18.06.2020 - 11:54

200 Mio. Dosen pro Jahr? Kampf gegen das Coronavirus: Curevac darf an Menschen testen

CureVac und Co.: So läuft die Suche nach dem Corona-Impfstoff

CureVac und Co.: So läuft die Suche nach dem Corona-Impfstoff

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Noch gibt es keinen Impfstoff, der die Pandemie, ausgelöst durch das Coronavirus, aufhalten könnte. Doch Unternehmen arbeiten fieberhaft daran, weltweit wird geforscht – das deutsche Unternehmen Curevac darf sein Produkt jetzt an Menschen testen!

Nichts scheint derzeit so wichtig wie das Entwickeln eines Impfstoffes, der die rasante Ausbreitung der Corona-Pandemie weltweit endlich aufhalten könnte. Und so arbeiten Pharma-Unternehmen seit Monaten fieberhaft daran, so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind inzwischen rund 150 Impfstoffprojekte angelaufen, immer mehr kommen dazu. Jetzt hat das Unternehmen Curevac die Genehmigung erhalten, mit der klinischen Prüfung seines Produkts an Testpersonen zu beginnen.

Arzneimittelentwickler Curevac darf Impfstoff an Menschen testen

Das Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, hat jetzt die klinische Prüfung eines Impfstoffs des Arzneimittelentwicklers Curevac gegen Covid-19 in Deutschland genehmigt. Das Verfahren sei in nur neun Arbeitstagen abgeschlossen worden, die vor einer klinischen Studie nötigen Voruntersuchungen seien erfolgreich verlaufen, heißt es von dort. Das potenzielle Nutzen-Risiko-Profils der Impfstoffkandidaten sei dabei sehr sorgfältig bewertet worden. "Die Erprobung von Impfstoffkandidaten am Menschen ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Zulassung von sicheren und wirksamen Impfstoffen gegen Covid-19 für die Bevölkerung in Deutschland und darüber hinaus."

Bei der klinischen Prüfung handelt es sich um eine sogenannte Phase-1-Prüfung mit insgesamt 168 gesunden erwachsenen Probanden, von denen 144 geimpft werden. Dabei erfolgt eine stufenweise Erhöhung der Dosis zur Ermittlung der generellen Sicherheit und Verträglichkeit – die Dosis soll geeignet sein, um eine Antikörper-Immunantwort beim Menschen zu erzeugen, die sich spezifisch gegen Sars-CoV-2 richtet.

Laut WHO nimmt Curevac damit die elfte weltweit genehmigte klinische Prüfung eines präventiven, spezifischen Covid-19-Impfstoffkandidaten am Menschen und die zweite in Deutschland vor. Schon Ende April hatte bereits das Mainzer Unternehmen Biontech die Genehmigung erhalten, seinen Wirkstoff an gesunden Freiwilligen zu testen.

Curevac-Impfstoff auf Basis von RNA entwickelt – was heißt das?

Bei dem Impfstoffkandidaten des Tübinger Biotechnologieunternehmens handelt es sich um einen RNA-Impfstoff. Wie das Paul-Ehrlich-Institut mitteilt, enthalten diese RNA-Impfstoffe Teile des Erbmaterials der Viren, die aus den Bauplänen für das gesamte Oberflächenprotein des Sars-CoV-2-Erregers oder eines Teils davon bestehen. Die RNA wird mit einem Hilfsstoff versetzt, so dass diese genetische Information nach der Impfung in einige wenige Körperzellen des Geimpften gelangt. Die RNA wird dort abgelesen, die entsprechenden Oberflächenstrukturen des Virus daraufhin hergestellt.

