Aktualisiert: 18.11.2020 - 12:42

Alle wichtigen Fragen Corona: Virenschleudern mit Antigen-Schnelltest entlarven

Corona-Schnelltests, sogenannte Antigen-Tests, können auch in der Apotheke gekauft werden. Sie sind hilfreich, geben aber keine vollständige Auskunft. Zum Entdecken von Superspreadern eignen sie sich aber oft gut.

Foto: iStock/jacoblund

Corona-Schnelltests, sogenannte Antigen-Tests, können auch in der Apotheke gekauft werden. Sie sind hilfreich, geben aber keine vollständige Auskunft. Zum Entdecken von Superspreadern eignen sie sich aber oft gut.

Seit einiger Zeit gibt's Corona-Schnelltests aus der Apotheke – und sie werden immer genauer. Was taugen diese Antigen-Schnelltests? Als alleinige Alternative sind sie fast nutzlos – doch sie können zumindest die Superspreader erkennen.

Das Coronavirus hält die Welt weiter in Schach, die Verunsicherung ist groß: Viele Infizierte haben geringe bis keine Symptome, andere Menschen erkranken schwer oder sterben sogar. Die Gesundheitsämter, Kliniken und Arztpraxen sind überlastet. Mit Nachdruck wurde und wird an Schnelltests gearbeitet. Doch Vorsicht: Nicht jeder Schnelltest ist gleich gut. Und ihre Genauigkeit hält sich in Grenzen. Wir sagen Ihnen, was sie taugen, wie sie funktionieren, wer sie bezahlt und ob eine flächendeckende Testung sinnvoll ist.

Corona-Schnelltests: Das müssen Sie jetzt wissen

Es gibt noch viele Fragen zu den neuen Schnelltests: Sind sie aussagekräftig? Sollten sich alle Deutschen testen lassen? Wer übernimmt die Kosten für einen Test? Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen zu den Corona-Schnelltests aus der Apotheke.

Antigen-Schnelltests zeigen: Wer ist ein Superspreader?

Schnelltests gibt es mittlerweile so einige, unter anderem einen Corona-Antigen-Schnelltest von Roche, bei dem das Testergebnis schon nach 15 Minuten feststehen kann. Laut Unternehmensmitteilung kann der Schnelltest ohne Laborinfrastruktur mit einem Nasen-Rachen-Abstrich durchgeführt werden, die Zuverlässigkeit sei hoch.

Das behaupten auch andere Testhersteller. Die kostengünstigen Tests sind meist sehr benutzerfreundlich und lassen sich, anders als ein PCR-Test, auch leicht von Laien durchführen. Doch an die Genauigkeit der Labor-Tests kommen auch die besten Antigen-Schnelltests nicht heran. Das zeigt jetzt eine Bewertung: Einige der Tests können zwar mit hoher Genauigkeit sagen, welche Menschen am infektiösesten sind. Doch sie schlagen nur an, wenn die Viruslast wirklich hoch ist. Und das kann sogar von der Qualität des Abstriches abhängen. Einen PCR-Test ersetzen sie damit nicht. Einen Vorteil haben sie trotzdem: Sie können zumindest Superspreader erkennen und damit die Ansteckungsgefahr für andere in Gruppen signifikant senken – aber trotzdem nicht gänzlich vermeiden. Das sollte jedem bei der Anwendung bewusst sein.

Wie funktioniert ein Schnelltest und wie sinnvoll ist er?

Ein Antigen-Schnelltest konzentriert sich auf spezifische Proteine – Antigene – auf der Oberfläche von Sars-CoV-2-Viren. Damit gehören diese Tests zu den diagnostischen Tests, wie auch der PCR-Test, der aber anders arbeitet: Er weist die virale RNA mit einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nach. Nicht zu verwechseln ist beides mit Antikörper-Tests, die Moleküle im Blut einst infizierter Menschen entdecken. Diese Antikörper entwickeln sich aber erst mehrere Tage nach der ersten Infektion und bleiben danach mehrere Wochen im Blut. Sie zeigen, ob jemand derzeit immun gegen das Coronavirus ist.

Das Ziel hinter den Antigen-Tests ist also diagnostischer Natur. Mit ihnen soll aber gar nicht jeder einzelne Infizierte gefunden werden – dafür sind die zu fast 100 Prozent genauen PCR-Tests da. Doch sie können die Testkapazitäten entlasten, indem sie zumindest die hochinfektiösen Infizierten erkennen.

Antigen-Tests sollen auch von medizinischem Personal durchgeführt werden, da sie wissen, wie sie den Abstrich vornehmen müssen. Auch dieser Test passiert über Nase und/oder Rachen. Die Probe wird mit einer Lösung vermischt, die das Virus, falls vorhanden, aufbricht und die Antigene freisetzt. Auf einem Papierstreifen mit einem Antikörper binden diese Proteine. Das positive Ergebnis zeigt sich dann anhand eines fluoreszierenden Leuchtens oder als dunkler Strich auf dem Papier, ähnlich dem eines Schwangerschaftstests.

Ist ein Schnelltest überhaupt sinnvoll?

Sinnvoll sind sie dann, wenn sie eine hohe Genauigkeit aufweisen, korrekt durchgeführt werden und nicht als vollwertiger Ersatz, sondern als Ergänzung gesehen werden. Sie eignen sich also etwa vor einer größeren Versammlung, zu der mehrere Menschen zusammenkommen. So können zumindest die Superspreader entdeckt und "herausgezogen" werden.

