Aktualisiert: 12.04.2020 - 18:16

Auf die Dosis kommt es an Fluorid in Zahnpasta: Giftig oder wichtig für die Zähne?

Tipps für die Zahngesundheit

Tipps für die Zahngesundheit

Das A und O: Mundhygiene und Vorbeugung. Neben regelmäßigen Zahnarztbesuchen (zweimal im Jahr) ist eine gründliche Mundhygiene der beste Schutz vor Karies.

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Die Geister scheiden sich: Manche Menschen putzen sich einfach mit der erstbesten Zahnpasta die Zähne, andere arbeiten da doch lieber fluoridfrei. Was aber genau macht Fluorid? Brauchen wir es für kräftige Beißer? Und wann ist es gefährlich?

Zweimal täglich Zähneputzen – das ist das Mindestmaß, das uns gesunde Zähne verspricht. Dabei geht es beim Beißerschrubben nicht nur darum, Plaques bzw. Essensreste zu entfernen, sondern auch darum, die Zähne zu kräftigen und den Zahnschmelz wieder zu mineralisieren. Und dabei kommt es auf die richtige Dosis Fluorid in Zahnpasta an. Das erklärt auch die Initiative proDente e.V.

Fluorid in Zahnpasta: Darum ist der Stoff so wichtig

Das Problem ist nämlich: Auf unseren Zähnen sitzen Plaquebakterien, die den Zucker aus der von uns aufgenommenen Nahrung zu Säuren abbauen. Und die wiederum können, sofern sie nicht direkt neutralisiert werden (was uns im Alltag kaum möglich ist), dem Zahnschmelz Mineralstoffe entziehen. Langfristig leidet darunter die Zahnhartsubstanz. Und das wiederum führt irgendwann zu Karies.

Dagegen hilft ein Stoff, der bei manchen Menschen stark in der Kritik steht. Prof. Dr. Stefan Zimmer, Leiter der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke hält da allerdings gegen: "Der mit Abstand wichtigste Inhaltsstoff in Zahnpasta ist Fluorid. Er hilft dabei, Mineralstoffe aus dem Speichel in den Zahnschmelz einzulagern und härtet die Oberfläche des Zahns", erklärt der Zahnmediziner. "Fluorid ist daher für die Kariesprävention unverzichtbar."

Das untermalt die Forschung mit Studien, die belegen, dass Fluoride aus der Zahnpasta das Risiko für Karies um rund 40 Prozent senken können, sofern regelmäßig, also zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta die Zähne geputzt werden.

Die Dosis macht's

Dabei kommt es aber durchaus auf die richtige Dosis an – und die ist vor allem bei Kindern wichtig. Denn gerade bei Kindern bietet ein Zuwenig keinen ausreichenden Schutz, ein Zuviel kann aber weiße Flecken im Zahnschmelz verursachen.

Für Erwachsene reicht es, wenn die Zähne mit einer Zahnpasta mit Fluoridgehalt von 1.000-1.500 ppm zweimal täglich jeweils drei Minuten lang geputzt werden. Den Fluoridgehalt lesen Sie auf der Zahnpasta-Verpackung.

Für Kinder gilt: Hat das Kind die ersten Milchzähne, sollten die Eltern ihnen morgens und abends die Zähne putzen, bis sie es selbst können – ohne die Zahnpasta herunterzuschlucken. In den ersten zwei Lebensjahren reicht eine erbsengroße Menge einer Zahnpasta für Kinder. Diese hat in der Regel rund 500 ppm Fluorid. Wer dem Kind die Zähne mit normaler "Erwachsenenzahnpasta" mit 1.000 ppm Fluorid putzt, sollte die Menge auf Reiskorngröße reduzieren. Ab dem zweiten Geburtstag reicht dann eine erbsengroße Menge einer 1.000-ppm-starken Kinderzahnpasta. Ab sechs Jahren bzw. ab den ersten bleibenden Zähnen können dann auch Kinder ruhig auf "normale" Zahnpasta umschwenken, anfangs eher in erbsengroßer Menge. Wichtig ist auch, bei kleinen Kindern darauf zu achten, dass sie die Zahnpasta nicht schlucken. Fluoridtabletten sind bei Kindern nicht zwingend nötig und die Gabe sollte mit dem Arzt abgesprochen werden.

Auch für Erwachsene reicht diese Menge dann übrigens aus. Und übrigens: Lokal wirkendes Fluorid wirkt Studien zufolge besser zur Kariesprophylaxe als Fluoridtabletten.

