29.04.2020 - 20:55

Sie kann auch zur Gefahr werden Maskenpflicht: Richtiger Umgang mit der Mund- und Nasenmaske

So trage ich den Mundschutz richtig

So trage ich den Mundschutz richtig

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Es herrscht vielerorts Maskenpflicht. Doch die richtige Handhabung einer Mund-Nasen-Bedeckung ist den meisten von uns nicht geläufig. Warum das gefährlich werden kann und worauf Sie achten müssen!

Ob in Bus und Bahn oder beim Einkaufen: Menschen ohne Gesichtsmaske sind dieser Tage nur noch selten anzutreffen. Grund ist die vielerorts nun geltende Maskenpflicht im Zuge der Coronavirus-Eindämmung. Doch diese gesetzliche Verpflichtung stößt vielerorts auf Kritik – auch seitens Experten. Der Grund ist banal, schaut man sich in der Bevölkerung um: Die meisten von uns wissen gar nicht, wie eine solche Maske – egal ob Behelfsmaske oder Mundschutz – richtig getragen und gehandhabt wird. Der richtige Umgang mit der Mund- und Nasenmaske bzw. Mund-Nasen-Bedeckung (kurz MNB) muss erst einmal gelernt werden. Denn hier können Sie ganz leicht Fehler beim Maskentragen machen, die sogar richtig gefährlich werden können.

Mund- und Nasenmaske richtig tragen: So schützen Sie andere – aber auch sich selbst

Warum eine Maskenpflicht besteht? In erster Linie, um andere zu schützen. Denn den Träger schützen nachweislich nur professionelle FFP2- und FFP3-Masken, wie sie meist im Arbeitsbereich verwendet werden, um vor gesundheitsschädlichen Stoffen in der Luft zu schützen. Die sind jedoch rar – und im Falle von Masken mit Ventil schützen sie, das wissen die Wenigsten, vor allem aufgrund dieser eingebauten Ventile sich selbst, nicht die Mitmenschen!

Eine Mund-Nasen-Bedeckung, also wiederverwendbarer Behelfsschutz aus Baumwolle oder sogar ein Schal sowie die klassischen chirurgischen Mund-Nasen-Schutzmasken, wie sie von medizinischem Personal getragen werden, schützt dagegen zwar nicht den Träger, dafür aber das Umfeld – zumindest in gewissem Maße. Leider eben aber auch nicht komplett – weshalb Abstand halten trotz Maske weiterhin die wichtigste Schutzmaßnahme bleibt!

Das Problem ist außerdem, dass hierzulande kaum jemand weiß, wie eine Mund- und Nasenmaske – egal welcher Art – überhaupt handzuhaben ist. Dazu gehören das richtige An- und auch Ablegen, das Anfassen sowie bei wiederverwendbaren Masken die richtige Reinigung.

So tragen Sie Ihre Mund- und Nasenmaske richtig

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt auf "infektionsschutz.de" viele hilfreiche Infos sowie Verhaltensregeln zum Umgang mit Mund-Nasen-Bedeckungen. Dort wird sogleich darauf hingewiesen: "Das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen kann neben anderen Maßnahmen nach aktuellem Wissensstand helfen, die Verbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 weiter einzudämmen – auch wenn keine Krankheitszeichen vorliegen."

Für den privaten Gebrauch, wenn man sich in öffentlichen Bereichen aufhält und die Abstandsregeln nicht immer hundertprozentig einhalten kann, sind Mund-Nasen-Bedeckungen, auch aus fester Baumwolle, geeignet, um andere zumindest mehr zu schützen. Denn Tröpfchen können durch die Barriere zumindest gebremst werden.

Und so gehen Sie vor:

  • Waschen Sie sich vor dem Anlegen einer Mund-Nasen-Bedeckung gründlich die Hände (mindestens 20 bis 30 Sekunden mit Seife).
  • Achten Sie beim Aufsetzen darauf, dass Nase und Mund bis zum Kinn abgedeckt sind und die Mund-Nasen-Bedeckung an den Rändern möglichst eng anliegt. (Hinweis: Bartträger sollten darauf achten, dass die Maske trotz Gesichtsbehaarung gut mit der Haut abschließt.
  • Wechseln Sie die Mund-Nasen-Bedeckung spätestens dann, wenn sie durch die Atemluft durchfeuchtet ist. Denn dann können sich zusätzliche Keime ansiedeln.
  • Vermeiden Sie, während des Tragens die Mund-Nasen-Bedeckung anzufassen und zu verschieben. Schieben Sie die Maske NICHT zwischendurch herunter und setzen sie dann wieder auf!
  • Berühren Sie beim Abnehmen der Mund-Nasen-Bedeckung möglichst nicht die Außenseiten, da sich hier Erreger befinden können. Greifen Sie die seitlichen Laschen oder Schnüre und legen Sie die Mund-Nasen-Bedeckung vorsichtig ab.
  • Waschen Sie sich nach dem Abnehmen der Mund-Nasen-Bedeckung gründlich die Hände (mindestens 20 bis 30 Sekunden mit Seife).
  • Nach der Verwendung sollte die Mund-Nasen-Bedeckung bis zum Waschen luftdicht (z. B. in einem separaten Beutel) aufbewahrt oder am besten sofort bei 60 bis 95 °C gewaschen werden.

(Quellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, RKI, Redaktion)

  • WICHTIG: Medizinische Produkte sollten vorrangig dem medizinischen Personal oder den Menschen, die mit Kundenkontakt arbeiten müssen, überlassen werden, solange es sie nicht in ausreichender Menge für die gesamte Bevölkerung gibt.
  • Doch auch bei diesen gelten die oben genannten Punkte: vor dem Anlegen und nach dem Ablegen Hände waschen, auf richtigen, schließenden Sitz achten, nach Durchfeuchtung austauschen, nicht verschieben, nur an den Laschen anfassen, nach Gebrauch am besten luftdicht verschließen und entsorgen – so, dass Sie und andere damit nicht in Berührung kommen!

Wo und wann trage ich die Maske?

Ganz wichtig auch: Maskenpflicht besteht im öffentlichen Raum und in Innenräumen, in denen der Mindestabstand nicht hundertprozentig eingehalten werden kann. Das gilt mittlerweile in allen Bundesländern im öffentlichen Nahverkehr sowie in Geschäften.

Sollten Sie mehrere Geschäfte besuchen, behalten Sie die Maske auf, bis Sie wieder zu Hause sind und sich die Hände waschen können. Schieben Sie die Maske bitte nicht hoch und runter. Das gilt übrigens auch fürs Rauchen zwischendurch! Auf den Glimmstängel sollten Sie zu Ihrem eigenen Schutz sowieso jetzt besser verzichten.

Ist die Maske durchfeuchtet, tauschen Sie sie gegen eine andere aus.

Wichtig! Sind Sie allerdings draußen an der frischen Luft und können den Mindestabstand einhalten, müssen Sie keine Maske tragen. Gerade beim Joggen verschlechtert die Maske das Atmen und weicht zudem viel schneller durch. Dadurch wird die Maske a) nutzlos und b) laufen Sie selbst Gefahr, dass sich dort Keime ansiedeln, die Sie dann einatmen.

Dazu sagt auch Edwin Bölke, Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Düsseldorf gegenüber dem "Deutschen Ärzteblatt": "Coronaviren können durch Aerosole – schon über einfaches Sprechen – verbreitet werden und der Schutz beim Einkaufen und bei der Fahrt in öffentlichen Verkehrsmittel durch Masken ist berechtigt. Aber beim Spaziergehen im Wald mit wenig Menschen oder beim Sport ist das Tragen einer Maske eher gesundheitsschädlich als schützend."

