Aktualisiert: 10.06.2020 - 21:36

Unterschätzte Gefahr Hämeisen? Zu viel Fleisch und Wurst können schädlich sein!

Von der Redaktion

Lecker, oder? Wenn Sie all das regelmäßig verputzen, ist Ihr Eisenbedarf mehr als gedeckt. Ein Zuviel an Hämeisen aus tierischen Produkten kann aber schädlich sein.

Foto: iStock.com/SStajic

Lecker, oder? Wenn Sie all das regelmäßig verputzen, ist Ihr Eisenbedarf mehr als gedeckt. Ein Zuviel an Hämeisen aus tierischen Produkten kann aber schädlich sein.

Eisen ist wichtig, keine Frage. Besonders gut können wir es aus tierischen Lebensmitteln aufnehmen. Zu viel von dem sogenannten Hämeisen kann jedoch die Gesundheit schädigen und Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Arteriosklerose begünstigen.

Menschen mit Eisenmangel wird oft geraten, mehr rotes Fleisch, Geflügel und Fisch zu essen. Denn der Mensch kann das dort enthaltene Hämeisen – Eisen aus tierischen Lebensmitteln – viel besser verwerten als Eisen aus Obst und Gemüse. Das liegt daran, dass pflanzliches Eisen meist fest gebunden in seiner sogenannten dreiwertigen Form vorliegt. Der Körper aber kommt mit zweiwertigem Eisen besser klar – dreiwertiges hingegen muss er erst lösen. Unser Darm nimmt Hämeisen etwa zwei bis dreimal besser auf aus dreiwertiges Nicht-Hämeisen.

Doch Hämeisen kann auch schädlich werden, wenn Sie dem Körper zu große Mengen davon zuführen. Denn das Spurenelement kann zusammen mit anderen Faktoren Erkrankungen wie Krebs, Diabetes und Arteriosklerose begünstigen.

Hämeisen: Wichtig, aber nur in Maßen

Ein Eisenmangel macht sich recht schnell bemerkbar: Blutarmut, dauernde Müdigkeit und Erschöpfung, gehäufte Infekte: Rund 20 Prozent der Frauen und 10 Prozent der Männer sind in Deutschland davon betroffen – Frauen öfter aufgrund des Blutverlustes bei der Menstruation.

Eisen ist aber wichtig für unseren Stoffwechsel, denn es ist Teil des Blutfarbstoffs Hämoglobin und dafür zuständig, Sauerstoff zu binden und ihn durch unseren Körper zu transportieren. Eine ausreichende Eisenzufuhr ist auch für Veganer und Vegetarier wichtig, können sie doch nicht auf solches aus Fleisch zurückgreifen, sondern sind auf Eisenquellen wie Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse und diverse Gemüsesorten angewiesen – die aber, wie oben erklärt, nur dreiwertiges Eisen liefern, das der Körper erst oxidieren muss. Statt 20 Prozent (wie bei Hämeisen) kommen davon nur fünf Prozent im Körper an. Der Eisenbedarf liegt aber pro Tag bei 15 Milligram für Frauen und zehn Milligramm für Männer.

Was viele aber nicht wissen: Wer viel Fleisch – vor allem rotes – und Wurstwaren verzehrt, dessen Eisenbedarf ist in der Regel mehr als gedeckt. In den Industrienationen sind die meisten Menschen daher gut mit Eisen versorgt. Eine Überversorgung aber wirkt sich nachteilig auf den Körper aus, wie diverse Studien zeigen.

"Wir gehen davon aus, dass zu viel Hämeisen durch Fleischverzehr negative Folgen für die Gesundheit haben kann", erklärt etwa Matthias Riedl, Vorstandsmitglied des Bundes der Deutschen Ernährungsmediziner (BDEM) und Diabetologe, Ernährungsmediziner, Internist sowie Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor am Medicum in Hamburg gegenüber "Focus".

Die Vorfahren sind "schuld": Körper ist für hohen Fleischkonsum nicht gemacht

Wenn man sich die Diäten vergangener Generationen so ansieht, stellt man schnell fest: Der Fleischkonsum ist vor allem in den vergangenen Jahrzehnten seit Kriegsende gestiegen. Mehr Wohlstand bedeutete lange Zeit mehr Fleisch. Heute ist Fleisch überall, teils sehr günstig, verfügbar. Unsere Ur-Vorfahren haben weit weniger Fleisch konsumiert – sie begannen damit erst, als das Feuer entdeckt und Tiere gejagt wurden. Davor war der Menschenvorfahre reiner Pflanzenfresser, erklärt Riedl. Unser menschlicher Organismus aber sei noch immer nicht auf einen so hohen Fleischkonsum ausgerichtet. Mehr dazu: Rotes oder weißes Fleisch – welches ist gesünder?

