bevölkerung tatsächlich sei.

Tatsächlich sind die Ergebnisse der Studie, die die bisher größte Antikörper-Studie in Europa ist, ernüchternd. Die Untersuchung, die von spanischen Epidemologen und Mikrobiologen des Nationalen Instituts für Epidemiologie am Gesundheitsinstitut Madrid, des spanischen Gesundheitsministeriums und der Harvard-Universität in Boston durchgeführt und in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde, zeigt: Nur 5 % der spanischen Bevölkerung haben Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt.

Der gescheiterte Plan von der Durchseuchung

Diese 5 % sind ein Durchschnittswert. Die tatsächlichen Zahlen variieren je nach Region. So beträgt in den Gebieten, die in Spanien am stärksten von der Pandemie betroffen waren, die Durchseuchungsrate 10 bis 15 %, in den Küstenregionen und auf den Inseln sind es lediglich 3 %. Egal, wie man es dreht und wendet: All diese Werte kommen nicht annähernd an die Durchseuchungsrate von 70 bis 90 % heran, die Experten zufolge notwendig ist, um wieder zur Normalität zurückkehren zu können. Hätte sich so ein großer Anteil der Bevölkerung mit dem Virus infiziert und Antikörper entwickelt, könnte es sich kaum noch weiter ausbreiten.

Was bedeutet die Studie für uns?

Für uns bedeuten die Ergebnisse dieser Studie, dass wir uns nicht auf die "gefühlte Durchseuchung" verlassen dürfen: Viele erinnern sich jetzt an eine Phase, in der sie etwas erkältet waren oder sich abgeschlagen gefühlt haben. Sie gehen davon aus, die Krankheit deshalb bereits gehabt und demzufolge schon Antikörper entwickelt zu haben und nehmen die vom Coronavirus ausgehende Gefahr nicht mehr ernst.

Die spanische Studie zeigt, wie unrealistisch und gefährlich diese Annahme tatsächlich ist. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass stattdessen "Maßnahmen wie Abstandhalten, das Identifizieren und Isolieren neuer Fälle" auch weiterhin unverzichtbar sind. Diese Maßnahmen müssen voraussichtlich beibehalten werden, bis es einen zuverlässigen Impfstoff gegen Covid-19 gibt und der Großteil der Bevölkerung Zugang zu diesem hat.

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Quelle: stern.de

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