23.06.2020 - 12:13

Von wegen "da muss Luft ran"! Mythen über Wundheilung: Was hilft wirklich gegen Kratzer und Co?

Mythen über Wundheilung: Schon gewusst?

Mythen über Wundheilung: Schon gewusst?

Beschreibung anzeigen

Die Schramme am Arm heilt besser, wenn kein Pflaster drauf kommt und wenn man nix zum Desinfizieren da hat, tut's auch der alte Rum aus dem Schnapsschrank? Diese Wundheilungs-Mythen kennt wohl jeder. Doch nicht alle sind wirklich wahr!

"Spucke drauf, dann geht's wieder!" Es gibt diese Sprüche über Kratzer und Schrammen, die wir wohl alle aus frühester Kindheit noch kennen. Einige davon sind Gold wert, andere können (und sollten) wir getrost vergessen. Denn die richtige Wundversorgung hilft dabei, dass Wunden schnell, unkompliziert und narbenfrei verheilen können. So einige Wundheilungs-Mythen können uns das aber gehörig vermiesen.

Mythen über Wundheilung: Was stimmt denn nun?

Es ist ja schnell mal passiert: Da schürft man sich an der Mauer das Bein auf, stürzt unglücklich beim Fahrradfahren oder passt in der Küche kurz nicht auf und schon hat das Messer die Fingerkuppe perforiert. Bei allem kommt es auf schnelle und vor allem richtige Wundversorgung an, damit die Zeichen des Unglücks schnell verblassen. Aber wussten Sie, dass Luft an der Wunde nicht immer die beste Idee ist und Alkohol definitiv nicht auf offene Hautstellen gehört? Ein Pflaster dagegen ist – richtig angewendet – meist eine gute Idee.

Mythos 1: Wunden heilen am besten an der frischen Luft

Falsch – zumindest meistens! Gerade offene Wunden sollten schnellstmöglich gut gereinigt und dann mit einem Pflaster oder einer Wundauflage bedeckt werden, damit Keime keine Chance haben, sich dort einzunisten. Kommt stattdessen frische Luft dran, kann gleich zweierlei passieren: Bakterien oder andere Erreger treffen auf keine Barriere und können ungehindert Wundinfektionen hervorrufen, wenn die Wunde nicht sauber gehalten wird. Außerdem trocknet die betroffene Stelle schnell, was den Heilungsprozess verlangsamen kann – denn so können bestimmte Wundheilungsenzyme ihrer Arbeit nicht richtig nachgehen. Leichte Abschürfungen können aber durchaus an der frischen Luft heilen.

Mythos 2: In Pflastern tummeln sich Bakterien und Keime

Falsch – wenn Sie die Wunde zuvor gut reinigen und das Pflaster regelmäßig wechseln. Saubere, trockene Pflaster und Verbände schirmen die Wunde gegen äußere Einflüsse, allen voran Krankheitserreger, ab. Ist ein Pflaster aber beispielsweise nach dem Duschen durchfeuchet, sollten Sie es wechseln.

Mythos 3: Juckende Wunden heilen gut

Teils ja, teils nein. Leicht juckende Wunden bei oberflächlichen Verletzungen – etwa rund um die gebildete Kruste – sind kein Grund zur Beunruhigung. Sollte die Wunde aber stark jucken und zusätzlich gerötet sein oder sollten Sie sogar Eiter erkennen, sollten Sie damit zum Arzt gehen, um eine eventuelle Infektion oder ein Ekzem zu verhindern und die Wunde schnellstmöglich behandeln zu lassen. Eitrige Wunden können, nicht behandelt, schwere Komplikationen bis hin zu einer Blutvergiftung nach sich ziehen.

Mythos 4: Schorf abkratzen führt zu Narben

Teils ja, teils nein. Abkratzen sollten Sie den Schorf auf keinen Fall, wenn er noch sehr fest sitzt und Sie damit die Wunde wieder aufreißen würden. Sie merken aber, ob sich der Schorf beim täglichen Reinigen vielleicht sogar von selbst löst. Solange Sie jetzt nicht mit ungewaschenen Fingern daran herumkratzen, sondern ihn mit einem frischen, feuchten Tuch sanft abtragen, passiert in der Regel nichts. Bei eitrigen Wunden ist es sogar wichtig, den Eiter zu entfernen. Dies sollten Sie allerdings ärztlich machen lassen und auf keinen Fall selbst Hand anlegen! Die Infektionsgefahr ist zu hoch.

Mythos 5: Alkohol desinfiziert Wunden

Falsch – auch, wenn wir uns wahrscheinlich fühlen würden wie ein Actionheld, wenn wir statt Wasser und Wunddesinfektionsmittel erst einmal einen kräftigen Schluck Rum über die offene Wunde kippen: Gesund ist das nicht. Und schmerzhaft obendrein. Alkohol kann das Wundgewebe schädigen, so dass die Wundheilung sogar verzögert wird und erst recht Narben entstehen. Es gibt aber jede Menge Alternativen: Am besten reinigen Sie die Wunde erst einmal mit sauberem, lauwarmem Wasser und anschließend mit antiseptischem Wundspray. Auch neutrale Kochsalzlösung (Natriumchlorid) hilft. Im Notfall reicht auch mal das saubere Wasser. Dann eine sterile Mullbinde oder ein sauberes Pflaster drauf und später weiterbehandeln.

