28.03.2020 - 09:12

Vorsicht vor zu viel Vitamin D Vitaminpillen gegen Coronavirus? Bitte nicht überdosieren!

Fit & gesund durch die Coronakrise
Mi, 18.03.2020, 22.18 Uhr

Fit & gesund durch die Coronakrise

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Derzeit kursieren Meldungen, dass Vitamin D gegen das Coronavirus schützen soll. Warum das zu viel versprochen ist und sogar gefährlich werden kann.

Vitamine stärken das Immunsystem. Das stimmt – aber es kommt auch immer darauf an, wie diese Vitamine eingenommen werden. Am besten kann der Körper damit umgehen, wenn sie über die Nahrung oder, im Falle von Vitamin D, über Sonneneinstrahlung ankommen. Aufgrund von Quarantäne und Ausgangsbeschränkung ist Letzteres aber zurzeit und in den kommenden Wochen gar nicht so einfach. Also zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen? Leider bringen die nicht immer etwas – und können sogar gefährlich werden. Mit Vitaminpillen gegen das Coronavirus ankämpfen ist also nicht die beste Idee.

Vitaminpillen zum Schutz vor dem Coronavirus?

Bei Überdosierung – und die ist bei Vitaminpräparaten schnell geschehen – kann das sogar gefährlich werden, vor allem im Fall von Vitamin D. Und vor allem auch vor dem Hintergrund, dass derzeit Meldungen kursieren, dass ein Vitamin-D-Mangel den Körper anfälliger für eine Infektion mit Sars-CoV-2 mache. Diese Meldungen sind nicht nur schwammig und möglicherweise falsch (man weiß genaue Hintergründe einfach noch nicht), sondern können auch gefährlich sein für die, die nun aufgrund mangelnder Sonneneinstrahlung durch mehr Zeit in der Wohnung und aus Angst vor einer Infektion aufgrund einer solchen Meldung zu Vitamintabletten greifen.

Gerade in Zeiten von Corona kann das insofern gefährlich werden, als dass Vitamin D ein fettlösliches Molekül ist, das in Zellen eindringen und dort die Gen-Funktion verändern kann, erklärt etwa die Immunbiologin Prof. Ingrid Förster aus Bonn gegenüber dem Kölner Express. Das sei aber ein zweischneidiges Schwert: "Es kann die Immunantwort sowohl fördern als auch unterdrücken."

Zu viel Vitamin D kann zu Nierenschäden führen

Dafür müssen wir verstehen, wie der Körper mit Vitamin D umgeht. Nur 20 Prozent des Vitamins nehmen wir über die Nahrung auf, der Rest stammt aus UV-Strahlung, die auf den Körper wirkt. Der Körper kann so selbst genau die Menge an Vitamin D produzieren, die er braucht. Dazu genügt es übrigens, Gesicht, Hände und Arme zwei bis dreimal in der Woche rund 10-15 Minuten lang dem Tageslicht, im besten Fall der Sonne auszusetzen. Der Körper speichert das Vitamin aber auch in Fett und Muskeln, so dass die Dosis im Winter durch Vorräte ausgeglichen werden kann. Eine Überdosierung über Sonnenlicht ist nicht möglich, da der Körper nur so viel Vitamin D herstellt, wie er benötigt. (Dennoch ist Sonnenschutz bei längerer Sonneneinstrahlung natürlich wichtig, um die Haut selbst vor Verbrennungen zu schützen!)

Über Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D können dem Körper aber zu viele Einheiten des Sonnenvitamins zugeführt werden. Das kann sogar zu Nierenschäden führen. Ähnlich verhält es sich übrigens mit dem ebenfalls fettlöslichen Vitamin A, das bei Überdosierung Haut- und Leberschäden herbeiführen kann.

Ähnliche "Fake News" zu Vitamin C

Die falschen Meldungen hören aber nicht auf. So kursieren auch Ratschläge, dass Vitamin C bei der Heilung von Covid-19 helfen könne, das würden Erfahrungen aus China zeigen. Doch wie genau Vitamin C auf das Immunsystem wirkt, auch das ist bis heute nicht vollständig geklärt. Was auf jeden Fall nicht hilft: Heiße Zitrone etwa, denn durch das heiße Wasser geht das Vitamin kaputt und wird unwirksam.

Immerhin weiß man heute, so heißt es seitens der Universität Bonn, die einen Schwerpunkt auf Immunologie und Ernährung hat, "dass Vitamin C die Freisetzung reaktiver Sauerstoffmoleküle hemmt. Aber: Das ist bei Infektionen eher erwünscht, weil es ein antibakterieller Mechanismus ist."

Allerdings ist Vitamin C im Gegensatz zu den Vitaminen A und D wasserlöslich und kann vom Körper ausgeschieden werden, wenn ein Zuviel davon vorhanden ist. Aufpassen solle man höchstens mit der Säurewirkung. Lutschtabletten könnten den Zahnschmelz schädigen.

Vitamine über die Nahrung sind und bleiben am wirkungsvollsten

Dass Vitamine die Abwehrkräfte stärken, ist dennoch klar. Unser Körper kann sie aber immer noch am besten über die Nahrung oder im Fall von Vitamin D über die Sonneneinstrahlung aufnehmen. Übrigens: Greifen Sie ruhig mehr auf Gemüse als auf Obst zurück. Das besitzt im Gegensatz zu Obst weniger Zucker, dafür aber mehr sekundäre Pflanzen- und Ballaststoffe.

Wer nicht in Quarantäne ist, darf die Wohnung bzw. das Haus verlassen. Auch der eigene Balkon oder Garten sind gestattet. Daher sollten wir uns auch in den aktuellen Pandemie-Zeiten immer mal etwas Sonne gönnen. Wer das nicht kann, sollte eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln immer ärztlich absprechen. Bitte greifen Sie nicht einfach zu Präparaten aus der Drogerie. Öko-Test hat herausgefunden: Vitamin D-Tabletten sind oft überdosiert. Ein Arzt sollte erst einmal feststellen, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt. Ist das der Fall, kann gezielt supplimiert werden. Vitaminmangel? Diese Symptome verraten, was Ihnen fehlt.

Wirklich helfen vor schweren Verläufen mit Covid-19 kann übrigens ein Rauchstopp! Außerdem immer hilfreich für das Immunsystem, auch außerhalb der Coronavirus-Zeiten: Gesunder Schlaf, ausreichend Bewegung und wenig Stress! Bleiben Sie gesund!