19.03.2020

Ibuprofen, Discounterschließungen Coronavirus-Angst: Vorsicht vor Fake News!

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Vorsicht vor Falschnachrichten. Die Corona-Angst wird für "Fake News" missbraucht. Wir stellen richtig!

Foto: iStock [M]

Vorsicht vor Falschnachrichten. Die Corona-Angst wird für "Fake News" missbraucht. Wir stellen richtig!

Wie hängen Ibuprofen, vermeintlich veränderte Discounter-Öffnungszeiten und das Coronavirus zusammen? Fake News! Diese Falschmeldungen kursieren im Netz.

Ein Zusammenhang zwischen Ibuprofen und Coronavirus? Eingeschränkte Öffnungszeiten bei den Discountern? So geistern zur Zeit Meldungen vor allem über den Messenger WhatsApp und im Internet herum. Unverantwortliche Menschen schüren die Ängste in Zeiten der Coronavirus-Epidemie. So erkennen Sie "Fake News" und so schützen Sie sich davor.

Coronavirus-Angst: Vorsicht vor "Fake News"!

"Hallo, hier ist Elisabeth, die Mama von Poldi"... so beginnt die WhatsApp-Sprachnachricht. In der Sprachnachricht behauptet eine junge Mutter, Ibuprofen verursache schwere Verläufe und eine hohe Sterblichkeit durch die Lungenerkrankung Covid-19, die durch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht wird. Woher diese Information stamme, beantwortet sie ebenfalls: Von einer Freundin, die an der Universität Wien arbeite. Es gebe "sehr stichhaltige Beweise, dass Ibuprofen die Vermehrung des Virus beschleunigt".

Eine Warnung in den sozialen Medien, eine Ibuprofen-Einnahme sorge für schwere Covid-19-Verläufe, verängstigte vor ein par Tagen Tagen die Bevölkerung. Die Quelle solle ein angebliches Forschungsergebnis der Universität Wien sein. Darauf twitterte am Samstagmittag die Universität: Alles falsch!

Uni Wien spricht von "Fake News"

"Achtung, bei den derzeit kursierenden WhatsApp-Text- und Sprachnachrichten rund um angebliche Forschungsergebnisse der 'Wiener Uniklinik' zu einem Zusammenhang zwischen Ibuprofen und Covid19 handelt es sich um #FakeNews, die in keinerlei Verbindung mit der #MedUniWien stehen." so tweetet die MedUni Wien.

Im Gespräch mit RTL bestätigte der Leiter der Virologie am Universitätsklinikum Bonn, Prof. Dr. Hendrik Streek, es gebe keinen erwiesenen Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und der Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen.

Update vom 19.03.: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Warnung vor der Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus nun zurückgenommen. Die Begründung: Die Experten hatten Studien und Ärzte konsultiert und "seien zu dem Schluss gekommen, dass es über die bekannten Nebenwirkungen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten gebe." Quelle: wz.de

Update vom 17.03.: Dennoch rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 17. März erst einmal Menschen mit Verdacht auf Covid-19 vor der Einnahme von Ibuprofen ohne ärztlichen Rat ab. Zwar gebe es keine neuen Studien, aus denen hervorgehe, dass das Schmerzmittel tatsächlich mit höherer Sterblichkeit verbunden sei, so WHO-Sprecher Christian Lindmeier in Genf. Doch Experten prüfen die Lage nun. "Wir raten, im Verdachtsfall Paracetamol und nicht Ibuprofen einzunehmen", ergänzt Lindmeier. Zumindest, wenn es sich um Einnahme ohne ärztlichen Rat handele. Auch Paracetamol wirkt übrigens fiebersenkend.

Jedoch gibt es eventuell einen Zusammenhang: "Ibuprofen hemmt die Blutgerinnung, das wäre ein möglicher Hinweis", so Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Das gelte umso mehr für Acetylsalicylsäure (ASS). Damit steige das Risiko für innere Blutungen. Bei Paracetamol sei das nicht der Fall.

Dennoch: die angebliche Meldung der Uni Wien bleibt eine Meldung, die nicht von der Universität herausgegeben worden ist.

Gesundheitsministerium warnt vor Falschmeldungen

Auch das Gesundheitsministerium warnt auf Twitter vor "Fake News" und Panikmache. "Diese und ähnliche Falschinformationen verunsichern gerade viele Bürgerinnen und Bürger. Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen und sie richtig zu stellen. Lassen Sie uns gerade jetzt besonnen bleiben und einander auch unter Stress vertrauen."

"Fake News" über eingeschränkte Discounter-Öffnungszeiten

In sozialen Medien kursiert außerdem eine besonders fiese Falschnachricht, nach der Supermärkte und Discounter ihre Öffnungszeiten stark einschränken. Der Handelsverband und die Unternehmen haben diese Fake News umgehend dementieren – und appellieren an die Verbraucher.

Die Falschnachricht war ein Screenshot im Layout der Nachrichten-Website von Focus Online. Der Inhalt: Die großen Supermarkt- und Discounterketten wie Lidl, Rewe, Aldi und andere hätten sich auf neue Öffnungszeiten geeinigt. Somit sollten die Läden nur am Montag von 8 bis 10 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 10 Uhr und von 16 bis 18 Uhr geöffnet sein.

Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Deutschland (HDE) Stefan Genth unterstrich, dass nicht geplant sei, die Öffnungszeiten im Einzelhandel einzuschränken und dementierte die entsprechenden Informationen.

Diese Fake News kursieren zum Thema Corona. Bleiben Sie bei allen Informationen zunächst ruhig. Und informieren Sie sich bei seriösen Quellen. Informationen, die über Messengerdienste vertrieben werden, sollten Sie mit größter Vorsicht begegnen. Hier haben wir Ihnen einige verlässliche Informationen zusammengestellt.

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