Mythos 6: Langsame Wundheilung ist ein Zeichen für ernsthafte Erkrankungen

Stimmt! Wenn Sie bei einer Wunde merken, dass sie einfach partout nicht abheilen will oder ungewöhnlich lange dafür braucht, kann das ein Zeichen des Körpers sein, dass etwas nicht stimmt. So ist die Wundheilung etwa bei Diabetes-Patienten gestört. Und auch, wenn das Immunsystem nicht fit ist oder Durchblutungsstörungen bestehen, kann das einen Einfluss haben. Dann heißt es: Ab zum Arzt.

Mythos 7: Tiefe Wunden schmerzen am meisten

Falsch – sogar das Gegenteil ist der Fall, und das haben Sie wahrscheinlich selbst schon einmal gemerkt. Gerade oberflächliche Hautabschürfungen oder auch Sonnenbrand tun meist so richtig weh. Tiefe Wunden aber schmerzen viel weniger. Die meisten Nervenenden sitzen nämlich in der obersten Hautschicht (Epidermis). Je mehr die Epidermis verletzt ist, desto größer der Schmerz. Wichtig: Auch wenn eine tiefe Wunde mal nicht so weh tut – gehen Sie damit unbedingt zum Arzt!

Mythos 8: Hausmittel wie Honig und Salzwasser helfen bei der Wundheilung

Teils ja, teils nein: Auch hier kommt es auf die Tiefe und Art der Wunde sowie auch auf die Menge an. Honig – allen voran Manukahonig – bringt entzündungshemmende Enzyme mit und hilft dabei, die Feuchtigkeitsbildung der Wunde zu beeinflussen. Das hilft vor allem bei leichten bis mittelschweren Brandwunden und kann die Heilungszeit tatsächlich um vier bis fünf Tage verkürzen und Infektionen vorbeugen. Wichtig ist aber auch hier, dass Sie die Wunde regelmäßig reinigen und den (sauberen!) Honig dann wieder frisch applizieren. Schwer heilende oder chronische Wunden sollten aber nicht mit Honig behandelt werden.

Salzwasser hingegen kann – wenn die richtige Salzkonzentration von 0,9 Prozent Salzgehalt eingehalten wird – bei der Wundheilung unterstützen. Diese physiologische Kochsalzlösung kann der Körper am besten verwerten. Bei zu hohem Salzgehalt, wie er etwa bei Nasenspüllösungen oder bei Meerwasser vorkommt, wird die Wunde dagegen ausgetrocknet und heilt langsamer. Bei Meerwasser sollten Sie umso vorsichtiger sein, denn hier können sich Schmutz und Keime in die Wunde hineinspülen, die zu schweren Infektionen führen können. Also: Immer sauber arbeiten!

Splitter eingefangen? Hier können Sie mit Hausmitteln einiges erreichen. Aber auch hier gilt: Sobald Eiter entsteht, ab zum Arzt!

Mythos 9: Je besser versorgt, desto weniger Narbenbildung

Stimmt! Wird eine Wunde gut gesäubert und versorgt und auch im weiteren Wundheilungsprozess immer sauber gehalten, reduziert dies das Risiko von Narben ungemein. Denn je weniger Verunreinigungen die Haut zusätzlich belasten, desto seltener kommt es zu Infektionen, die am Ende oft ausschlaggebend für große Narben sind. Nach Abheilen der Wunde ist die richtige Hautpflege dann wichtig, um Narben richtig zu behandeln.

Mythos 10: Tiefe Wunden sollten nach sechs Stunden nicht mehr genäht werden

Stimmt! Als tief gilt eine Wunde, wenn sie tiefer als einen Zentimeter in den Körper ragt. Eine solche Wunde muss innerhalb von sechs Stunden genäht werden oder mit speziellem Wundkleber geschlossen werden. Denn mit jeder Minute, die vergeht, steigt das Infektionsrisiko. Je weiter Keime über eine Wunde in den Körper hineinwandern können, desto schlimmer. Wird eine Wunde nach zu langer Zeit verschlossen, kann es passieren, dass bereits Keime vorhanden sind und diese dann mit "eingeschlossen" würden. Damit steigt das Risiko für Entzündungen sowie sogar für eine Blutvergiftung rapide. Bei tiefen Wunden heißt es: Ab zum Arzt.

Bitte beachten Sie: Suchen Sie bei größeren Verletzungen und solchen, die nicht aufhören zu bluten sowie bei Eiterbildung bitte immer ärztliche Hilfe! Diese Tipps können eine ärztliche Behandlung nicht ersetzen!