25.03.2020

Doping fürs Gehirn Wie gefährlich sind Smart Drugs wirklich?

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Tablette eingeworfen und schon steigt die Denkleistung? Klingt toll, kann aber gefährlich werden. Unter den Begriff "Smart Drugs" fällt aber noch viel mehr.

Foto: iStock/bbbrrn

Tablette eingeworfen und schon steigt die Denkleistung? Klingt toll, kann aber gefährlich werden. Unter den Begriff "Smart Drugs" fällt aber noch viel mehr.

Smart Drugs erobern deutsche Büros, Universitäten und den Alltag. Das Versprechen: Arbeiten einer Woche an wenigen Tagen verrichten. Was steckt dahinter?

Wie wäre es mit einem doppelten Espresso? Darf es auch etwas Methylphenidat (Ritalin) sein? Vom morgendlichen Kaffee bis zum Kopfschmerzmittel oder verschreibungspflichtigen Medikamenten versuchen Menschen aus allen Schichten und Berufen ihre Effektivität zu steigern. Die wachsenden Anforderungen der Leistungsgesellschaft, stramme Deadlines, Stress in der Uni: Wer hatte noch nicht den Wunsch, konzentrierter und effektiver zu sein? Doch sind Smart Drugs eine Lösung? Wie effektiv und wie gefährlich sind die leistungsanregenden Mittel?

Smart Drugs: Funktioniert Alltag noch ohne Drogen?

Medikamente zur Linderung alters- oder krankheitsbedingter Gedächtniseinbußen oder psychotischer Erkrankungen, auch Antidementiva genannt, können bei gesunden Menschen eine leistungssteigernde Wirkung haben. Dieser Fakt war laut einer DAK Umfrage bereits 2009 etwa der Hälfte der befragten Erwerbstätigen bekannt.

Heute hat sich der Trendbegriff Smart Drugs aus dem englischsprachigen Raum für Nootropika durchgesetzt. Das Versprechen, mit denen die meist illegalen Wunderdrogen angeboten werden: Die Gehirnleistung steigern, schneller und hoch konzentriert planen, effektiver arbeiten, mehr schaffen als andere.

Doping fürs Büro – die Idee ist alles andere als neu, legale und illegale Drogen werden schon seit Jahrhunderten genutzt, um effektiver zu arbeiten und besser zu regenerieren. Zeugen davon, dass der Mensch die zustandsändernde Wirkung diverser Substanzen nutzt, finden sich in der gesamten Geschichte der Menschheit.

Kokain, das der Marke Coca-Cola um 1900 den Namen gab und Büroangestellte in US Metropolen, die in den 1980ern während ihrer Mittagspausen Crack rauchten, bis hin zum Bierchen in der Mittagspause – legale und illegale Drogen sind so wie Medikamente ein Teil der Gesellschaft.

Wie funktionieren Smart Drugs?

Wie genau die smarten Drogen funktionieren, ist nicht immer belegt: Bei einigen Medikamenten kann zwar eine aufputschende Wirkung in Konzentrations- und Reaktionstests nachgewiesen werden, welche Teile des Gehirns stimuliert werden, bleibt allerdings oft ein Rätsel. Fraglich ist auch, bis zu welchem Teil Smart Drugs die Hirnleistung physisch steigern und welcher Teil der kognitiven Leistungssteigerung wie nach der Einnahme eines Placebos eintritt. Da die Medikamente für andere Aufgaben konzipiert sind, fehlen viele Ergebnisse bei der Forschung in Bezug auf Leistungssteigerung.

Einfach effektiver werden? Nutzer der Smart Drugs müssen mit Nebenwirkungen rechnen, die an harte Drogen erinnern. So beschreiben Menschen, die z. B. Modafinil (ein Medikament, das Narkolepsiepatienten verabreicht wird) zur Steigerung der kognitiven Fähigkeiten nutzen, eine aufputschende Wirkung. Der Hunger wird unterdrückt und das Einschlafen in der Nacht fast unmöglich. Also Symptome, die einem Amphetamin-Rausch ähneln. In einem Experiment der BBC beschrieb die Versuchsperson die Nebenwirkungen als intensiv und unangenehm, vergleichbar mit einem sehr wachen Hangover.

Welche Smart Drugs gibt es?

Smart Drugs werden in verschiedene Gruppen eingeteilt. Es gibt rein pflanzliche Wirkstoffe und synthetische Medikamente. Der Grad der Wirkung variiert: Während natürliche Mittel eine leicht stimulierende Wirkung nachgesagt wird, die oft wenig verhängnisvoll ist, zeigen synthetische Drogen im Vergleich größere Effekte und Nachteile.

Ein Tee kann doch aber nicht ungesund sein, oder? Ginkgo, Koffein und Tein, Nikotin oder Rhodiola Rosea sind pflanzliche Mittel. Sie sind meist nicht verschreibungspflichtig. Genutzt werden sie, um mal einen schlechten Tag oder einen Durchhänger auf der Arbeit, an der Uni oder im Alltag auszugleichen. Die Akzeptanz der Mittel ist hoch: Kaffee, Tee und Nikotin gehören zum gesellschaftlichen Alltag.

Doch obwohl sie aus Pflanzen gewonnen werden, sind diese Mittel zur Leistungssteigerung nicht immer gesund. Physische und psychische Abhängigkeit kann auftreten. Zum Beispiel ist das Krebsrisiko rund um Nikotin und Zigaretten oder Vaping-Produkte bekannt. Und welches deutsche Büro würde schon ohne Kaffee funktionieren?

Kritisch wirds aber vor allem hier: Verschreibungspflichtige Medikamente wie Modafinil, Adderal und Ritalin (Methylphenidat) gelten als affektiv und werden genutzt, um die kognitiven Fähigkeiten zu steigern. Wie ein Individuum darauf reagiert, welche konkreten Folgen und Nebenwirkungen auftreten, ist nur schwer abzuschätzen. Nicht gekennzeichnete Medikamente von Schwarzmarkt zu kaufen birgt zudem das Risiko, dass die Medikamente mit anderen Stoffen gestreckt wurden.

Smart Drugs, Abhängigkeit und gesundheitliche Folgen

Ob pflanzlich oder synthetisch – wie bei allen Drogen sind auch Smart Drugs nicht ohne Konsequenzen. Die Risiken sind psychische und physische Abhängigkeit, so wie eine Belastung der Organe durch die unnatürlichen Inhaltsstoffe der Medikamente. Von Medizinern begleitete Untersuchungen haben gezeigt, dass z. B. die Einnahme leistungssteigernder Pillen die Leber belastet und Stoffe abgesondert werden, die immer dann auftreten, wenn der Körper sich schnell reinigen möchte.

Sobald die Nutzung regelmäßig und über längere Zeit erfolgt, hat diese psychische Folgen: Schaffe ich meinen Alltag noch ohne die Smart Drugs? Was, wenn ich keinen Nachschub mehr bekomme? Um Anforderungen des Alltags gesund und ohne Konsequenzen zu meistern, gibt es ein klassisches Rezept, das immer funktioniert und mit dem Sie sogar Ihr Gedächtnis verbessern können: Ausgewogene Ernährung, frische Luft, genug Trinkwasser und eine gute Portion Schlaf sowie regelmäßige Entspannung und Stressbewältigung sind die wirksamste Grundlage für Erfolg. Nebenwirkung: Gesundheit, gute Laune und Kraft für den Alltag.

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