Aktualisiert: 07.05.2020 - 18:44

Dunkelziffer Coronavirus: Warum diese Zahl alle interessiert und was sie bedeutet

Diese Zahl betrifft nicht nur die Auswertungen zur Coronavirus-Pandemie, sondern ist für viele Statistiken relevant: Die Dunkelziffer.

Foto: imago images / blickwinkel

Diese Zahl betrifft nicht nur die Auswertungen zur Coronavirus-Pandemie, sondern ist für viele Statistiken relevant: Die Dunkelziffer.

Diese Zahl betrifft nicht nur die Auswertungen zur Coronavirus-Pandemie, sondern ist für viele Statistiken relevant: Die Dunkelziffer. Was sie im Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Krise bedeutet und welche Schlüsse man eventuell aus ihr ziehen kann, erfahren Sie hier.

Je länger die Coronavirus-Pandemie andauert, desto mehr Studien gibt es von Medizinern und Wissenschaftlern, die Tag für Tag versuchen, das Virus und sein Wirken noch besser zu verstehen. Je mehr Erkenntnisse gewonnen werden, desto eher ist ein effektives Handeln gegen das Coronavirus möglich. Eine Zahl, die bei allem rund um's Coronavirus eine wichtige Rolle spielt, ist die Dunkelziffer.

Was versteht man unter der Dunkelziffer?

Die Dunkelziffer ist nicht nur bei Auswertungen rund um das Coronavirus zu finden. Auch bei anderen Statistiken, wie etwa zur häuslichen Gewalt oder bezüglich der Belästigung am Arbeitsplatz, gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Dunkelziffer umfasst Menschen, die zwar von der Problematik betroffen sind, sich aber bei keiner Behörde gemeldet haben und somit auch nicht in den erfassten Zahlen auftauchen können.

Wie ist die Dunkelziffer also in Bezug auf die Coronavirus-Pandemie zu verstehen? Hier umfasst die Dunkelziffer die Menschen, die bereits an Covid-19 erkrankten, aber nicht in den Zahlen vorkommen, die für die Auswertung in einer Statistik sorgen. Auch in diesem Fall gibt es einen nachvollziehbaren Grund. Die Ärzte sind dafür zuständig, positiv getestete Patienten zu melden. Die zuständigen Landesämter leiten die Zahlen dann etwa an das Robert-Koch-Institut weiter. Die Zahlen, die das RKI dann bekannt gibt, sind also die gemeldeten Fälle, nicht die tatsächlich mit dem Coronavirus Infizierten.

Remdesivir, Chloroquin, Plasma: Was hilft gegen Coronavirus
Remdesivir, Chloroquin, Plasma: Was hilft gegen Coronavirus

Warum werden Fälle nicht gemeldet?

Manche Infizierte haben einen sehr milden Krankheitsverlauf. Sie weisen zwar Erkältungs- oder Grippeerscheinungen auf, sind aber vielleicht gar nicht davon ausgegangen, tatsächlich an Covid-19 erkrankt zu sein. Eine weitere Problematik, die die Feststellung der tatsächlich Infizierten betrifft, sind die Regularien, wer überhaupt getestet werden kann. Gerade zu Beginn der Coronavirus-Pandemie gab es in Deutschlang strenge Kriterien, wer auf eine solche Erktrankung hin zu testen sei. Erfüllte man diese nicht, gab es auch keinen Test auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus.

Teil der Dunkelziffer sind auch die Menschen, die sich zwar mit dem Virus infizierten, aber gar keine Symptome entwickelt haben. Wenn man sich nicht krank fühlt, dann geht man logischerweise auch nicht zum Arzt für eine mögliche Behandlung. Häufig zeigten Kinder, trotz einer Infektion mit dem Coronavirus, keine Symptome.

Warum ist die Dunkelziffer für die Beurteilung der Coronavirus-Pandemie so wichtig?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen muss man, um richtig einschätzen zu können, wie gefährlich der Virus wirklich ist und ob eine Erkrankung mit dem Coronavirus überdurchschnittlich oft einen tödlichen Verlauf nimmt, wissen, wie viele Menschen denn insgesamt erkrankt sind.

