28.03.2020 - 09:22

Forscher erklären Schwächt dieses lebenswichtige Gewürz unser Immunsystem?

Pizza noch nachsalzen? Keine gute Idee. Forscher haben herausgefunden, dass ein Zuviel an dem Mineralstoff die Immunabwehr gegenüber Bakterien senken kann.

Foto: iStock/webphotographeer

Pizza noch nachsalzen? Keine gute Idee. Forscher haben herausgefunden, dass ein Zuviel an dem Mineralstoff die Immunabwehr gegenüber Bakterien senken kann.

Wissenschaftler aus Bonn haben herausgefunden, dass zu viel Salz das Immunsystem schwächen kann. Das widerspricht vorherigen Forschungsergebnissen.

Gut für die Abwehr oder doch nicht? Forscher des Universitätsklinikums in Bonn haben in einer Studie herausgefunden, dass eine zu salzreiche Kost die Immunabwehr zu hemmen scheint. Die Ergebnisse ihrer an Mäusen und Menschen durchgeführten Tests veröffentlichten sie im Fachmagazin "Science Translational Medicine". Demnach scheint ein zu hoher Salzkonsum die Fähigkeit bestimmter Immunzellen im Kampf gegen bakterielle Erreger zu schwächen – und zwar gleich doppelt: Infektionen können schwerer verlaufen und langsamer heilen, berichten die Wissenschaftler. Die Studie bezieht sich allerdings rein auf bakterielle Infektionen – ob dies auch für Viren gilt, ist bislang nicht erforscht.

Salz kann die Immunabwehr schwächen: Wir brauchen Salz – aber nicht zu viel

Salz ist wichtig für den Körper. Der wasserlösliche Mineralstoff Natriumchlorid, eine Verbindung aus positiv geladenen Natrium- und negativ geladenen Chlorid-Ionen, sorgt im Körper für eine ausgeglichene Flüssigkeits- und Nährstoffbalance. Nur so können Wasser und Mineralstoffe sowie Spurenelemente in Zellen aufgenommen und von ihnen abgegeben werden. Bei zu niedriger Salzkonzentration nehmen Zellen zu viel Wasser auf, bei zu hoher Konzentration zu wenig – salopp gesagt. Ohne Salz geht es also nicht. Zu viel ist aber auch nicht gesund und so wird Salz unter anderem auch mit hohem Blutdruck oder schwindender Gedächtnisleistung in Verbindung gebracht.

Dass zu viel Salz im Körper aber auch die Immunreaktion gegenüber Bakterien schwächt, ist relativ neu. Dabei gab es auch schon Studien darüber, dass Salz den Heilungsprozess bei Infektionen mit bestimmten Hautparasiten beschleunigen kann.

Forscher haben sich Infektionsverlauf angesehen

"Der Effekt von Salz auf das körpereigene Abwehrsystem wird kontrovers diskutiert und es ist noch immer unklar, wie sich hohe Natriumchloridwerte auf die unterschiedlichen Populationen von Immunzellen auswirken", erklären Katarzyna Jobin vom Universitätsklinikum Bonn und ihre Kollegen. Um das also herauszufinden, haben sich die Wissenschaftler den Einfluss salzreicher Kost auf den Verlauf bakterieller Infektionen angeschaut.

Der erste Versuch wurde mit Mäusen durchgeführt, die eine Woche lang mit übermäßig salzhaltiger Nahrung gefüttert wurden. Dann wurde ihnen eine Harnwegsinfektion über E-Coli-Bakterien zugeführt: Im Vergleich zu normal oder salzarm ernährten Mäusen verlief die Infektion der mit Salz gefütterten Tiere deutlich dramatischer.

In einem zweiten Versuch wurden mit viel Salz gefütterte Mäuse einer Listerien-Infektion ausgesetzt. Listerien sind Keime, die etwa in Lebensmitteln vorkommen können und auch beim Menschen Fieber, Erbrechen und sogar Blutvergiftungen auslösen können. Auch hier kam das Immunsystem der Salz-Mäuse weit schlechter mit dem Erreger zurecht. "In Milz und Leber dieser Tiere zählten wir eine 100- bis 1000-fache Menge der krankmachenden Keime“, berichtet Jobin. Anscheinend spielt die Reaktion der Nieren auf zu viel aufgenommenes Salz hier eine wichtige Rolle. Denn Salz wird im Körper außer auf der Haut nicht angereichert, die Nieren müssen es herausfiltern, es wird dann über den Urin ausgeschieden – über einen speziellen Natriumchlorid-Sensor in den Nieren.

