Aktualisiert: 08.05.2020 - 10:12

Viren halten sich nicht an Vorgaben Coronavirus: Warum ist Abstand halten eigentlich so wichtig?

Eigentlich mindestens zwei Meter Abstand: So sieht es die Bundesregierung vor. Aber reicht das, um das Coronavirus fernzuhalten? Nun ja, ein Virus hält sich leider nicht an Vorgaben...

Foto: iStock/kzenon

Eigentlich mindestens zwei Meter Abstand: So sieht es die Bundesregierung vor. Aber reicht das, um das Coronavirus fernzuhalten? Nun ja, ein Virus hält sich leider nicht an Vorgaben...

Das Coronavirus überträgt sich hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion. Eines der zurzeit geltenden Gebote ist daher: Mindestabstand halten! Aber wieso genau? Und reicht der überhaupt? Nun ja, vermutlich nicht. Zumindest nicht jedem.

Abstand halten zum Schutz vor dem Coronavirus ist das Credo – und wichtig. Denn Sars-CoV-2 überträgt sich vor allem durch Tröpfchen und möglicherweise sogar über die Atemluft. Doch die Kritik ist da: "Nach 1,5 Metern hat das Virus dann keine Lust mehr, oder was?" Diese Stimmen hört man oft. Und klar, so einfach ist das natürlich nicht.

Die Vorgabe von 1,5 bzw. 2 Metern Abstand zu anderen rührt daher, dass für ein erfolgreiches Umsetzen von Maßnahmen Zahlen her müssen. Die Bundesregierung musste einen festen Bereich wählen, damit wir alle einen Anhaltspunkt haben. Übrigens hat die Bundesregierung die Regelung auf zwei Meter angepasst: Das seien "ungefähr zwei große Schritte".

Coronavirus und Abstand halten: Gar nicht so einfach

Das mit dem Abstand ist aber so eine Sache. Nicht jeder hält sich dran, etwa, weil wir es einfach nicht gewohnt sind. So mancher versteht die Hintergründe aber auch nicht. Und dazu kommt ein weiteres Problem: Seitdem vielerorts – nämlich in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Einkaufsläden – Maskenpflicht herrscht, wird wieder vermehrt auf Abstand gepfiffen. Dabei schützen Masken nicht den Träger. Sie KÖNNEN andere schützen, jedoch geht diese Schutzwirkung bei zu wenig Abstand genauso flöten.

Der Mindestabstand reicht nicht unbedingt

Doch an den Auswirkungen und Verbreitungswegen des Coronavirus wird immer weiter geforscht. Und neuere Erkenntnisse zeigen: Ein Abstand von zwei Metern reicht auch nicht immer. Das liegt am Verhalten von Tröpfchen in der Luft. Und genau da setzen die Masken wieder an – wenn sie richtig getragen werden. Aber dazu später mehr.

Eine Ansteckung mit dem Coronavirus passiert, wie bei vielen anderen Erregern von Atemwegserkrankungen auch, indem Tröpfchen mit Viren von erkrankten Menschen auf Schleimhäute (Mund, Rachen, Nase, Augen) von gesunden Menschen treffen. Dort können sie sich ausbreiten und das Immunsystem reagiert. Bei Sars-CoV-2 hat es unser Immunsystem aber schwer, denn es kennt den Erreger noch nicht.

Jetzt kommt es aber bei alldem auch darauf an, wie viele Viren auf die Schleimhäute der gesunden Person gelangen.

  • Starkes Husten setzt enorm viel virenhaltige Flüssigkeit frei. Experten gehen laut "New York Times" davon aus, dass sich beim starken Husten zusammengenommen rund ein Viertel Teelöffel Flüssigkeit im Raum verteilt.
  • Niesen schießt ebenfalls viel Flüssigkeit mit hoher Geschwindigkeit aus dem Körper heraus.
  • Auch beim Sprechen und Atmen können sich Viren in der Luft in feinen Tröpfchen um den Erkrankten herum verteilen. Darauf baut dann auch die Abstandsregel auf.

So weit fliegen Tröpfchen und Aerosole!

Beim Husten, Niesen und Sprechen können die Tröpfchen unterschiedlich groß sein. Große Tröpfchen fallen recht schnell zu Boden. Aber es können sich auch kleine Tröpfchen bilden, so klein, dass man von Aerosolen spricht. Und die sind so leicht, dass sie sich eine ganze Zeit in der Luft halten können. Und sie können sich weiter verteilen als zwei Meter – nämlich bis zu knapp 5 Meter. Und wer gerade heraus niest, dessen Tröpfchen fliegen direkt bis zu 8 Meter weit. Masken, die dies aufhalten, sind daher tatsächlich eine gute Idee. Sie halten zwar auch nicht alles ab, wie Maskenkritiker regelmäßig anmerken. Aber sie schränken immerhin diese enorm lange Strecke ein.

