Aktualisiert: 04.12.2020 - 11:17

Vorsicht, ekelerregend! Corona und Co: Darum sollten Sie den Klodeckel vor dem Spülen schließen!

Vor dem Spülen: Deckel zu! Der geschlossene Klodeckel kann Sie nämlich sogar vor Coronaviren schützen – insbesondere auf öffentlichen Toiletten. Warum Klo-Aerosole aber auch zu Hause richtig eklig sein können:

Foto: iStock.com/Cunaplus_M.Faba

Vor dem Spülen: Deckel zu! Der geschlossene Klodeckel kann Sie nämlich sogar vor Coronaviren schützen – insbesondere auf öffentlichen Toiletten. Warum Klo-Aerosole aber auch zu Hause richtig eklig sein können:

Den Toilettendeckel herunterzuklappen ist für Sie reine Zeitverschwendung? Wir liefern Ihnen einen guten Grund, warum Sie sich diese wenigen Sekundenbruchteile Zeit definitiv nehmen sollten. Und der hat nicht nur, aber auch mit dem Coronavirus und der Übertragung zu tun.

Was soll das eigentlich – ein Klodeckel? Für viele gilt er als unnütz, in öffentlichen Toiletten fehlt er meist gänzlich, niemand möchte ihn anfassen. Dabei hat der Deckel auf der Schüssel durchaus seine Daseinsberechtigung – und die ist definitiv nicht nur rein ästhetisch. Vor dem Spülen sollten Sie den Klodeckel schließen. Übrigens insbesondere jetzt in Zeiten einer Pandemie mit einem Virus, das sich über Aerosole überträgt. Warum das so ist, erklären wir Ihnen hier – und ergänzen, welche Gefahr Pupsen jetzt eigentlich darstellen könnte.

Klodeckel schließen – Vorsicht vor herumfliegenden Aerosolen

Der Grund ist eigentlich ganz simpel: Beim Spülen wird Wasser aufgewirbelt. Das haben Sie vielleicht auch selbst schon einmal gemerkt, wenn Sie nach dem Spülvorgang Tröpfchen auf der Klobrille entdeckt oder gar auf der eigenen Haut gespürt haben. Oft sind sie aber so fein, dass wir das nicht mal merken. Bei sauberen Toiletten kein Problem – aber welches Klo ist schon wirklich, wirklich sauber?

Daher ist es höchstwahrscheinlich, dass sich Keime in die feinen Tröpfchen – uns allen heute besser bekannt als Aerosole – mischen, die sich dann in der Raumluft verteilen, dabei eingeatmet werden können oder sich – igitt! – auf Zahnbürsten und Co absetzen. Wissenschaftler der Quinnipac University haben etwa herausgefunden, dass auf mindestens jeder zweiten Zahnbürste in Gemeinschaftsbädern Darmbakterien kleben, unter anderem E.Coli. Das berichten sie über die "American Society for Microbiology".

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rät auf dem Portal "Infektionsschutz.de" dazu: "Vor dem Spülen am besten den Toilettendeckel schließen" – und im Anschluss nochmal öffnen und schauen, ob Restverschmutzungen da sind. Ist dem so? Dann kommt die Toilettenbürste zum Zug. Kurz schrubben, Deckel wieder schließen und nochmal spülen. "Durch das Schließen des Deckels soll vermieden werden, dass beim Spülen Krankheitserreger in die Umgebung versprüht werden", erklären die Experten.

Apropos Spülen: Wissen Sie eigentlich, was Sie dafür zahlen? Lesen Sie mal, was es kostet, wenn Sie kleine und größere Geschäfte tagtäglich im WC versenken.

Zahnbürste oder Hände schützen?

Gut, Zahnbürsten kann man auch in einem kleinen verschließbaren Badezimmerschrank aufbewahren. Doch Handtücher beispielsweise hängen meist direkt neben der Toilette. Und auch dort können sich Erreger aus den "Toiletten-Aerosolen" einnisten. Wenn dann das Handtuch auch noch länger nicht gewaschen wurde und feucht herumhängt, ist ein wahrer Nährboden für Bakterien und Co gegeben.

Jetzt könnte man argumentieren: Aber wenn ich den Klodeckel anfasse, kleben mir doch Keime an den Fingern? Das ist richtig und kann durchaus passieren. Das allein ist aber ein guter Grund, etwas zu tun, das wir alle eigentlich von Kindesbeinen an machen sollten: nämlich nach dem Toilettengang die Hände zu waschen! Das gilt vor allem auf öffentlichen Toiletten. Aber seien wir ehrlich: Auch zu Hause sollte es ein Muss sein.

Magen-Darm-Keime: Wann wird's tatsächlich gefährlich?

Ungesund sind die meisten Klo-Keime übrigens nicht, zumindest nicht, wenn sie in Maßen auftreten. Regelmäßiges Toilette-Putzen sollte daher definitiv auf dem Putzplan stehen. Eklig ist die Vorstellung trotzdem. Und es kann durchaus gefährlich werden – nämlich dann, wenn eine Person im Haushalt etwa an Magen-Darm-Grippe leidet – hochansteckend!

Gegenüber der "Huffington Post" äußert sich Dr. med. Ernst Tabori, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin: "Beim Spülen kommt es zu einer Spritzwolke", sagt er. "Viele Darmkeime, die sich in kleineren Tropfen verstecken, gelangen so an die Oberflächen im Bad." Und sind dort Magen-Darm-Keime, beispielsweise Noroviren, in den Tröpfchen enthalten, können diese ganz leicht in den Körper einer gesunden Person gelangen und sich dort vermehren.

Videos zu Magen-Darm-Erkrankungen
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Coronaviren und Fäkalien: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

Neuen Wind hat die Diskussion um die Toilettendeckel nun auch aufgrund der Coronavirus-Pandemie bekommen. Denn Viren konnten auch im Stuhl von Infizierten nachgewiesen werden, und mittlerweile ist klar, dass Covid-19 auch auf den Darm schlagen kann. Oben haben wir gelernt, dass beim Spülen Aerosole entstehen können, die auch Viren enthalten können. Eine Studie chinesischer Wissenschaftler legt einen Zusammenhang nahe. Die Forscher hatten gemessen, wie sich Schwebeteilchen nach dem Spülvorgang in der Raumluft verteilen.

Theoretisch ist es möglich, dass Menschen virusbelastete Aerosolwolken aus der Toilette einatmen. Mittlerweile gibt es einige Studien zur Viruslast im Stuhl von Covid-19-Patienten. Vermutlich kann sich Sars-CoV-2 laut einer im Fachblatt "Nature" erschienenen Studie von Clemens Wendtner, Virologe der München Klinik Schwabing (der Klinik, die die ersten Covid-19-Patienten in Deutschland behandelt hatte) unter Mitwirkung von Charité-Chefvirologe Christian Drosten im Darm der Infizierten vermehren.

Im Stuhl konnten die Forscher aber keine replikationsfähigen Viren nachweisen, lediglich Virenbestandteile. "Das ist allerdings bei Stuhlproben immer schwer, weil E.-coli-Bakterien immer alles andere überwuchern", erklärt Wendtner. Ein Infektionsrisiko könne er aber nicht ausschließen.

Coronaviren theoretisch auch übers Pupsen übertragbar

Das Gesundheitsportal "Medical News" stellt jetzt aber eine neue These auf: Ähnlich wie beim Husten oder Niesen könnte sich das Coronavirus auch beim Pupsen über Tröpfcheninfektion bzw. Aerosole übertragen. Das Gute: Normalerweise tragen wir in der Öffentlichkeit Unterhosen und noch mindestens ein Kleidungsstück darüber – also im Grunde eine Art Maske für den Hinterausgang. Der Moderator des australischen Podcasts "Coronacast", Dr. Norman Shaw scherzte bereits: "Furzt niemals mit unbedecktem Hinterteil!"

Doch hier könnten nun wieder die öffentlichen Toiletten ins Spiel kommen: Dort wird ja durchaus mit unbedeckten Pobacken flatuliert. Die Gefahr der Infektion schätzen Forscher aber durchs Pupsen bisher gering ein, insbesondere weil auch in öffentlichen Toiletten in der Regel allein aus Baugründen auf Abstand geachtet wird. Regelmäßiges Lüften öffentlicher Klos sollte sowieso normal sein. Und auch hier umso mehr der Tipp: Beim Spülen bitte Deckel schließen!

Forscher weltweit gehen bisher davon aus, dass eine Ansteckung über Viren aus dem Stuhl eher eine untergeordnete Rolle spielt, ausschließen können sie diese Möglichkeit aber nicht. Laut einer Metaanalyse des US-amerikanischen Swedish Medical Centers über 29 Studien konnte das Virus bei 40 Prozent der untersuchten Erkrankungen unabhängig von den Symptomen im Stuhl nachgewiesen werden. Über zehn Prozent der Infizierten zeigen übrigens Durchfall, Übelkeit und Erbrechen als einzige Corona-Symptome. Weiterhin sind Abstand halten, Hygiene und auch Mund-Nasen-Bedeckung in geschlossenen Räumen die beste Möglichkeit, sich vor einer Coronavirus-Infektion zu schützen.

Halten wir also fest: Auch bei selbstverständlicher Handwasch-Hygiene und vorbildlich geputzter Toilette schadet es durchaus nicht, den Klodeckel vor dem Spülen zu schließen. Und sei es nur vorbeugend sowie zum Schutz vor Ekel.

Weitere hygienische Haushaltstipps gibt's auf unserer Themenseite.

Quellen: infektionsschutz.de, Huffington Post, Stern.de, apotheken-umschau.de

Studien:

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