Unerwünschter Nebeneffekt stört Immunabwehr

Wird aber viel Salz ausgeschieden, werden anscheinend, so die Forscher, bestimmte Enzyme, die die Vorläufersubstanzen sogenannter Clucocorticoide verarbeiten, nicht mehr ausreichend produziert. Daraufhin werden zu viele Biomoleküle freigesetzt, die dem Stresshormon Cortison ähnlich sind. Und Cortison wird in der Medizin, wie wir wissen, zur Unterdrückung von Entzündungen – Immunreaktionen – eingesetzt. Unter anderem haben die Forscher herausgefunden, dass diese wie Cortison wirkenden Biomoleküle auch Immunzellen der angeborenen Immunabwehr stören, sogenannte Neutrophilen Granulozyten.

Außerdem produzieren die Nieren bei erhöhter Salzausscheidung vermehrt Harnstoff, der wiederum die antibakterielle Aktivität solcher Immunzellen hemmt. Diese Zellen attackieren als Fresszellen vor allem Bakterien: "Wenn sie das nicht in ausreichendem Maße tun, verlaufen Infektionen weitaus heftiger", heißt es in einer Mitteilung des Forscherteams.

Also zweifache Sabotage der körpereigenen Abwehr gegen Krankheiten auslösende Bakterien: Einmal durch die Glucocorticoide und einmal durch den Harnstoff – so die Forscher.

Untersuchungen bei Menschen: Salzkonsum während bakterieller Infektionen einschränken?

In weiteren Tests haben die Forscher den Zusammenhang zwischen Salz und Immunabwehr auch bei Menschen untersucht. Zehn freiwilligen Probanden wurde Blut abgenommen, dann sollten sie eine Woche lang sechs Gramm Salz zusätzlich zur normalen Ernährung am Tag zu sich nehmen. Zum Vergleich: "Das entspricht etwa der Menge, die in zwei Fastfood-Mahlzeiten enthalten ist – also zwei Burgern und zwei Portionen Pommes frites", erklärt Jobins Kollege Christian Kurts.

Dann wurde den Teilnehmern Blut abgenommen und daraus die Zahl der Granulozyten untersucht. Im Vergleich zur vorherigen Blutprobe ließ sich zeigen, dass die Immunzellen deutlich schwerer gegen Bakterien ankamen: "Diese Ergebnisse sprechen gegen einen hohen Salzkonsum, vor allem während bakterieller Infektionen", schließen die Wissenschaftler daraus.

Weitere Forschungen müssen aber nun folgen, um zu zeigen, ob sich eine salzreiche Kost auch bei Patienten mit schweren bakteriellen Infektionsverläufen negativ auswirkt und welche Infektionsarten das genau betrifft. Das Fazit der Forscher: Werde dabei klar, dass sich zu viel Salz tatsächlich messbar negativ auf die Heilung von Infektionen auswirkt, könne dies die Debatte um das richtige Maß beim Salzkonsum erneut entfachen. Außerdem muss noch herausgefunden werden, ob und inwiefern Salzkonsum sich auf virale Infektionen auswirkt.

Nichtsdestotrotz ist eine ausreichende Salzzufuhr für unseren Körper lebenswichtig. Salz an sich ist nicht ungesund, aber die Menge macht's. Wir nehmen im Schnitt zu viel davon zu uns. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine tägliche Salzaufnahme von 5 g am Tag bei Erwachsenen. Das ist etwa ein gestrichener Teelöffel voll, und den haben wir schnell intus. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt 6 g an. Deutsche konsumieren im Schnitt weit mehr, nämlich rund 8 g (Frauen) bzw. 10 g (Männer), so eine Salzstudie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Quelle: AAAS/ Universität Bonn; die Studie in englischer Sprache finden Sie hier. Und hier gibt es die Pressemeldung der Universität Bonn.

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