Hohe Eisenaufnahme beeinflusst Krebswachstum

Zu viel Eisen kann sich ablagern, da es vom Körper nicht ausgeschieden werden kann. Zwar wird der Eisenspiegel vom Körper kontrolliert – und zwar in Leber und Darm – und wenn es mal ein bisschen zu viel ist, wird die Resorption, also die Aufnahme, gebremst. Aber: "Bei großen Mengen von Hämeisen funktioniert das nicht ausreichend, der Körper nimmt es weiter auf, einfach, weil diese Eisenform extrem gut verwertbar ist", sagt der Ernährungsmediziner.

Ein Überschuss lagert sich dann in der Leber, der Bauchspeicheldrüse und der Milz ab. Laut Riedl kann Hämeisen aber auch über bestimmte chemische Verbindungen Mutationen an Zellen fördern. Diese Verbindungen wirken darüber hinaus zytotoxisch: Sie verändern Zellen und beschädigen sie so. Ist die entsprechende Person bereits an Krebs erkrankt, so würden die Krebszellen laut Riedl von Hämeisen "sozusagen richtig angefüttert". Denn diese sogenannten "malignen Zellen" benötigen viel Eisen, um zu wachsen.

Diabetes und Arteriosklerose: Zwei weitere Risiken

Es gibt aber laut diverser Ernährungsstudien auch einen Zusammenhang zwischen hohem Fleisch- und Wurstkonsum und Diabetes Typ 2 sowie Arteriosklerose. Letztere wiederum kann Bluthochdruck, Schlaganfälle und Herzinfarkte sowie andere Herz-Kreislauf-Krankheiten begünstigen.

Zu viel oder zu wenig ist selten gut

"Wenn sich der Mensch nicht 'artgerecht' ernährt, also zu viel rotes Fleisch und Wurst isst und damit zu viel Hämeisen zu sich nimmt, wird er krank“, erklärt Matthias Riedl. Vergleichen kann man das etwa mit Naturvölkern: Arteriosklerose ist dort gar nicht bekannt – sie essen sehr wenig Fleisch und Wurst landet gar nicht auf dem Speiseplan. Aber sicherlich fließen da noch andere Faktoren mit ein.

Befürchten Sie dennoch einen Eisenmangel, weil Sie sich ständig müde und kraftlos fühlen? Pflanzliches, dreiwertiges Eisen wird im Körper zwar zu zweiwertigem Eisen umgewandelt – aber nicht zu Hämeisen. Eine ausgewogene und eisenreiche pflanzliche oder pflanzenreiche Ernährung kann also nicht schaden. Sie beugt einem Eisenmangel vor, verhindert aber auch einen Überschuss an Hämeisen. Das Gute daran: "Die Eisenverfügbarkeit aus den pflanzlichen Nahrungsmitteln lässt sich durch geschickte Kombination der Zutaten einer Mahlzeit erhöhen", erklärt Matthias Riedl. Vitamin C etwa verbessert die Aufnahme. Eisenreiche Lebensmittel wie Kichererbsen, Linsen, Spinat oder Hirse lassen sich hervorragend mit Paprika verbinden. Und zum Müsli am Morgen passt das Glas Orangensaft wunderbar. Und wenn's eben doch mal Fleisch sein soll: Durch den gleichzeitigen Verzehr von Fleisch und pflanzlichen Lebensmitteln können Sie die Aufnahmerate des pflanzlichen Eisens verdoppeln.

Behandlung und Ernährung bei Anämie
Behandlung und Ernährung bei Anämie

Wie bei fast allem im Leben gilt also: In Maßen sind Fleisch und Wurstwaren durchaus gesund. Verzichten müssen Sie als Fleischesser darauf also nicht. Die Menge macht es einfach. Es lohnt sich sowieso in vielerlei Hinsicht, den Fleischkonsum einzuschränken, auf verarbeitete Produkte wie Wurstwaren eher mal zu verzichten und viel frisches Essen auf den Teller zu bringen. Im besten Fall können Sie so gleichzeitig Eisenmangel und Hämeisen-Überschuss verhindern.

Studien:

Talaei et.al (American Journal of Epidemiology): "Meat, Dietary Heme Iron, and Risk of Type 2 Diabetes Mellitus: The Singapore Chinese Health Study"

J Hooda et.al: Heme, an essential nutrient from dietary proteins, critically impacts diverse physiological and pathological processes. Nutrients 2014, 6(3), 1080-1102

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe