Aktualisiert: 11.05.2020 - 11:12

Kommt der nächste Lockdown? RKI: Ansteckungsrate steigt weiter – was das bedeutet

Coronavirus-Glossar: Begriffe, die Sie jetzt kennen sollten

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Kürzlich noch hatten wir ein Etappenziel erreicht, die Reproduktionszahl des Coronavirus Sars-CoV-2 war unter 1 gefallen. Doch die Freude war kurz. Sie schwankte, jetzt liegt sie wieder über 1. Statistisch gesehen steckt also ein Infizierter wieder mehr als einen Mitmenschen an. Warum die Lockerungen trotzdem weitergehen.

Es war eines der ersten Ziele, das erreicht werden musste, damit hierzulande nach und nach Lockerungen der Corona-Einschränkungen kommen können: Die sogenannte Reproduktionsrate (R) von Sars-CoV-2 musste unter 1 fallen. Das war vor wenigen Wochen geschehen: Laut Robert-Koch-Institut (RKI) lag R noch vor nicht einmal einem Monat bei etwa 0,7. Jetzt ist die Ansteckungsrate nach ein paar Schwankungen wieder auf über 1 gestiegen. Das heißt: Ein Infizierter steckt statistisch gesehen zurzeit mehr als einen anderen Menschen an.

Schon beim Fall der Zahl unter 1 hielt sich der Jubel allerdings in Grenzen. Denn wie wir nun sehen, kann die Reproduktionszahl schnell wieder steigen. Und auch noch weiter in die Höhe schnellen, wenn wir nicht weiterhin aufpassen und Abstand halten. Dennoch ist der Wert mit Vorsicht zu genießen, wie selbst das RKI betont. In den kommenden Tagen sei aber besondere Wachsamkeit nötig.

RKI: Reproduktionsrate seit zwei Tagen über kritischem Wert

Update vom 11. Mai 2020: Die Ansteckungsrate wird zwar kritisch beäugt, ist aber dennoch enorm wichtig für die Planung des weiteren Vorgehens im Kampf gegen das Coronavirus. Das RKI teilte am Sonntagabend im aktuellen Lagebericht mit, dass die Reproduktionsrate (R) aktuell auf 1,13 eingestuft werde. Am Samstag hatte man sie auf 1,1 geschätzt. Damit liegt sie zwei Tage in Folge schon über dem kritischen Wert von 1. R müsste aber unter 1 bleiben, damit die Epidemie abebben kann.

Statistisch gesehen steckt nun also jeder Infizierte mehr als eine weitere Person an. Bleibt R in diesem Bereich, steigen die Fallzahlen wieder. Der Wert bildet aber nicht die aktuelle Situation ab, sondern bezieht sich auf Infektionen, die eine Zeit zurück liegen. Das RKI spricht von etwa zwei Wochen.

Wie immer, betont das RKI daher, sei die Schätzung mit Unsicherheit verbunden und es könne noch nicht bewertet werden, "ob sich der während der letzten Wochen sinkende Trend der Neuinfektionen weiter fortsetzt oder es zu einem Wiederanstieg der Fallzahlen kommt". Daher müsse der R-Wert über die nächsten Tage streng beobachtet werden. Eine Rate unter 1 sei aber nach wie vor sehr wichtig, hatte RKI-Chef Wieler erneut betont.

In den vergangenen Tagen bis zum Anstieg von R über 1 lag die Zahl der Infizierten-Fälle immer unter 1000. Bei solch verhältnismäßig kleinen Zahlen bringt schon eine kleine Zunahme die Ansteckungsrate wieder zum Anstieg.

Was ist mit den Lockerungen – werden die abgesagt?

Die Reproduktionszahl ist äußerst wichtig fürs Einschätzen, ob die Coronamaßnahmen gelockert werden können oder nicht. Das betont auch Bundeskanzlerin Angela Merkel immer wieder. In dieser Woche soll es weitere Lockerungen geben, unter anderem in der Gastronomie. Und auch sollen die Länder über weitere schrittweise Öffnungen wie den Vorlesungsbetrieb an Hochschulen, Bars, Messen, Kosmetikstudios oder Theater, Konzerthäuser und Kinos entscheiden. Viele fragen sich jetzt, ob diese nun möglicherweise auf der Kippe stehen.

Doch der R-Wert alleine ändert wahrscheinlich nichts an diesen angekündigten Lockerungen. Entscheidend ist eine Art Obergrenze, bei deren Erreichen die Notbremse gezogen werden muss. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt:

So sollen die Länder sicherstellen, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen sofort wieder konsequente Beschränkungen umgesetzt werden. Das gilt allerdings nicht, wenn sich die Infektionen klar eingrenzen lassen – wenn sie etwa innerhalb einer Pflegeeinrichtung stattfinden. Dann könne ein Beschränkungskonzept auch nur auf die betroffene Einrichtung fallen, nicht auf den ganzen Landkreis, erklärte die Kanzerlin vergangenen Mittwoch.

RKI: Reproduktionsrate steigt wieder auf 1: Werden wir zu unvorsichtig?

Update vom 28. April 2020: Da haben wir den Salat: Laut RKI steckt statistisch gesehen jetzt wieder jeder Infizierte einen anderen Menschen an. Damit eine Epidemie aber zum Erliegen kommen kann, muss diese Zahl unter 1 sinken. Ansonsten steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder exponentiell an – wie bei einem Schneeballsystem.

Die Zahl der Neuerkrankungen ist nicht mehr, wie in den letzten Tagen, leicht zurückgegangen. Sowohl das RKI als auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonen immer wieder, dass die Reproduktionszahl unter 1 liegen müsse, um die Epidemie hierzulande eindämmen zu können. Schon kleine Veränderungen dieser Zahl könnten laut Kanzlerin schwere Folgen haben.

Anfang März lag die Zahl noch bei 3, zwischenzeitlich war sie bis vor Kurzem auf 0,7 gesunken, jetzt steigt sie wieder auf 1. Das klingt erst einmal gering. Vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Infektionszahlen. Doch die (Stand 28. April 156.337 Infizierte und davon rund 114.000 wieder Genesene laut RKI) sind nur die gemeldeten Fälle. Die Dunkelziffer liegt vermutlich, so schätzen die Experten des RKI, wie auch in anderen Ländern höher – vor allem, da ein Infizierter schon vor Auftreten der ersten Symptome ansteckend sein kann.

Die Auswirkungen etwa von Lockerungen – ob wir vielleicht zu früh gehandelt haben – zeigen sich immer erst rund zwei Wochen später, da die Inkubationszeit des Coronavirus so lang sein kann. Erste Probleme gab es etwa aber schon in NRW: Nach den ersten vorsichtigen Schulöffnungen mussten einige Schulen schon wieder schließen – aufgrund von Infektionsverdacht. Lockerungen der Einschränkungen sind wichtig – doch wir müssen weiter vorsichtig sein. Und auch trotz Atemmaske darauf achten, weiterhin möglichst viel Abstand zu anderen einzuhalten!

So berichtete BILD der FRAU zuvor:

Reproduktionsrate bei 0,7: Was das bedeutet

Original vom 17. April 2020: Laut täglichem Lagerbericht des RKI am Donnerstagabend (16. April 2020) liege R deutschlandweit etwa zwischen 0,5 und 0,8. In den vergangenen Tagen lag der Wert noch etwa bei eins oder leicht darüber, erst am Mittwoch sei er mit 0,9 erstmals darunter gefallen.

Dies war auch das Ziel, das RKI-Chef Lothar Wieler immer wieder betont hatte: Der Wert müsse unter 1 fallen – und auch dort bleiben. Diese Marke, so hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Pressekonferenz am 15. April betont, sei in Hinblick auf die Lockerungen der Auflangen ein wichtiges Kriterium.

Laut RKI liegen die Fallzahlen in Deutschland derzeit (Stand 17. April 2020) bei 133.830. Das macht ein Plus von 3.380 Fällen zum Vortag. Die amerikanische Johns-Hopkins-Universität (JHU) meldet derzeit 137.698 Fälle für Deutschland (Stand 17. April 06:30). Die Unterschiede in den Fallzahlen des RKI und der JHU über ihren Corona-Tracker ergeben sich aus anderen Zählweisen: Das RKI berücksichtigt nur die elektronisch übermittelten Zahlen aus den Bundesländern und aktualisiert einmal täglich.

Reproduktionszahl ist nur eine Schätzung

Das RKI betont im täglichen Bericht: "Die Reproduktionszahl R ist die Anzahl der Personen, die im Durchschnitt von einem Fall angesteckt werden. Diese lässt sich nicht aus den Meldedaten ablesen, sondern nur durch statistische Verfahren [...] schätzen." Seit dem 4. April werde ein Rückgang der Neuerkrankungen sichtbar.

Weitere Vorsichtsmaßnahmen notwendig: Behutsame Lockerungen für die Wirtschaft

Die Reproduktionszahl ist keine stabile Zahl. Wackelig bleibt dieser Wert vor allem, da die Symptome von Covid-19 oft erst spät oder gar nicht auftreten, man aber durchaus vorher schon ansteckend sein kann. Wie viele Menschen ein mit Sars-CoV-2 Infizierter im Schnitt anstecken könnte, gäbe es keine Maßnahmen zur Einschränkung der Pandemie, darüber lässt sich bisher noch keine genaue Auskunft geben. Forscher arbeiten daran, das herauszufinden. Man schätzt den Wert auf 2 bis 4. Würden jetzt also wieder alle ganz normal wie vorher weiterleben, die Grenzen geöffnet etc, würde die Fallzahl wieder in die Höhe schnellen.

Es ist daher wichtig, die Corona-Auflagen erst nach und nach zu lockern und dabei die Reproduktionszahl genau im Auge zu behalten. Steigt sie wieder über 1, müssen Lockerungen eventuell auch rückgängig gemacht werden. All dies so lange, bis letztendlich feststeht: Ja, wir haben die Virusausbreitung unter Kontrolle, und das Gesundheitssystem kann nicht mehr zusammenbrechen. Dazu werden aber höchstwahrscheinlich ein Impfstoff oder eine ausreichende Herdenimmunität benötigt – und wie lange das dauert, ist bislang unklar.

Dass das Leben in Deutschland dennoch schon aus wirtschaftlicher Lage wieder hochgefahren werden muss, ist klar. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier deutet weitere behutsame Lockerungen an: "Das, was wir verantworten können, werden wir auch tun", erklärte der CDU-Politiker gegenüber der ARD. Man müsse allerdings schrittweise vorgehen, denn es wäre katastrophal, sollten Lockerungen später wieder zurückgenommen werden müssen, weil die Infektionszahlen erneut sehr stark stiegen.

Coronavirus: Diese Begriffe sollten Sie kennen

Mehr zum Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite. Den RKI-Tagesbericht zum Coronavirus-Stand vom 16. April 2020 finden Sie hier. Und hier sammelt das RKI alle Lage- und Situationsberichte.

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