16.06.2020 - 12:31

Warnung bei infektiösen Kontakten Die Corona-Warn-App ist da – und so sicher ist sie wirklich!

So funktioniert die Corona-App

So funktioniert die Corona-App

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Seit dem 16. Juni 2020 ist die Corona-Warn-App der Regierung offiziell verfügbar. Wie Sie sie herunterladen können, was Datenschützer sagen und wo doch ein Sicherheitsrisiko bestehen könnte.

Lange stand sie in der Kritik, jetzt ist sie da: Die erste Version der deutschen Corona-Warn-App steht zum Download bereit. Sie funktioniert zwar auf freiwilliger Basis, die Bundesregierung erhofft sich aber eine breite Nutzung, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Datenschutz-Bedenken wurden im Vorfeld weitgehend aus dem Weg geräumt, mittlerweile sehen auch Datenschützer die Corona-Warn-App als sicher an. Ein bisschen Kritik gibt es aber immer noch – doch das liegt nicht direkt an der App.

Die Corona-Warn-App ist da – und baut auf Sicherheit

Der Nutzen der Corona-Warn-App ist eigentlich ganz einfach erklärt: Sie soll die Kontakte Infizierter erkennen und dadurch Infektionsketten verkürzen. Und das funktioniert so: Sie wird installiert, und nach Zustimmung bekommt jeder Nutzer eine anonyme Kennung, die sozusagen "verfolgt" wird. Kommt man nun mit jemandem in näheren Kontakt, der nachweislich infiziert ist – genauer gesagt über eine längere Zeit näher als zwei Meter –, landet eine Warnung auf dem Smartphone. Das funktioniert aber nur, wenn jeder App-Nutzer, der positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden ist, dies auch so in seiner App hinterlegt. Passiert dies, werden alle betroffenen App-Anwender gewarnt, dass sie kürzlich in der Nähe eines Infizierten waren.

Wer sie nicht nutzen möchte, muss auch nicht: Die Corona-Warn-App funktioniert nur, wenn Sie sie eigenhändig über den Google Play Store oder den App Store von Apple herunterladen und aktivieren. Und dafür ist einiges an Lesearbeit erforderlich. Der Nutzer wird genauestens darauf hingewiesen, wie die App funktioniert und was im Falle einer Warnung sowie im Falle einer Infektion zu tun ist – sowohl aus medizinischer Sicht als auch aus Sicht der App, um auch andere zu warnen.

Datenschützer beruhigt: App erstellt keine Bewegungsprofile

Zwar nutzt die App den aktuellen Standort und speichert eine Art Nutzerkennung. Die aber ist anonym. Personenbezogene Daten werden keine verlangt und auch nicht verarbeitet, der Standort wird nach dem Messen nicht gespeichert. Bewegungsprofile können dadurch nicht erstellt oder eingesehen werden.

Die Entwickler – die Regierung und das Robert-Koch-Institut (RKI) haben den Software-Riesen SAP sowie die Telekom damit betraut – setzen auf einen offenen Quellcode, die App ist also eine sogenannte "Open Source Anwendung". Das bedeutet, dass der Code einsehbar ist und so ganz einfach von Experten geprüft werden kann. Das bietet auch viel Raum für Verbesserungen.

"Solider Eindruck" – aber Kritik ist trotzdem noch da

Insgesamt mache die Corona-Warn-App "einen soliden Eindruck", erklärte etwa der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber gegenüber der "Saarbrücker Zeitung". Lob gibt's dafür, dass man sich mit der Entwicklung trotz drängender Situation genug Zeit gelassen habe. Und doch gab es zuletzt noch Kritikpunkte.

Allem voran setzt die Kritik beim Melden eines Corona-Falles an – nämlich bei der Hotline und dem QR-Code. Eigentlich soll es nämlich so laufen: Wer infiziert ist, soll zusammen mit dem positiven Testergebnis auch einen QR-Code erhalten, der dann einfach eingescannt werden kann. So hat die App dann die Info, die sie benötigt: Ein Corona-Fall wurde bestätigt. Doch QR-Codes können unsicher sein, und nicht jedes Testlabor kann sichere Codes erzeugen. Stattdessen werden Nutzer daher zu Beginn aufgefordert, sich im Falle einer Infektion bei einer Hotline zu melden und dort einem Mitarbeiter Fragen zu beantworten. Wer hier aber Böses im Schilde führt, könnte theoretisch auch einfach nur aus "Spaß" dort anrufen, sich durch die Fragen mogeln und so Fehlalarme auslösen.

Ein anderer Kritikpunkt wurde dagegen mittlerweile gelöst: Wer infiziert ist, kann auch einen TAN-Code eingeben. Doch der Algorithmus zum Erstellen dieser Codes sei zunächst sehr leicht zu knacken gewesen, heißt es seitens der TÜV-Nord-Tochter TÜV-IT. Dieser Fehler sei aber schnell und lückenlos behoben worden. Doch es gebe laut TÜV-IT noch immer ungeprüfte Teile der App.

Und auch, wenn die App selbst keine Bewegungsprofile erstellt und speichert – über die Schnittstellen in den Betriebssystemen von Google und Apple wäre das theoretisch möglich. Der Aufwand sei aber enorm, heißt es von Forschern der TU Darmstadt sowie der Universitäten Marburg und Würzburg.

Nutzung ist freiwillig – aber große Werbekampagnen geplant

Ein Gesetz zur Nutzung der App sieht die Bundesregierung übrigens nicht vor, plädiert aber dafür, dass sie von so vielen wie möglich genutzt wird. In Frankreich ist die App, die dort "StopCovid" heißt, bereits ein voller Erfolg und verzeichnete schon vier Tage nach Start über eine Million Downloads. Das will die Regierung in Deutschland toppen, indem massiv geworben wird, unter anderem auch über mitgliederstarke Verbände wie den DFB.

Dass Motivation zum Nutzen einer solchen App sowie auch zur Datenspende zum Eindämmen der Pandemie besteht, hat auch "Data4Life", eine gemeinnützige Organisatin der Hasso-Plattner-Stiftung herausgefunden. "Data4Life" war bereits an der Entwicklung der "CovApp", dem Online-Test der Berliner Charité, beteiligt und hat bei einer Umfrage unter 5.000 Teilnehmern herausgefunden, dass rund zwei Drittel der Befragten bereit wären, ihre Gesundheits- und Bewegungsdaten im Kampf gegen Covid-19 bereitzustellen.

Eine Corona-App gibt es übrigens schon seit einiger Zeit in Südkorea. Dort konnte sie offenbar gut dazu beitragen, Ausbrüche schnell zu erkennen und die Gefahr einzudämmen. Doch auf Datenschutz wurde dort nicht viel gegeben: Nutzerbewegungen waren nachvollziehbar – unter anderem anhand von GPS-Daten, Kreditkarteninformationen und weiteren persönlichen Infos wie Geschlecht, Alter und Wohnviertel sowie mithilfe von Überwachungskameras – inklusive Warnmeldung, sobald sich ein Infizierter in der Nähe befindet. Wir können aus mehreren Gründen sagen: Zum Glück funktioniert die deutsche Corona-Warn-App da anders. Wir werden sehen, ob sie effektiv dazu beiträgt, Infektionsketten zu erkennen und das Coronavirus so auch ohne Impfung unter Kontrolle zu bringen.

Sie wollen die App nutzen? Auf diesen Smartphones funktioniert die Corona-Warn-App! Weitere Fragen zur Corona-Warn-App der Regierung werden Ihnen hier beantwortet.