Während also bei vielen herkömmlichen Impfstoffen das Antigen selbst injiziert wird, wird beim RNA-Impfstoff die genetische Information gespritzt, was den Körper dazu veranlasst, das Antigen selbst zu bilden. Das Immunsystem reagiert auf diese gebildeten Proteine (Antigene) mit der Entwicklung spezifischer Abwehrstoffe, u.a. Antikörper. Bei einem späteren Kontakt der geimpften Person mit dem Sars-CoV-2-Erreger erkennt das Immunsystem die Oberflächenstruktur. So kann das Immunsystem das Virus gezielt abwehren und die Infektionskrankheit Covid-19 verhindern oder zumindest den Krankheitsverlauf mildern.

Niedrige Dosis könnte für 200 Mio. Menschen pro Jahr reichen

Wie Curevac mitteilt, könnten für den Impfstoff vermutlich zwei Mikrogramm ausreichen – andere Unternehmen hätten Tests am Menschen mit Wirkstoffstärken bis zu 100 Mikrogramm durchgeführt. Mit der niedrigen Dosis wäre eine Massenproduktion durchführbar: "Wenn wir bei zwei Mikrogramm bleiben, können wir in der bestehenden Produktionsanlage 200 Millionen Dosen im Jahr produzieren", sagte Curevac-Vorstand Mariola Fotin-Mleczek in einem Gespräch mit NDR und WDR.

Noch hat es kein Impfstoff auf Basis der RNA-Technologie zur Marktreife gebracht. Doch laut tagesschau.de seien viele Wissenschaftler überzeugt, dass es bald gelingen könnte. Auch die US-amerikanische Firma Moderna und die deutsche Firma Biontech arbeiten mit der Methode, beide haben ihren Impfstoff ebenfalls bereits an Menschen getestet.

Am Montag hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier bekanntgegeben, dass der Bund sich mit 300 Millionen Euro an dem Unternehmen beteiligen und rund 23 Prozent der Anteile übernehmen wolle. So solle auch eine mögliche Übernahme aus dem Ausland abgesichert werden. Auf Geschäftsentscheidungen wolle der Staat aber keinen Einfluss nehmen. Curevac gehörte bisher mehrheitlich der Investmentgesellschaft des deutschen Milliardärs und SAP-Gründers Dietmar Hopp. Zu einem kleineren Teil ist auch die Gates-Stiftung beteiligt.

So berichtete BILD der FRAU am 5. Mai:

Israelische Wissenschaftler wollen wirksamen Antikörper gegen Corona entwickelt haben

Wie die "Times of Israel" berichtet, ist es Wissenschaftlern des Israel Institute for Biological Research laut dem israelischen Verteidigungsminister Naftali Bennett gelungen, einen Antikörper zu isolieren, der "das krankheitsverursachende Coronavirus im Körper des Trägers neutralisieren" kann.

In dem Bericht heißt es weiter, die Entwicklung des sogenannten "monoklonalen neutralisierenden Antikörpers" sei abgeschlossen, das Institut habe jetzt veranlasst, ihn patentieren zu lassen: "In der nächsten Phase werden die Forscher an internationale Unternehmen herantreten, um den Antikörper im kommerziellen Maßstab produzieren zu lassen." Ob der entwickelte Impfstoff bereits an Menschen getestet worden ist, wurde allerdings nicht mitgeteilt.

Das Israelische Institut für biologische Forschung (Israel Institute for Biological Research, kurz IIBR) ist in den Bereichen Biologie, Pharmazeutische Chemie und Umweltwissenschaften forschend tätig. Es ist ein staatliches Institut und untersteht dem Büro des israelischen Premierministers. Benjamin Netanyahu hatte das IIBR vor rund drei Monaten mit der Aufgabe betraut, einen Impfstoff zu entwickeln.

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So berichtete BILD der FRAU am 14. April:

Forscher der Universität Oxford wollen Impfstoff gegen Corona im Herbst liefern

Eigentlich braucht es für die Marktreife eines Imfpstoffes, bis wirklich alle Etappen durchlaufen sind, etwa 15 bis 20 Jahre, heißt es beim vfa. Forscher der Universität Oxford haben jetzt aber verkündet, bereits im Herbst einen massentauglichen Impfstoff gegen das Coronavirus fertig zu haben. Wie die österreichische Seite "kosmo.at" berichtet, sei die an dem Projekt beteiligte Impfstoff-Expertin Sarah Gilbert sehr zuversichtlich, dass es im September einen Impfstoff geben werde. Erste Humantests sollen schon in den nächsten zwei Wochen starten.

Dass es in diesem Fall so schnell geht, liegt an der Tatsache, dass die Experten auf einen bereits bestehenden Impfstoff zurückgreifen, der schon vor Jahren gegen die Lungenkrankheit MERS entwickelt wurde. "Angesichts der Dinge, die wir bereits mit dieser Art von Impfung gemacht haben, denke ich, dass eine große Chance besteht, dass es funktioniert. […] Ich würde sogar von einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit sprechen", so Expertin Gilbert.

Schweizer Immunologe will ebenfalls Mittel im Herbst fertig haben

Auch der Schweizer Immunologe Martin Bachmann geht davon aus, dass er einen Impfstoff noch in diesem Herbst zur Verfügung stellen kann. Den Experten aus Bern stimmen erste Tests an Mäusen optimistisch, heißt es auf der Webseite des Senders "Br24". Der Immunologe ist sich sicher, dass das Mittel auch für Menschen nicht gefährlich ist: "Es ist nicht so, dass man sich mit dem Virus infiziert oder Moleküle spritzt, die replizieren. Das ist im Prinzip nur ein Protein. Viel kaputt machen kann man nicht."

Das von Martin Bachmann und seinem Team angewandte Mittel wird von Bakterien hergestellt. Es arbeite nach dem bewährten Prinzip bereits bekannter Impfstoffe, etwa denen gegen das Papillomvirus HPV oder Hepatitis B. Wenn die Zulassungsbehörden kooperativ seien, könne der Impfstoff bereits in einem halben Jahr zu Verfügung stehen. Für die benötigten Mengen müsse allerdings noch eine genetische Lösung gefunden werden.

Grundsätzlich besteht das große Problem der riesigen Mengen bei allen potentiellen Impfstoffen, selbst wenn sich die Wirksamkeit als absolut tauglich herausstellt. Und auch die finanzielle Lage ist bei solchen Ausmaßen für Unternehmen nicht ohne Risiko – da müsste auch der Staat tief in die Tasche greifen, um sie zu unterstützen.

Wenn jetzt die Corona-Lockerungen wirklich kommen , wäre es jedenfalls beruhigend zu wissen, dass ein Impfstoff auf dem Weg ist!

Schon vor rund drei Wochen gab es erste Meldungen, ein Impfstoff könne noch dieses Jahr kommen. Allerdings waren die Aussagen noch weniger präzise. So berichtete BILD der FRAU am 18. März 2020:

Firma CureVac arbeitet an Impfstoff – Haupteigentümer stellt Herbst in Aussicht

Das biopharmazeutischen Unternehmen CureVac mit Sitz in Tübingen könnte nach den Worten des Haupteigentümers Dietmar Hopp vielleicht schon im Herbst einen Impfstoff liefern. Im Interview mit "Bild" sagte er am 17. März: "Bei positivem Verlauf könnten wir ungefähr im Frühsommer mit klinischen Tests beginnen." Die EU hat CureVac Kredite von bis zu 80 Millionen Euro erteilt.

Mit den Tests und der Produktentwicklung ist das so eine Sache: Normalerweise nimmt so etwas Jahre in Anspruch. Aufsichtsrat Friedrich von Bohlen und Halbach sagte im Podcast des Journalisten Gabor Steingart zu der Frage, wann das Produkt am Markt sein könnte: "Ich glaube, das hängt davon ab, wie der Virus sich pandemisch verhält. Je aggressiver er ist, desto schneller werden die Behörden das zulassen. Je weniger pandemisch er sich verhält, desto mehr wird man sich hier nach den klassischen Vorgaben richten."

