11.05.2020 - 10:15

Alle wichtigen Fragen Corona-Schnelltests aus der Apotheke: Was bringt er und wer übernimmt die Kosten?

Coronavirus: Was sind Antikörpertests?

Coronavirus: Was sind Antikörpertests?

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Die Corona-Epidemie hat auch Deutschland fest im Griff. Der Ruf nach schnelleren Tests und Selbsttests wird immer lauter. Was taugen solche aus der Apotheke, wie funktionieren sie und wer bezahlt sie?

Das Coronavirus hält die Welt in Schach, und die Verunsicherung ist groß: Ca. 80 Prozent der Infizierten haben geringe bis keine Symptome, andere Menschen erkranken schwer oder sterben sogar. Die Gesundheitsämter, Kliniken und Arztpraxen sind überlastet. Mit Nachdruck wird an Schnelltests gearbeitet. Jetzt sollen sie in die Apotheken kommen. Wir sagen Ihnen, was sie taugen, wie sie funktionieren, wer sie bezahlt und ob eine flächendeckende Testung sinnvoll ist.

Corona-Schnelltests aus der Apotheke: Das müssen Sie jetzt wissen

Es gibt jetzt viele Fragen zu den neuen Schnelltests: Sind sie aussagekräftig? Sollten sich alle Deutschen testen lassen? Wer übernimmt die Kosten für einen Test? Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen zu den Corona-Schnelltests aus der Apotheke.

Was bringt ein Schnelltest?

Viele Menschen erhoffen sich Sicherheit durch einen solchen Schnelltest. Der Grund: Wer eine Infektion hatte, kann annehmen, wahrscheinlich immun zu sein. Das Problem ist das Wort „wahrscheinlich“. Denn noch ist das nicht hundertprozentig bewiesen. Außerdem ist unklar, wie lange diese Immunität anhält und ob sie tatsächlich vor allen Varianten von Sars-CoV-2 schützt.

Ist ein Schnelltest überhaupt sinnvoll?

Viele offizielle Stellen raten von Schnelltests ab. Das Paul-Ehrlich-Institut kann über deren Zuverlässigkeit derzeit noch keine Aussagen treffen. Denn im Moment sind Hersteller selbst noch für die Zertifizierung zuständig und nicht etwas staatliche Stelle. Das macht die „Selbstzertifizierung“ nicht immer sicher. Außerdem geb es bei diesen Tests auch Fälschungen von Zertifikaten. Ein weiteres Problem sind die fehlenden allgemein anerkannten definierten Qualitätsstandards.

Corona: Wie gut funktionieren Schnelltests aus der Apotheke?

Die unerkannte Verbreitung ist das größte Problem zur Zeit. Viele Menschen tragen das Virus in sich, ohne es zu merken, und stecken andere damit an, bei denen es dramatische Verläufe nehmen kann. Ein Virologe hat zwar neue Symptome bei der Coronavirus-Infektion entdeckt. Diese zeigen sich aber erst in einem späteren Krankheitsverlauf. Ein Selbsttest zur Identifikation einer Infektion scheint da des Rätsels Lösung zu sein. Die ersten Selbsttests sollen nach Aussage der Experten bald in den Apotheken verkäuflich sein. Aber was taugen die Ergebnisse wirklich? Der Virologe Prof. Christian Drosten hat im NDR-Podcast dazu Stellung bezogen.

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Das sind die Gefahren bei den Tests

Zusammenfassend muss man also sagen, dass es, wenn Spezifität und Sensitivität nicht ausreichend sind, zu falsch positiven oder falsch negativen Ergebnissen kommen kann. Dabei wirken sich falsch positive Ergebnisse besonders stark aus. Denn, wem fälschlicherweise gesagt wird, er habe Covid-19 überstanden, wird im Zweifel leichtsinnig und steckt sich dann wirklich mit dem Coronavirus an und erkrankt stark.

Ein großes Problem sind sogenannte Kreuzreaktionen: Coronaviren sind keine Unbekannten. Viele hatten bereits mit älteren Varianten Kontakt, die in bestimmten Strukturen denen von Sars-CoV-2 ähneln. Wenn dann der Test Antikörper zeigt, die aber nicht wirklich vom aktuellen Virus Sars-CoV-2 stammen, sondern von einem anderen Coronavirus, ist das Ergebnis falsch positiv.

Anfangsphase der Infektion ausgeklammert

Der bekannte Virologe Christian Drosten spricht bei den Antikörpertests, die vor allem aus Asien kommen sollen und die Form von Schwangerschaftstest haben, von einer weiteren Problematik. Einerseits eine hohe Fehlerrate, andererseits die Beschaffenheit der Messung: "Wir testen ja hier nicht auf das Virus, sondern wir testen auf den Antikörper", erklärt er. Und darin läge das Problem, da die Antikörper erst nach einer Woche oder sogar zehn Tagen nachweisbar seien. Die Anfangsphase der Infektion wird also ausgeklammert, d.h. er kann negativ ausfallen, obwohl der Mensch den Virus schon in sich trage.

Werden die Kosten für Tests von den Krankenkassen übernommen?

Bisher zahlen die Kassen diese Tests nicht. Wer einen Test beim Arzt durchführen lässt, muss dafür selbst aufkommen. Wenn es aber mehr Tests in Deutschland gibt, ihre Aussagekraft bestätigt ist und es klar definierte Qualitätsstandards dafür gibt, werden Ärzte und Politiker mit den Krankenkassen über Kostenübernahmen verhandeln. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat dazu bisher aber noch keine Kriterien festgelegt.

Ist es sinnvoll alle Deutschen auf Antikörper zu testen?

Generell gibt es dafür ganz einfach zu wenig Kapazitäten. Das RKI startet aber nach eigener Aussage eine bundesweit repräsentative Stichprobe mit Antikörpertests, wie faz.net meldete. Damit will man herausfinden, wie viele Menschen in Deutschland eine Infektion tatsächlich durchgemacht haben und damit vermutlich immun sind. So kann man den Verlauf der Pandemie und auch die erforderlichen Maßnahmen besser abschätzen. Studienbeginn ist voraussichtlich Mitte Mai, heißt es von Seiten des Instituts. Erste Ergebnisse werden im Juni 2020 erwartet.

Fazit: Aktuell können die Antikörper-Tests auf das Coronavirus negativ ausfallen, obwohl eine Infektion vorliegt. Das macht im Zweifel leichtsinnig und wirft mehr Fragen auf als Antworten. Auch wenn uns bald Schnelltests in Apotheken angeboten werden, ist Vorsicht geboten. Lieber auf Nummer sicher gehen und mit dem Hausarzt sprechen, natürlich per Telefon und nicht persönlich.

Quelle: NDR Podcast, Deutsche Apothekerzeitung, Brigitte.de, faz.net

Die Verunsicherung bleibt also. Wie geht es im Kampf gegen das Coronavirus weiter? Gibt es einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Impfstoffs? Und braucht jetzt jeder einen Corona-Test? Die Bundeskanzlerin warnte am Mittwoch in einem eindringlichen Appell: "Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge".

Das sollten Sie bei einem begründeten Verdacht auf Ansteckung jetzt tun.

Sie wollen mehr erfahren? dann lesen Sie auf unserer Themenseite Coronavirus weiter. Und im Video haben wir die besten Tipps für eine gesunde Zeit für Sie zusammengestellt:

Fit & gesund durch die Coronakrise
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