Kritik an Maskenpflicht von hoher Seite

Dass der richtige und gesunde Umgang mit der Mund- und Nasenmaske kaum bekannt ist, kritisiert unter anderem auch Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Er moniert zwar vor allem, dass die Politik es nicht geschafft hat, vor Einführung einer Maskenpflicht für wirklich hilfreiche Masken in hoher Anzahl zu sorgen und die Bürger stattdessen auf "unsachgemäße Masken" zurückgreifen sollen. Das Problem an Letzterem sei aber vor allem der falsche Umgang damit und die so steigende Gefahr, sich selbst zu kontaminieren. Er beschreibt das korrekte Anlegen einer Maske als "extrem kompliziert". Dabei bestehe etwa die Gefahr, zu oft mit kontaminierten Fingern ins Gesicht zu fassen. Zudem würden sich die Leute so schnell zu sicher fühlen und die wichtigeren Regeln – so oft wie möglich zu Hause bleiben und den Mindestabstand wahren – missachten.

Außerdem, und das betrifft vor allem waschbare Masken und Schals, geht Montgomery davon aus, dass sicher nicht jeder zweimal täglich seine Masken und Schals wasche. Das Waschen und Desinfizieren von wiederverwendbaren Masken aber ist Pflicht, wenn Sie auch sich selbst vor Kontamination – auch mit anderen Keimen! – schützen wollen!

RKI-Chef Wieler plädiert an Bevölkerung: Nicht in falscher Sicherheit wiegen!

Das "Deutsche Ärzteblatt" hatte beim Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, nachgefragt – und der betont ebenfalls: Das Tragen einer Maske dürfe nicht dazu führen, dass man sich in falscher Sicherheit wiege – und die Abstands- und Hygieneregeln mit Maske deshalb nicht mehr zählen. Mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen, egal wo, und besser mehr, sind noch immer der allerbeste Schutz, ebenso wie die Hust- und Niesetikette (in die Ellenbeuge oder in ein danach sofort zu entsorgendes Einwegtaschentuch niesen oder husten) sowie gründliches Händewaschen.

Warum man sich für die Empfehlung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung entschieden habe, seien neue Erkenntnisse zur Erkrankung: "Ein Teil der Infizierten scheidet das Virus schon aus, bevor sie Symptome zei­gen." Würden diese Menschen – also potentiell jeder – nun eine Bedeckung von Mund und Nase tragen, reduziere sich zumindest die Chance, dass das Virus auf andere Menschen gelange, "durch die physikalische Barriere, auch wenn es kein per­fek­ter Schutz ist, speziell für die Träger selbst, aber es schützt in einem gewissen Maße Dritte, weil die Tröpfchen damit nicht so weit fliegen".

Auch Wieler betonte aber noch einmal, dass es entscheidend sei, die Bedeckung richtig zu tragen und zu reinigen. Der "geringe Mehrwert der Masken" zeige sich nur, wenn die Bevölkerung damit korrekt umgehe und sich darüber bewusst sei, dass man sich damit nicht selbst schütze: "Aber an­dere werden geschützt, und je mehr Menschen im öffentlichen Raum diese MNB richtig tragen, desto größer wird der Schutz für die Allgemeinheit“, schließt Wieler.

Übrigens: Die Bezeichnung "Mundschutz" dürfen nur solche Masken tragen, die klare Kriterien erfüllen. So dürfen nur solche Masken genannt werden, die klar Medizinprodukte sind, klinisch bewertet wurden und eine CE-Kennzeichnung haben. Eine solche Maske, der Mund-Nasen-Schutz, besteht aus sterilem Material, meist aus mehreren Papier- oder Vliesschichten. Der medizinische Mund-Nasen-Schutz unterscheidet sich damit von einfachen Papier- oder Stoffmasken. Die Unterschiede: Stoff, Kaffeefilter und Co: Hilft eine selbstgemachte Maske?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weist außerdem darauf hin: "Träger der beschriebenen "Community-Masken" (Anm. d. Red.: also selbstgemachte Masken) können sich nicht darauf verlassen, dass diese sie oder andere vor einer Übertragung von Sars-CoV-2 schützen, da für diese Masken keine entsprechende Schutzwirkung nachgewiesen wurde."

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Weitere Infos zum Umgang mit Masken finden Sie hier bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie auf der Seite des BfArM. Auch das RKI hat nützliche Informationen zur Verwendung von Masken zusammengestellt.