22.06.2020 - 21:12

Vorsicht, ekelerregend! Darum sollten Sie den Klodeckel vor dem Spülen schließen!

Vor dem Spülen: Deckel zu! Wovor der geschlossene Klodeckel Sie schützen kann, lesen Sie hier.

Foto: iStock.com/Cunaplus_M.Faba

Vor dem Spülen: Deckel zu! Wovor der geschlossene Klodeckel Sie schützen kann, lesen Sie hier.

Toilettendeckel herunterklappen ist für Sie reine Zeitverschwendung? Wir liefern Ihnen einen guten Grund, warum Sie sich diese paar Sekundenbruchteile Zeit definitiv nehmen sollten.

Was soll das eigentlich – ein Klodeckel? Für viele gilt er als unnütz, in öffentlichen Toiletten fehlt er meist gänzlich, oder niemand möchte ihn anfassen. Dabei hat der Deckel auf der Schüssel durchaus seine Daseinsberechtigung – und die ist definitiv nicht nur rein ästhetisch. Vor dem Spülen sollten Sie den Klodeckel schließen. Warum das so ist, erklären wir Ihnen hier.

Klodeckel schließen – Vorsicht vor herumfliegenden Mikrotröpfchen

Der Grund ist eigentlich ganz simpel: Beim Spülen wird Wasser aufgewirbelt. Das haben Sie vielleicht auch selbst schon einmal gemerkt, wenn Sie nach dem Spülvorgang Tröpfchen auf der Klobrille entdeckt oder gar auf der eigenen Haut gespürt haben. Bei sauberen Toiletten kein Problem – aber welches Klo ist schon wirklich, wirklich sauber?

Daher ist es höchstwahrscheinlich, dass sich Keime in die feinen Tröpfchen mischen, die sich dann in der Raumluft verteilen, dabei eingeatmet werden können oder sich – igitt! – auf Zahnbürsten und Co absetzen. Wissenschaftler der Quinnipac University haben etwa herausgefunden, dass auf mindestens jeder zweiten Zahnbürste in Gemeinschaftsbädern Darmbakterien kleben, unter anderem E.Coli. Das berichten sie über die "American Society for Microbiology".

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rät auf dem Portal "Infektionsschutz.de" dazu: "Vor dem Spülen am besten den Toilettendeckel schließen" – und im Anschluss nochmal öffnen und schauen, ob Restverschmutzungen da sind. Ist dem so? Dann kommt die Toilettenbürste zum Zug. Kurz schrubben, Deckel wieder schließen und nochmal spülen. "Durch das Schließen des Deckels soll vermieden werden, dass beim Spülen Krankheitserreger in die Umgebung versprüht werden", erklären die Experten.

Zahnbürste oder Hände schützen?

Gut, Zahnbürsten kann man auch in einem kleinen verschließbaren Badezimmerschrank aufbewahren. Doch Handtücher beispielsweise hängen meist direkt neben der Toilette. Und auch dort können sich Erreger aus den "Toiletten-Aerosolen" einnisten. Wenn dann das Handtuch auch noch länger nicht gewaschen wurde und feucht herumhängt, ist ein wahrer Nährboden für Bakterien und Co gegeben.

Jetzt könnte man argumentieren: Aber wenn ich den Klodeckel anfasse, kleben mir doch Keime an den Fingern? Nun, richtig. Das kann durchaus passieren. Das allein ist aber ein guter Grund, etwas zu tun, das wir alle eigentlich von Kindesbeinen an machen sollten: Nach dem Toilettengang die Hände waschen! Das gilt vor allem auf öffentlichen Toiletten. Aber seien wir ehrlich: Auch zuhause sollte es ein Muss sein.

Magen-Darm-Keime: Wann wird's tatsächlich gefährlich?

Ungesund sind die meisten Klo-Keime übrigens nicht, zumindest nicht, wenn sie in Maßen auftreten. Regelmäßiges Toilette-Putzen sollte daher definitiv auf dem Putzplan stehen. Eklig ist die Vorstellung trotzdem. Und es kann durchaus gefährlich werden – nämlich dann, wenn eine Person im Haushalt etwa an Magen-Darm-Grippe leidet – hochansteckend!

Gegenüber der "Huffington Post" äußert sich Dr. med. Ernst Tabori, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin: "Beim Spülen kommt es zu einer Spritzwolke", sagt er. "Viele Darmkeime, die sich in kleineren Tropfen verstecken, gelangen so an die Oberflächen im Bad." Und sind dort Magen-Darm-Keime, beispielsweise Noroviren, in den Tröpfchen enthalten, können diese ganz leicht in den Körper einer gesunden Person gelangen und sich dort vermehren.

Videos zu Magen-Darm-Erkrankungen
Videos zu Magen-Darm-Erkrankungen

Coronaviren und Fäkalien: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

Neuen Wind hat die Diskussion um die Toilettendeckel nun auch aufgrund der Coronavirus-Pandemie bekommen. Denn Virenbestandteile konnten auch im Stuhl von Infizierten nachgewiesen werden. Oben haben wir gelernt, dass beim Spülen Aerosole entstehen können, die auch Viren enthalten können. Eine Studie chinesischer Wissenschaftler legt einen Zusammenhang nahe. Die Forscher hatten gemessen, wie sich Schwebeteilchen nach dem Spülvorgang in der Raumluft verteilen.

Theoretisch ist es möglich, dass Menschen virusbelastete Aerosolwolken aus der Toilette einatmen. Mittlerweile gibt es einige Studien zur Viruslast im Stuhl von Covid-19-Patienten. Vermutlich kann sich Sars-CoV-2 laut einer im Fachblatt "Nature" erschienenen Studie von Clemens Wendtner, Virologe der München Klinik Schwabing (der Klinik, die die ersten Covid-19-Patienten in Deutschland behandelt hatte) unter Mitwirkung von Charité-Chefvirologe Christian Drosten im Darm der Infizierten vermehren.

Im Stuhl konnten die Forscher aber keine replikationsfähigen Viren nachweisen, lediglich Virenbestandteile. "Das ist allerdings bei Stuhlproben immer schwer, weil E.-coli-Bakterien immer alles andere überwuchern", erklärt Wendtner. Ein Infektionsrisiko könne er aber nicht ausschließen. Forscher weltweit gehen aber davon aus, dass eine Ansteckung über Viren aus dem Stuhl eher eine untergeordnete Rolle spielt. Weiterhin sind Abstand halten, Hygiene und auch Mund-Nasen-Bedeckung in geschlossenen Räumen die beste Möglichkeit, sich vor einer Coronavirus-Infektion zu schützen.

Halten wir also fest: Bei selbstverständlicher Handwasch-Hygiene und vorbildlich geputzter Toilette schadet es durchaus nicht, den Klodeckel vor dem Spülen zu schließen. Und sei es nur vorbeugend sowie zum Schutz vor Ekel.

Weitere hygienische Haushaltstipps gibt's auf unserer Themenseite.

Quellen: infektionsschutz.de, Huffington Post, Stern.de, apotheken-umschau.de

Studien: