Aktualisiert: 17.06.2020 - 19:19

Volkskrankheit Bluthochdruck Blutdrucksenker: Auf die richtige Einnahmezeit kommt's an!

Blutdrucksenker – Vorsicht vor diesen Nebenwirkungen

Blutdrucksenker – Vorsicht vor diesen Nebenwirkungen

Auflistung von Blutdruck-Medikamenten und deren Nebenwirkungen auf unseren Körper.

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Blutdrucksenkende Arzneimittel retten Leben, keine Frage. Aber wie jedes Medikament können Sie auch Nebenwirkungen haben. Auf die haben Sie aber als Patient teilweise selbst Einfluss.

Bluthochdruck ist eine der größten Gefahren für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt. Blutdrucksenkende Mittel helfen dabei, den Blutdruck zu senken und Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und mehr zu verhindern. Aber wie jedes Medikament haben auch Blutdrucksenker Nebenwirkungen. Das Gute ist aber: Einen Teil davon können Sie als Patient selbst beeinflussen und verhindern. Denn: Es kommt bei der Einnahme beispielsweise auch auf den richtigen Zeitpunkt an!

Blutdrucksenker: Diese Nebenwirkungen gibt es

Entsprechend individueller Bedürfnisse gibt es verschiedene blutdrucksenkende Medikamente, die alle unterschiedliche Nebenwirkungen mitbringen können. Ein paar haben sie aber alle gemein:

  • Schwindel und Benommenheit
  • Blutdruckabfall
  • Allergien und Hautreaktionen
  • Magen-Darm-Probleme wie Durchfall oder Verstopfung und Übelkeit

Doch auch die einzelnen Medikament-Arten bringen noch Nebenwirkungen mit. Alle finden Sie in der jeweiligen Packungsbeilage, zusammenfassen lassen sie sich wie folgt:

  • ACE-Hemmer: Auftreten können Reizhusten sowie Wassereinlagerungen in der Haut (sog. Angioödeme). Im Blut kann ein erhöhter Kaliumspiegel gemessen werden.
  • AT1-Antagonisten (Sartane): Begleiterscheinungen wie Husten und Angioödeme können selten auftreten, aber auch hier kann der Kaliumspiegel im Blut steigen.
  • Beta-Blocker: Können die Bronchien verengen und bstehende Durchblutungsstörungen verschlechtern, begünstigen Diabetes und verlangsamen die Herzfrequenz. Müdigkeit und Schlafstörungen sowie Potenzstörungen können resultieren.
  • Kalziumantagonisten: Herzklopfen oder bei einigen Wirkstoffen auch verlangsamte Herzfrequenz und langsamer Herzschlag können auftreten, ebenso Kopfschmerzen, warme Hautrötungen und Gesichtsrötungen und Wasseransammlungen. Zudem sind Müdigkeit oder Schlafstörungen, Störungen der Potenz oder ein verschlechterter Zuckerstoffwechsel mögliche Nebenwirkungen.
  • Thiaziddiuretika (Wassertabletten): Diese Medikamente wirken harntreibend, daher kann es neben trockenem Mund und Durst sowie Harndrang zu Mineralstoffschwankungen kommen: Der Kalium- und der Natriumspiegel können sinken und der Zuckerstoffwechsel kann sich verschlechtern. Dafür findet sich manchmal mehr Harnsäure im Blut. Machen lichtempfindlich, das Risiko für weißen Hautkrebs steigt.

Was tun bei Nebenwirkungen?

Sie können also selbst schon viel erreichen, indem Sie – immer nach ärztlicher Rücksprache! – den Einnahmezeitpunkt beachten und vielleicht ändern und an den eigenen Lebensrhythmus anpassen. Leiden Sie etwa unter nächtlichem Bluthochdruck, ist es ratsamer, die Medikamente abends einzunehmen.

Ansonsten sollten Sie trotz Nebenwirkungen niemals ihren Blutdrucksenker eigenmächtig absetzen! Informieren Sie immer direkt Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Nebenwirkungen auftreten. Zusammen können Sie schauen, ob Sie:

  • ein Medikament von einem anderen Hersteller wählen
  • den Wirkstoff oder die Zubereitungsform wechseln
  • die Dosierung ändern oder
  • den Einnahmezeitpunkt verschieben.

Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an!

Oben haben wir es bereits erwähnt: Auch der Zeitpunkt kann ausschlaggebend sein! Denn wer vor allem unter nächtlichem Blutdruck leidet, sollte seine Tablette lieber nicht morgens einnehmen. Zu dem Schluss kamen kürzlich Forscher aus Spanien. Die Wissenschaftler um Ramón Hermida von der Universität von Vigo haben sich die innere Uhr des Menschen und den Einfluss von Blutdruckmedikamenten genauer angesehen und gehen davon aus, das die Verwertung von Substanzen individuell unterschiedlich sein kann.

Vor allem stellen hohe Werte in der Nacht aber ein beträchtliches Risiko für Herz und Kreislauf dar.

Die Werte von 19.000 Teilnehmern wurden untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass der Teil, der die Tablette abends eingenommen hat, sowohl nachts, als auch tagsüber einen signifikant niedrigeren Blutdruck aufwies.

Wer aber vor allem in den Morgenstunden oder am Tag unter hohem Blutdruck leidet, kann auch bei der morgendlichen Einnahme bleiben.

Wichtig ist, dass Sie jegliche Zeitveränderungen ärztlich abklären! Erst eine Langzeit-Blutdruckmessung kann hier genaue Werte bringen und zeigen, wann die Einnahme individuell am besten passt.

Nehmen Sie Ihre Tablette aber immer regelmäßig ein: Für welchen Zeitpunkt auch immer Sie sich zusammen mit Ärztin oder Arzt entscheiden – bleiben Sie dabei. Unregelmäßige Einnahmen können den Körper belasten.

Besondere Vorsicht bei Wassertabletten

Mancher Patient nimmt gegen Hypertonie Entwässerungstabletten, sogenannte Diuretika, ein. Vor allem beim Wirkstoff Hydrochlorothiazid kommt hier zu den üblichen Nebenwirkungen von Blutdrucksenkern noch eine weitere hinzu: Die Haut wird lichtempfindlicher.

Das bedeutet: Ohne Schutz bekommen Patienten möglicherweise schneller einen Sonnenbrand. Auch “Sonnenallergie” in Form von roten Pusteln kann vorkommen.

Sind Sie betroffen und nehmen solche Medikamente ein? Dann meiden Sie vor allem die starke Mittagssonne. Auch Sonnencreme und lichtdichte Kleidung helfen, diese Nebenwirkung zu verhindern. Außerdem: Je kürzer Sie sich in der prallen Sonne aufhalten, desto besser. Das schützt die Haut außerdem vor Hautkrebs. Ein regelmäßiges Hautkrebs-Screening ist hier anzuraten.

Geht’s denn auch ohne Medikamente?

Nach ärztlicher Absprache können Sie durch geeignete Maßnahmen auch versuchen, Ihren Blutdruck selbst und ohne Tabletten wieder unter Kontrolle zu bringen. Das erfordert aber anfangs möglicherweise ein bisschen Disziplin. Denn neben regelmäßiger Bewegung (etwa leichter Ausdauersport – Experten empfehlen mindestens 30 Minuten Bewegung pro Tag) kann auch eine Ernährungsumstellung mit wenig Salz helfen. Zudem sollten Sie auf Alkohol und Rauchen verzichten – beides treibt den Blutdruck nach oben.

Und auch, wenn Sie weiterhin Blutdrucksenker nehmen: Um Nebenwirkungen zu vermeiden, gilt: Nehmen Sie blutdrucksenkende Mittel außerdem bitte niemals mit Alkohol zusammen ein! Hier sollten Sie einen Abstand von mehreren Stunden einplanen.

Ärztliche Rücksprache ist bei Blutdrucksenkern immer enorm wichtig: Denn der Körper stellt sich auf die Medikamente ein. Auch bei Nebenwirkungen gilt also: Jegliche Änderungen ärztlich absprechen und lieber langsam vorgehen als zu schnell etwas zu ändern.

Rücksprache sollten Sie auch immer halten, wenn Sie andere Medikamente einnehmen müssen. Denn es kann durchaus zu Wechselwirkungen mit Schmerzmittel, Kortison, Grippemitteln oder auch Antidepressiva kommen.

Sie wissen gar nicht, ob Sie hohen Blutdruck haben? Verschiedene Symptome deuten auf Bluthochdruck hin – und oft kommen sie schleichend! Wie Sie Blutdruck-Werte richtig deuten, lesen Sie bei uns.

Mehr über Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie zu Schlaganfall finden Sie auch auf unseren Themenseiten.

Quellen: focus.de, ndr.de, praktischarzt.de, t-online.de, dpa

Studie: Hermida et.al, European Heart Journal: "Bedtime hypertension treatment improves cardiovascular risk reduction: the Hygia Chronotherapy Trial"

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