Mediziner und Wissenschaftler gehen davon aus, dass man nach einer Infektion mit dem Coronavirus zunächst immun gegen eine zeitlich nahe weitere Infektion mit dem Virus sein könnte. Für weitere Entscheidungen und Erkenntnisse ist dieses Wissen relevant.

Studien zur Dunkelziffer in Deutschland

An verschiedenen Instituten wird derzeit versucht, sich durch Studien der Dunkelziffer anzunähern. Die bekannteste und nicht unumstrittene Studie ist wohl die Heinsberg-Studie. Als Zwischenergebnisse der Studie präsentiert wurden, sorgte dies für ein ordentliches Diskussionspotenzial. Auch Kritik wurde aufgrund der Art der Präsentation sowie der Methodik laut.

Die Studie, die sich mit dem Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen befasste, liefert nun die kompletten Ergebnisse ihrer Forschungen. Das Team rund um den Virologen Hendrik Streeck vom Universitätsklinikum Bonn kommt demnach zu dem Schluss, dass rund 15 Prozent der getesteten Personen positiv und somit entweder in der Vergangenheit oder aktuell mit dem Coronavirus infiziert waren. Diese Zahl übersteigt die von offizieller Seite kommunizierte um das Fünffache. Zudem konnten sie feststellen, dass in ihrem Untersuchungsgebiet jeder fünfte Krankheitsverlauf ohne Symptome vonstatten ging.

Da der schon früh von dem Coronavirus gebeutelte Landkreis allerdings sehr klein sei und sich die Ausbreitung des Virus auf die eine bekannte Karnevalssitzung beschränke, könne man diese Ergebnisse allerdings nicht auf ganz Deutschland übertragen.

Herdenimmunität?

Der Begriff der Herdenimmunität fällt in Verbindung mit dem Coronavirus immer häufiger. Die Theorie, die dahinter steckt, ist die folgende: Je mehr Menschen sich bereits angesteckt haben, desto mehr sind gegen das Virus immun und es könnte sich dann entsprechend nicht mehr so schnell ausbreiten. In Deutschland wurden die Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen eben auch deshalb verhängt, damit eine zu große Ansteckungswelle nicht die Kliniken überrollt und das Gesundheitssystem überlastet. Die dramatischen Auswirkungen einer solchen Entwicklung waren beispielsweise in Italien zu beobachten.

Allerdings: Eine relevante Herdenimmunität gibt es erst dann, wenn sich wirklich schon ein Großteil der Bevölkerung infiziert hat und aufgrund der Erkrankung gegen das Coronavirus immun geworden ist. Problematisch ist aktuell an der Bestrebung nach einer Herdenimmunität eben, dass eine Immunität gegen das Virus noch nicht zu 100 Prozent erwiesen ist. Zudem ist die Dunkelziffer der Menschen in Deutschland nicht bekannt, die sich tatsächlich schon mit dem Virus infiziert haben und wieder genesen sind.

Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim gibt zu bedenken: "Es gibt kein Szenario, bei dem wir eine Herdenimmunität von 60 bis 70 Prozent erreichen könnten, ohne dass dabei unvorstellbare Schäden entstehen. Entweder würden wir die Kapazitäten unseres Gesundheitssystems sprengen, dabei würden erschreckend viele Menschen sterben, oder wir würden diese Herdenimmunität unterhalb der Kapazität unseres Gesundheitssystems verfolgen."

Auf unserer Themenseite zum Coronavirus finden Sie weitere interessante Artikel, um auf dem Laufenden zu bleiben. Wie etwa: Hier gibt's jetzt Masken aus Automaten.

Sind Viren Lebewesen?
Sind Viren Lebewesen?
Gesundheit

Gesundheit

Alles rund um das Thema Gesundheit und Ernährung

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe