Aktualisiert: 16.09.2020 - 11:59

Reserven gehen zur Neige Geht Blut spenden! Erneut Engpässe befürchtet

Auch in Zeiten der Coronavirus-Krise sind die Krankenhäuser auf Blutspenden angewiesen. Das DRK bittet daher eindringlich um weitere Spenden und verrät, was dafür zu beachten ist.

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Auch in Zeiten der Coronavirus-Krise sind die Krankenhäuser auf Blutspenden angewiesen. Das DRK bittet daher eindringlich um weitere Spenden und verrät, was dafür zu beachten ist.

Mit der Angst vor einer Infektion mit Covid-19 gehen noch immer zu wenige Menschen zur Blutspende. Gleichzeitig wird aber durchweg mehr Spenderblut benötigt. Das DRK wendet sich daher mit einer Bitte an die Bevölkerung.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) befürchtete bereits im März einen Mangel an Blutspenden angesichts des Coronavirus Sars-CoV-2 und der damit ausgelösten Krise. Und jetzt schlagen auch andere Gesellschaften Alarm. Das Spenderblut wird knapp – doch die Möglichkeiten der Blutspende sind auf die Corona-Krise und die Hygieneauflagen angepasst. Daher die Bitte an die Bevölkerung: Bitte weiter Blut spenden gehen!

Trotz Corona-Krise: So spenden Sie Blut!
Trotz Corona-Krise: So spenden Sie Blut!

Blutspende trotz Corona? Bevölkerung noch immer zögerlich

"Die Versorgung mit lebensrettenden Blutpräparaten ist derzeit noch auf niedrigstem Niveau gesichert", hieß es bereits im März seitens des medizinischen Geschäftsführers des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost, Torsten Tonn. Kurzzeitig konnte nach diesem Aufruf ein erhöhtes Spenderaufkommen verzeichnet werden, die Vorräte konnten aufgestockt werden. Doch die Reserven sinken, zudem ist frisch gespendetes Blut nur begrenzt haltbar: Im Gegensatz zu Erythrozytenkonzentraten sind Thrombozytenkonzentrate nur vier bis fünf Tage zu gebrauchen, daher ist man auf durchweg konstante Spendenzahlen angewiesen.

Auf die Notwendigkeit von Blutspenden machte jetzt erneut die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) im Vorfeld ihres diesjährigen virtuellen Jahreskongresses aufmerksam.

Ein Problem an der Sache sei allerdings auch, dass es in Deutschland keine zentrale Überwachung der Blutvorräte gebe, erklärte in diesem Rahmen Hermann Eichler, der 1. Vorsitzende der DGTI. Er plädiert daher: "Wir brauchen nicht nur ein Monitoring des Spenderaufkommens, sondern auch ein Monitoring des Verbrauchs von Blutproduk­ten, der regional sehr unterschiedlich ist.“ Daher strebe die DGTI an, dass diese Daten gesetzlich verpflichtend erhoben werden.

Ein weiteres Problem sei der demographische Trend in Deutschland, denn viele Spender werden langsam zu alt. Zudem sei die Sommerzeit traditionell weniger Zeit der Blutspende, hieß es im Vorfeld der Tagung.

Zur Blutspende gehen ist auch in der Krise sicher

Eichler betonte, wie auch bereits Tonn vom DRK damals, dass niemand Angst vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 bei der Blutspende haben müsse: "Für Blutspendetermine galten schon immer hohe Hygienevorschriften, die in der Pandemie aber nochmals verschärft wurden."

Auch aufgrund der bevorstehenden Grippewelle ist man verstärkt auf Blutspender angewiesen. "Sie können spenden, wenn Sie sich gesund und fit fühlen", heißt es auf der Seite des DRK Nord-Ost. Menschen mit grippalen oder Erkältungssymptomen würden generell nicht zur Blutspende zugelassen. Wer außerdem den Verdacht hege, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, solle nicht zum Blutspendetermin kommen, sondern den Hausarzt konsultieren. Beim Blutspendetermin werde nicht auf Covid-19 getestet.

Und auch gebe es keine Gefahr, sich über Blutprodukte mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zu infizieren, betonte Eichler am Ende: "Bislang ist kein Fall einer Coronavirusübertragung durch Blut oder Blutprodukte bekannt geworden. Der Hauptübertragungsweg von Sars-CoV-2 ist die Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch."

Blutspende nach Auslandsaufenthalten und Coronavirus-Kontakten

Ein wenig anders sieht das Ganze allerdings für Reiserückkehrer aus: Nach Auslandsaufenthalten gibt es häufig Sperrfristen bis zur nächsten Blutspende: Je nach Reiseziel, Aufenthaltsdauer und Reisezeit liegen diese zwischen vier Wochen und sechs Monaten nach Rückkehr. Für vier Wochen nach Rückkehr werden Personen, die aus folgenden Regionen zurückgereist sind, gesperrt:

  • Europa: Italien, Frankreich – Region Grand Est (diese Region enthält Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne), Österreich (Bundesland Tirol), Spanien (Madrid),
  • Asien: Iran, China (Provinz Hubei, inkl. Stadt Wuhan), Südkorea (Provinz Gyeongsangbuk-do, Nord-Gyeongsang),
  • Amerika: USA (Bundesstaaten Kalifornien, Washington und New York)

Auch wer Kontakt zu einem Covid-19-Patienten oder einem Verdachtsfall hatte, muss vier Wochen bis zur nächsten Blutspende warten. Wer an Covid-19 erkrankt ist, muss für drei Monate nach Ausheilung auf die Blutspende verzichten.

Problematisch leider weiterhin: Trotz befürchteten Engpässen dürfen homosexuelle Menschen noch immer nicht zur Blutspende – dabei ist das Konzept längst veraltet. Immerhin scheint sich da etwas zu bewegen.

Das DRK weist außerdem darauf hin, dass man sich auch weiterhin problemlos draußen aufhalten kann, sofern genügend Abstand herrscht. Dazu rät übrigens auch Charité-Chefvirologe Christian Drosten. An der frischen Luft ist eine mögliche Virenkonzentration am geringsten. Wer ungern mit den Öffis fahren möchte, die langsam wieder voll werden, kann nach Möglichkeit mit dem Fahrrad oder zu Fuß oder eben mit dem eigenen Auto zur Blutspende fahren. So schützen Sie sich vor dem Coronavirus!

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