Kritik an Fluorid gerechtfertigt?

Fluoride stehen aber auch in der Kritik, gesundheitsgefährdend zu sein – entsprechend gibt es auch einen nicht zu unterschätzenden Absatz fluoridfreier Zahnpasta auf dem Markt. Doch ist dies gerechtfertigt? Schließlich sind Fluoride wichtige Spurenelemente und darüber hinaus natürlicher Bestandteil von Zähnen und Knochen.

Insgesamt 300.000 Studien gibt es rund um das Thema "gesundheitsgefährdende Fluoride", die laut proDente zeigen: Bisher gibt es keinen Hinweis auf eine Gesundheitsgefährdung. Die Angst mancher Menschen in Bezug auf Fluoride erklärt sich Prof. Dr. Zimmer wie folgt: "Die Skepsis einiger Menschen gegenüber Fluorid ist möglicherweise das Ergebnis einer Begriffsverwechselung. Fluorid ist nicht gleich Fluor. Fluor ist tatsächlich giftig, Fluorid hingegen ein wichtiges Spurenelement für den Körper."

Dennoch kann eine Überdosierung Symptome wie Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Jedoch kann dies bei normalem Zahnpastagebrauch wie er vorgesehen ist, nicht passieren. Die Mengen, die beim Ausspülen später geschluckt werden, sind dafür einfach zu gering. Fluoride gehören zudem zu den weltweit am gründlichsten untersuchten Medikamenten, und gelten als ungefährlich wenn sie korrekt eingenommen werden. Die Fluoridzufuhr kann aber wie oben genannt auch übertrieben werden. Neben Zahnpasta können auch Mundspülungen, fluoridiertes Speisesalz, bestimmte Mineralwasser und natürliches Trinkwasser Fluoride enthalten – und eben auch Fluoridtabletten. Eine Überdosierung kann also trotzdem auftreten, vor allem wenn Fluoride geschluckt werden. Aus geeignete Menge gilt – auch für Kinder – eine Zufuhr von 0,05 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht. Sobald Kindern die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta die Zähne geputzt werden, sind Fluoridtabletten im Grunde nicht mehr nötig.

Aufnahme vor allem über Trinkwasser und Nahrung

Über Lebensmittel wird die Aufnahme von Fluoriden auf 0,4 bis 0,6 mg/Tag geschätzt. Vor allem Nüsse, Vollkornprodukte oder Fische mit Gräten enthalten das Spurenelement. Insgesamt liegt die Fluoridaufnahme aus allen Zufuhrquellen laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) bei bis zu 2,1 mg/Tag. Laut europäischer Lebensmittelbehörde EFSA liegt der Wert der maximalen täglichen Nährstoffmenge ohne gesundheitliche Folgen, die "tolerierbare tägliche Zufuhrmenge", englisch Upper Level (UL) bei 0,1 mg pro Kilogramm Körpergewicht – das ergibt für Erwachsene rund 7 mg täglich.

Fluoridvergiftungen sind äußerst selten, kommen aber durchaus vor – sie werden aber vor allem bei fehlerhafter Fluoridierung des Trinkwassers beobachtet. Trinkwasser ist hierzulande aber das am besten kontrollierte Lebensmittel. Sollten Sie Fragen dazu haben, können Sie sich bei Ihren Stadtwerken zu informieren.

Im Gegensatz zum chemischen Element Fluor sind Fluoride Fluor-Verbindungen, und zwar Salze. Fluor selbst ist giftig, aber so reaktionsfreudig, dass es sich sehr schnell mit anderen Elementen zu Fluoriden verbindet.

Fluoride sind Bestandteil von Zähnen und Knochen. Da Zähne etwa durch Säuren angegriffen und der Zahnschmelz gelöst wird, ist ein Zuführen von Fluoriden zum Erhalt der harten Zahnbarriere wichtig – sonst wird die Zahnsubstanz irgendwann spröde. Um Karies vorzubeugen und den Zahnschmelz zu schützen und zu härten, sind Zahnpasten daher Verbindungen wie Aminfluorid, Natriumfluorid, Natriummonofluorphosphat oder Zinnfluorid zugemischt. Grundlegend für eine gute Kariesprophylaxe ist aber vor allem auch das regelmäßige Zähneputzen an sich sowie die richtige Zahnputztechnik und eine gesunde, ausgewogene Ernährung.

Machen Sie doch mal den Test: Wie gut ist Ihre Zahnpflege?

Mehr Informatives zum Thema Zahngesundheit finden Sie auf unserer Themenseite.

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