19.06.2020 - 17:16

Vorsicht, Bakterien! Vibrionen: Wird das Baden in der Ostsee jetzt gefährlich?

So gefährlich sind die fleischfressenden Bakterien in der Ostsee

So gefährlich sind die fleischfressenden Bakterien in der Ostsee

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Die deutsche Ostsee-Küste ist gerade in der Coronakrise ein beliebtes Ziel für alle, die "Urlaub daheim" machen wollen. Könnten uns diese Bakterien den sommerlichen Badespaß jetzt vermiesen?

Aufgrund der Coronakrise verzichten dieses Jahr viele Deutsche auf Reisen in andere Länder. Stattdessen ist Heimurlaub angesagt. Schließlich kann Deutschland sowohl eine Nord- als auch eine Ostsee-Küste vorweisen und hat damit einige tolle Strände zu bieten. Vor allem die Ostsee ist ein beliebtes Ausweichziel für alle Mittelmeer-Fans. Außerdem: Bei den tropischen Temperaturen, die uns diesen Sommer vermutlich wieder bevorstehen, lässt sich leicht vergessen, dass man sich immer noch in Deutschland befindet… Doch Vorsicht: Gerade die steigenden Temperaturen fördern die Vermehrung von Vibrionen, die das Baden in der Ostsee gefährlich machen könnten.

Vibrionen: Deshalb sind die Bakterien in der Ostsee gefährlich

Vibri… was? Keine Sorge, wenn Sie noch nie von Vibrionen gehört haben, sind Sie damit nicht allein. Vibrionen sind eine Bakteriengattung, die sowohl in Süß- als auch in Salzwasser vorkommt. Die bekannteste Art der Vibrionen-Familie ist Vibrio cholerae: Das ist der Erreger, der Cholera auslöst.

Ostsee-Urlauber müssen jedoch eher zwei andere Vibrionen-Spezies fürchten: Vibrio vulnificus und Vibrio cholerae non-O1. Eckhard Strauch leitet das Konsiliarbüro für Vibrionen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Ihm zufolge sind besonders diese beiden Spezies gefährlich: Sie können beim Menschen schwere Wundinfektionen verursachen, insbesondere im Magen-Darm-Trakt und an den Weichteilen.

Vorsicht ist nicht nur beim Schwimmen in Gewässern mit hoher Vibrionen-Belastung geboten. Auch das Schlucken kontaminierten Wassers sowie der Verzehr von rohem Fisch oder nicht durchgegarten Meeresfrüchten kann zu Magen-Darm-Infektionen führen.

Vibrionen in der Ostsee: Das Klima ist schuld

Was die hohen Temperaturen mit der Vibrionen-Gefahr zu tun haben? Die Erderwärmung führt dazu, dass nicht nur die Temperatur an Land, sondern auch die Temperatur der Meere steigt. Ab einer Wassertemperatur von 20 Grad fühlen sich die Vibrionen so richtig wohl und vermehren sich verstärkt. Vibrionen könnten somit eine weitere gefährliche Konsequenz des Klimawandels darstellen, mit der wir bald zu kämpfen haben. Denn dass es wärmer wird, steht außer Frage: Die Weltwetterorganisation (WMO) schätzt, dass auch dieses Jahr uns neue Temperaturrekorde beschert. Zwischenzeitlich hieß es sogar,2020 könnte das wärmste Jahr überhaupt werden.

Welche Gewässer sind gefährlich?

Vibrionen kommen zwar weltweit vor, werden laut "tropeninstitut.de" aber häufig aus Ländern mit einem niedrigen Hygienestandard nach Deutschland mitgebracht. Die Infektionen, die ihren Ursprung in Deutschland haben, sind meistens auf das Baden in der Ostsee zurückführen. Vibrionen sind salztolerant und fühlen sich laut Robert Koch Institut in Gewässern mit einem Salzgehalt von 0,5-2,5 % besonders wohl. Der moderate Salzgehalt in der Ostsee ist damit perfekt für die Bakterien.

Das Mittelmeer und die Nordsee sind mit einem Salzgehalt von circa 3 % hingegen zu salzig für Vibrionen. Zwar wurden auch in diesen Gewässern vereinzelte Infektionen gemeldet. Das liegt daran, dass der Salzgehalt in besonders flachen Gewässerabschnitten, beispielsweise im Bereich von Flussmündungen, schwanken kann. Auch in Süßwasserseen können Vibrionen auftreten, ein Beispiel dafür ist der Binnensee Neusiedler See in Österreich.

Wer ist gefährdet?

Vibrionen sind nicht für alle Menschen gleich gefährlich. Generell gilt: Junge und gesunde Erwachsene erkranken eher selten. Auch gesunde Kinder erkranken in der Regel nicht schwer, sondern ziehen sich laut Robert Koch Institut meistens lediglich eine Ohrinfektion zu. Als Risikogruppe identifiziert das Institut hingegen ältere und immungeschwächte Personen sowie Personen mit Vorerkrankungen. Zu diesen zählen Diabetes mellitus, Lebererkrankungen, Krebserkrankungen und schwere Herzerkrankungen. Ebenfalls ein Risikofaktor sind offene und schlecht heilende Wunden. Diese sollten nicht mit vibrionenbelastetem Wasser in Kontakt kommen.

Trotz allem gibt es keinen Grund, jetzt in Panik zu verfallen. Strauch zufolge lag die Zahl der registrierten, von Vibrionen ausgelösten Erkrankungen in Deutschland in den letzten Jahren im ein- oder niedrigen zweistelligen Bereich. Nichtsdestotrotz sollten gerade Angehörige von Risikogruppen die Gefahr im Blick behalten und vor dem nächsten Ostseeurlaub oder Seebesuch ein wenig Recherche über Wassertemperatur und Vibrionenbelastung betreiben.

Quellen: dpa, t-online.de, tropeninstitut.de, rki.de

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