Dennoch: Feine Aerosole können bleiben. Wie lange, wissen wir nicht. Aber: Je weiter weg man also von der erkrankten Person ist, desto verteilter sind auch die möglicherweise ausgeschiedenen Viren – und dann sicherlich auch weniger ansteckend. Denn es kommt immer auch auf die Konzentration, die Menge an Virus an, der man ausgesetzt ist und mit der man sich letztendlich ansteckt. Aber: So genau wissen wir das noch nicht beim Coronavirus: Wie lange bleibt ein solches Aerosol wirklich in der Luft und wie hoch muss diese Viruslast, die Konzentration sein, damit sich ein anderer anstecken kann?

Radfahrer ziehen ganz schön was hinter sich her

Das lässt den Blick auch auf Freizeit- und vor allem Sportbeschäftigungen im Freien fallen. Genau das untersuchen gerade belgische und niederländische Forscher. Sie betonen zwar, dass sie keinerlei Aussage zur Infektionswahrscheinlichkeit machen wollen bzw. können. Die Studie bezieht sich lediglich auf die Flugbahnen von Tröpfchen, die potentiell Virus mit sich tragen. Das erklärt einer der Forscher gegenüber "Deutschlandfunk": "Wenn Sie im Freien joggen und dabei Tröpfchen ausatmen, dann sind diese so leicht, dass sie sich nicht mit Ihnen mitbewegen. Sie bleiben in der Luftwolke hinter Ihnen zurück und benötigen einige Zeit, bis sie zu Boden fallen", so Bert Blocken, Aerodynamik-Experte.

Demnach könne der Windschatten von Fahrradfahrern sogar 20 bis 25 Meter lang sein. Gerade etwa zwei Meter hinter dem Fahrer ist die Tröpfchenkonzentration hoch, sagt Blocken: "Wenn die Regierung also vorgibt, man solle einen Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten, dann bedeutet das logischerweise, dass der Sicherheitsabstand in Bewegung (…) größer sein muss, um den gleichen Effekt zu haben wie bei stehenden Personen mit zwei Metern Abstand." Die Konzentration verringere sich ab etwa zehn Metern. Vor allem, weil größere Tröpfchen dann bereits zu Boden gefallen sind.

Mehr atmen = mehr feuchte Luft

Logisch ist, dass die Konzentration gerade bei Sportlern höher ist als normal, da sie durch die Anstrengung schwerer und schneller atmen – und auch mal husten.

Zwar kommen sicherlich noch Umweltfaktoren hinzu, etwa Wind, der Aerosole wegträgt, und über das Ansteckungspotential und die nötige Viruskonzentration ist noch nicht viel bekannt. Wer gerade als Jogger oder Sport-Fahrradfahrer auf Nummer sicher gehen und andere vor potentiell ansteckenden Tröpfchen schützen möchte, sollte sich möglichst menschenleere Gegenden suchen. Und wer Joggern und Fahrradfahrern begegnet: Ruhig etwas weiter ausweichen.

Übrigens: Maske beim Sport ist eher ungünstig – und auch relativ sinnlos, weil sie bei heftigem Atmen noch schneller durchweicht.

Geschlossene Räume? Lüften!

In schlecht belüfteten Räumen ist die Lage nochmal eine ganz andere. Das erklärt etwa ein Experte der Washington University in St. Louis, USA, gegenüber der "New York Times": "Wenn in einem schlecht belüfteten Raum eine infizierte Person fünf Minuten lang spricht, werden dabei so viele virale Tröpfchen ausgestoßen wie bei einem infektiösen Husten." Je mehr Personen sich in einem Raum befinden, die potentiell infektiös sind, ohne es zu merken – da sie keine Symptome verspüren –, desto höher ist die Viruslast und desto höher die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus. Also: Vor allem in geschlossenen Räumen Abstand halten, beim Sprechen in kleinen Räumen möglichst Mundschutz tragen und vor allem aber: regelmäßig oder am besten durchgängig lüften! In den warmen Jahreszeiten sollte das ja kein großes Problem sein. Ansonsten gilt: wenn möglich, schlecht gelüftete Räume meiden! Das wird im Zuge der Lockerungen nochmal herausfordernd: Corona-Krise: Diese Maßnahmen gelten bei Ihren Friseuren, Optikern & Co.

Sie sehen, so einfach ist das alles gar nicht. Das Blöde daran ist, dass wir dieses Virus auch nicht sehen können. Klar, man sieht, wenn eine Person krank ist – aber bei Covid-19 ist genau das das Problem: Infizierte können schon vor ersten Symptomen ansteckend sein, manchmal merken sie kaum was bis gar nichts von ihrer Infektion. Und trotzdem können sie andere mit dem Coronavirus infizieren – weil die Viren sich weit oben in den oberen Luftwegen ansiedeln und schon beim Ausatmen in die Welt getragen werden können. Daher ist Hygiene zurzeit äußerst wichtig. Und so schützen Sie sich vor dem Coronavirus! Wenn Sie mehr wissen wollen: Coronavirus: Ansteckung vermeiden? Hier ist die Gefahr groß!

Wer der englischen Sprache mächtig ist, kann sich hier eine anschauliche animierte Grafik der New York Times anschauen, die zeigt, warum Abstand halten so wichtig ist. Und hier finden Sie die Studie zur Verbreitung des Coronavirus beim Gehen und Laufen von Blocken und Co.

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