Doch ausgehend davon, dass Genehmigungen in Anbetracht der Sachlage schneller als sonst erteilt werden, gibt sich Dietmar Hopp sehr zuversichtlich: "Wir wären also in der Lage, den Impfstoff im Herbst zu liefern."

Unternehmen Biontech: Klinische Studien im April möglich

Das Mainzer Unternehmen Biontech arbeitet laut einem Bericht der ARD an einem hauseigenen Impfstoff auf Basis des Botenmoleküls Messenger-RNA (mRNA). Es könnte möglicherweise schneller entwickelt und hergestellt werden als herkömmliche Impfstoffe. Biontech plant die Herstellung des Impfstoffs für die klinischen Studien zusammen mit Partnerunternehmen in Europa. Diese Studien wurden vom Unternehmen bereits für April angekündigt. Finanziell unterstützt wird es vom chinesischen Arzneimittelhersteller Fosun Pharma.

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen
Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Moderna beginnt Impfstoff-Studien im März – Experten sehen rasantes Tempo kritisch

Das private US-Biotechunternehmen Moderna will noch schneller zu Ergebnissen kommen. So hat der Konzern, der mit dem amerikanischen National Institute of Health (NIH) zusammenarbeitet, bereits begonnen, seinen Impfstoff in klinischen Studien an 45 Menschen in Seattle zu erproben.

So schön sich das alle liest: Wissenschaftler und Experten sind laut ARD-Bericht skeptisch, was die Schnelligkeit bei der Entwicklung von Impfstoffen angeht. So ließe sich Studien zufolge vermuten, Coronavirus-Impfstoffe trügen das Risiko, dass der Impfstoff die Krankheit sogar noch verschlimmern kann, wenn sich geimpfte Personen mit Corona infizieren. Warum das so sei, wäre eben noch nicht erforscht und mache die Entwicklung funktionierender Impfstoffe auch so schwierig. Die gegebene Eile sei allerdings nicht hilfreich.

Der Tenor vieler Wissenschaftler: Bis ein erfolgreicher Impfstoff auf den Markt kommt, können noch an die 18 Monate vergehen.

Erster Test an Patientin mit möglichem Impfstoff

Doch die Zeit drängt eben – und so gibt es jetzt erste Berichte über eine freiwillige Testperson in den USA, die einen möglichen Impfstoff verabreicht bekommen hat, der vom Unternehmen Moderna und Forschern der nationalen Gesundheitsbehörde entwickelt und in Seattle durchgeführt wurde. Der Test sei in Rekordzeit entwickelt worden, so der am Test beteiligte Immunologe Anthony Fauci.

Und das ist ist die Krux daran: Die Zustimmung für Tests am Menschen erfolgt in der Regel erst dann, wenn sowohl die Sicherheit als auch die Wirksamkeit eines Stoffs zuvor an Tieren nachgewiesen wurden. Laut Anthony Fauci werden die weiteren Entwicklungen voraussichtlich aber auch noch mindestens ein bis anderthalb Jahre dauern.

Immerhin: Testperson Jennifer Haller fühle sich gut, sagte sie gegenüber dem "Time Magazine", nachdem sie die Spitze verabreicht bekommen hatte.

Bleibt zu hoffen, dass die Unternehmen einen guten Kompromiss zwischen verantwortungsvoller Entwicklung und der gebotenen Eile finden.

Hier finden Sie eine interaktive Karte zur aktuellen Ausbreitung von Sars-CoV-2 in Deutschland.

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Wie sich das Coronavirus anfühlt? Patienten berichten.

Wichtig bleibt: Versuchen Sie, möglichst zu Hause zu bleiben, und halten Sie die Hygieneregeln wie gründliches Händewaschen ein. So können Sie sich vor dem Coronavirus schützen.

So funktioniert übrigens der Test auf das Coronavirus

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