Wichtig dennoch: Ein Schnelltest bedeutet nicht, dass während der Veranstaltung auf Masken und Abstand sowie Lüften verzichtet werden kann. Es können trotzdem noch infizierte Personen anwesend sein, die eben nur keine besonders hohe Viruslast aufweisen, bei zu nahem Kontakt und ohne Schutz aber dennoch ansteckend sein können.

Corona: Wie gut funktionieren Schnelltests?

Die unerkannte Verbreitung ist das größte Problem zur Zeit. Viele Menschen tragen das Virus in sich, ohne es zu merken, und stecken andere damit an, bei denen es dramatische Verläufe nehmen kann. Ein Selbsttest zur Identifikation einer Infektion scheint da des Rätsels Lösung zu sein. Der Virologe Prof. Christian Drosten hat im NDR-Podcast dazu Stellung bezogen.

Er hat mit seinem Team mittlerweile die Leistungsfähigkeit von sieben kommerziell erhältlichen Schnelltests überprüft, etwa mithilfe der Proben positiv via PCR getesteter Menschen, aber auch mit Proben von Menschen, die an anderen Atemwegserkrankungen infiziert waren. Die Studienergebnisse gibt es derzeit noch im Preprint und müssen noch unabhängig geprüft werden.

Fünf der Tests waren empfindlich genug, um bei 95 Prozent der Testläufe das Virus Sars-CoV-2 zu entdecken, wenn genügend Viruslast vorhanden war. Die Viruskonzentration muss aber dennoch recht hoch sein – so wie sie in der ersten Woche der Symptome bzw. kurz vor deren Auftreten beobachtet wird. In dieser Zeit gelten Infizierte als am ansteckendsten.

Coronavirus-Test: Wichtige Fragen geklärt
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Das sind die Gefahren bei den Tests

Zusammenfassend muss man also sagen, dass es, wenn Spezifität und Sensitivität nicht ausreichend sind, zu falsch positiven oder falsch negativen Ergebnissen kommen kann. Das zeigte kürzlich etwa Elon Musk mit einer Beschwerde über Antigen-Selbsttests, von denen zwei positiv und zwei negativ waren.

Musk beklagte, er sei viermal mit einem Schnelltest getestet worden. Eine Wissenschaftlerin stellt als Antwort darauf aber sofort klar: "Antigen-Schnelltests tauschen Genauigkeit mit Geschwindigkeit. Sie geben zwar ein Ergebnis in weniger als 30 Minuten bekannt, können Covid-19 aber nur erkennen, wenn Sie sozusagen voller Viren sind."

Anfangsphase der Infektion ausgeklammert

Der bekannte Virologe Christian Drosten warnt zudem davor, die Antigen-Tests nicht mit Antikörper-Tests zu verwechseln, insbesondere den "Schnelltests", die aus Asien kommen sollen und die Form von Schwangerschaftstest haben. Einerseits eine hohe Fehlerrate, andererseits die Beschaffenheit der Messung: "Wir testen ja hier nicht auf das Virus, sondern wir testen auf den Antikörper", erklärt er. Und darin läge das Problem, da die Antikörper erst nach einer Woche oder sogar zehn Tagen nachweisbar seien. Die Anfangsphase der Infektion wird also ausgeklammert, d.h. er kann negativ ausfallen, obwohl der Mensch den Virus schon in sich trage.

Werden die Kosten für Tests von den Krankenkassen übernommen?

Bisher zahlen die Kassen diese Tests übrigens nicht. Wer einen Schnelltest beim Arzt durchführen lässt, muss dafür bisher noch selbst aufkommen. Das soll sich, geht es nach Christian Drosten, hoffentlich bald ändern PCR-Tests hingegen werden bei akutem Verdacht auf Covid-19 übernommen.

Schnelltests werden möglicherweise nach Aufheben der derzeit akuten Kontaktbeschränkungen relevant, wenn es darum geht, wieder größere Veranstaltungen stattfinden zu lassen, solange noch nicht genügend Menschen geimpft sind.

Wichtig dabei: Nur weil der Antigen-Schnelltest negativ ist, heißt das nicht, dass Sie nicht möglicherweise doch erkrankt sind. Es gibt nur einen Hinweis darauf, dass Sie vermutlich nicht hochgradig ansteckend und damit "Superspreader" sind. Aber auch das kann schon helfen, zusammen mit den bestehenden Schutzmaßnahmen (AHA+C+L-Formel), um zumindest die Treiber der Pandemie zu erkennen und das Infektionsgeschehen so nach und nach abzubremsen.

AHA-Regeln: Bringen die auch was gegen Grippe und Erkältung?

Die Verunsicherung bleibt. Wie geht es im Kampf gegen das Coronavirus weiter? Gibt es einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Impfstoffs? Und braucht jetzt jeder einen Corona-Test?

Das sollten Sie bei einem begründeten Verdacht auf Ansteckung jetzt tun.

Sie wollen mehr erfahren? dann lesen Sie auf unserer Themenseite Coronavirus weiter.

Coronavirus: Was sind Antikörpertests?
Coronavirus: Was sind Antikörpertests?

Studie: Drosten, Corman et al. (Preprint auf medRxiv, 2020): "Comparison of seven commercial SARS-CoV-2 rapid Point-of-Care Antigen tests"

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