08.04.2020 - 19:50

Experimente vs. Realität "Keine sichere Barriere": Wie virendurchlässig sind Baumwollmasken?

Joggen, Oberflächen, Masken: Alles über Ansteckungsgefahren
Di, 31.03.2020, 10.38 Uhr

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Experimente zeigen: Baumwollmasken und chirurgische Gesichtsmasken halten Coronaviren nicht auf, wenn der Träger stark hustet. Warum sie trotzdem sinnvoll sind und die Mitmenschen schützen und was Erkrankte sowieso tun sollten, lesen Sie hier.

Atemschutzmasken mit Filter sind absolute Mangelware – und sollten allein deshalb denen vorbehalten sein, die sie zwingend brauchen, also vor allem Klinikpersonal, das sich um an Covid-19 erkrankte Menschen kümmert. Jedoch schützen auch chirurgische Gesichtsmasken und selbstgenähte Baumwollmasken – allerdings nicht den Träger, sondern die Mitmenschen.

Dass es dabei jedoch Einschränkungen gibt, zeigen Experimente. Demnach können Coronaviren auch durch eine solche Maske dringen, wenn sie husten. Aber: Jeder Schutz anderer ist besser als gar kein Schutz. Zudem sollten Erkrankte sich sowieso von anderen Menschen fernhalten! Bevor Sie also weiterlesen, eine dringende Bitte: Lassen Sie die Profi-Masken den Menschen in der Klinik, greifen Sie ruhig weiter auf selbstgenähte Masken zurück und bleiben Sie bei Krankheitssymptomen bitte mindestens über die Dauer der Symptome anderen Menschen fern!

Viren können durch Masken hindurchdringen: Das zeigen Experimente

Ob Masken vor Mund und Nase nun schützen, und wenn ja, wen, wird zurzeit noch immer stark diskutiert. Der Bevölkerung wird nun vermehrt angeraten, etwa selbstgemachte Masken aus Stoff zu tragen, um andere zu schützen. Das kann auch tatsächlich helfen, denn eine Eigenart des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 ist, dass man trotz Infektion nicht immer Symptome der Krankheit Covid-19 verspürt und man auch vor Auftreten eventueller Symptome bereits hochansteckend sein kann. Das liegt an der besonders hohen Viruslast im Rachen der Infizierten. Es können sich also etwa beim Sprechen oder über die Atemluft Viren in einem gewissen Umkreis vor dem Infizierten verteilen. Zwar sinken die recht schnell zu Boden, aber eine mögliche Gefahr für andere ist da.

Warum ein an Covid-19 erkrankter Mensch, der bereits Symptome entwickelt hat und stark hustet, trotz einer solchen Mund und Nase bedeckenden Maske dennoch andere anstecken kann, zeigen aktuelle Experimente eines Teams rund um Sung-Han Kim vom Asan Medical Center in Seoul in Südkorea. Dort gelten Baumwollmasken in der Bevölkerung als äußerst beliebt. Das Forscherteam hat nun sowohl chirurgische Einweg-Masken als auch Baumwollmasken an vier an Covid-19 erkrankten Menschen getestet.

Versuche unter Laborbedingungen: So wurde getestet

Jeder der vier Patienten sollte jeweils fünf Mal auf eine Petrischale genau 20 cm vor seinem Gesicht husten – das Ganze vier Mal:

  • 1. Versuch ohne Maske
  • 2. Versuch mit chirurgischer Maske
  • 3. Versuch mit Baumwollmaske
  • 4. Versuch erneut ohne Maske

Außerdem wurde die mittlere Viruslast der Teilnehmer vor dem Experiment in Form eines Abstriches und Speichelprobem ermittelt und mit den Werten der Petrischale-Proben verglichen.

Es zeigte sich: Beim Husten durch eine chirurgische Maske wurden kaum weniger Viren gefunden als beim Husten ohne Maske. Beim Husten durch eine Baumwollmaske hatte sich die Virenlast etwas mehr beschränkt. Dennoch kommen die Forscher zum Schluss, dass die Coronaviren vom Typ Sars-CoV-2 bei genügend Geschwindigkeit auch durch diese Gesichtsmasken hindurchdringen können. Interessanterweise wurden die Viren bei allen Patienten auf der Außenseite der Masken gefunden, nicht auf der Innenseite. Warum das so war, bleibt ungeklärt.

Versuche haben gravierende Schwächen: Darum helfen Masken trotzdem

Im Vergleich dazu steht aber eine Untersuchung an Patienten, die mit saisonalen Coronaviren infiziert waren. Diese wurden im Versuch von chirurgischen Gesichtsmasken aufgehalten. Ob diese Viren vielleicht eine andere Größe haben als Sars-CoV-2, ist bisher unklar. Aber auch in der Methodik gab es einen großen Unterschied: Es wurde hier nicht in Petrischalen gehustet, sondern die Atemluft mit einem speziellen Gerät gemessen. Daher könnte es sein, dass die Masken die Viren beim ganz normalen Ausatmen aufhalten und nur der großen Beschleunigung der Partikel beim Hustenreiz nicht standhalten.

Ein Kritikpunkt an den Ergebnissen der Studie ist außerdem die sehr geringe Probandenzahl. Und auch die Angabe der Ergebnisse erfolgte unzulänglich und missverständlich. Außerdem ist bisher noch immer nicht bekannt, welche Mindestmenge an Viren für eine Infektion notwendig ist. Solange das noch nicht klar ist, sollten wir sowieso davon ausgehen, dass sich auch Menschen über Aerosole durch die Atemluft anstecken können – und die können durch Stoffmasken durchaus aufgehalten werden. Welche Maske wem hilft und wie gut selbstgemachte Exemplare sind, lesen Sie auch hier.

Eine Übersicht gibt auch das Portal vergleich.org:

Zudem gilt: Je fester eine Maske gewebt ist, desto weniger lässt sie Partikel durch. Dies verdeutlicht auch noch einmal den Unterschied zwischen chirurgischen Masken und genähten Stoffmasken. Wird bei letzteren auf einen sehr festen Baumwollstoff zurückgegriffen, wird zwar das Atmen schwerer, aber der Stoff ist auch undurchlässiger. Weiterer Pluspunkt: Zwerchfell und Lunge werden trainiert – für kurze Wege zum Einkaufen können solche Masken geeignet sein. Bei Stoffmasken gilt: Bitte regelmäßig bei mindestens 60 °C waschen. Auch Bügeln hilft beim Desinfizieren! Corona-Krise: So nähen Sie Ihren eigenen Mundschutz

Und ganz wichtig: Sollten Sie starke Symptome einer Coronavirus-Infektion verspüren, bleiben Sie bitte zu Hause und halten Sie sich, so gut es geht, auch von Ihren Familienmitgliedern fern!

Ansonsten: Viel lüften und ja, auch ruhig mal an die frische Luft gehen – dabei aber Abstand zu anderen halten! Mehr über die Coronavirus-Pandemie lesen Sie auf unserer Themenseite.

Hier finden Sie außerdem die koreanische Studie zur Maskendurchlässigkeit in englischer Sprache.