11.03.2020 - 16:13

Facebook-Post zur Lage in Italien Coronavirus: Italienischer Arzt berichtet vom Ausnahmezustand

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sk

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Ein italienischer Assistenzarzt berichtet in einem Facebook-Post vom Ausnahmezustand im Krankenhaus und ruft zu mehr Verantwortungsbewusstsein in Zeiten des Coronavirus Sars-CoV-2 auf.

In Italien sind inzwischen mehr als 10.000 Menschen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert, über 630 Menschen sind dort bereits an den Folgen gestorben (Stand 11. März 2020). Der italienische Assistenzarzt Daniele Macchini ist im Krankenhaus "Humanitas Gavazzeni" in Bergamo (Lombardei) tätig, einer der am stärksten betroffenen Gegenden. In einem bewegenden Facebook-Eintrag schildert er, wie er die Pandemie wahrnimmt.

"Der Krieg ist buchstäblich explodiert und die Schlachten finden ununterbrochen statt, Tag und Nacht", schreibt Macchini. Mit "Krieg" meint er den Kampf gegen die vom Coronavirus ausgelöste Erkrankung "Covid-19". In den Tagen vor dem Ausbruch, herrschte in den Korridoren der Klinik habe "eine Atmosphäre surrealer Stille und Leere". Die Stationen wurden geleert, um möglichst viele Betten zu schaffen. Vor der Notaufnahme wurden Container für infizierte Ankommende aufgestellt, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden.

Es war die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Gerade hatte Macchini noch nervös auf das erste Testergebnis gewartet, wenige Tage später füllten sich die Stationen in rasantem Tempo. Die Menschen kamen mit Symptomen wie Fieber und Atembeschwerden, Fieber und Husten, Ateminsuffizienz usw. Plötzlich gab es nur noch eine Diagnose: beidseitige Lungenentzündung.

Coronavirus in Italien: Daniele Macchini warnt, "Covid-19" nicht zu unterschätzen

Vor allem ältere Menschen gehören zur Risikogruppe. Daniele Macchini: "Ich versichere Ihnen, wenn Sie junge Menschen sehen, die auf der Intensivstation landen, intubiert, […] oder schlimmer, am ECMO angeschlossen (einer Maschine für die schlimmsten Fälle, die das Blut extrahiert, es wieder mit Sauerstoff versorgt und es dem Körper zurückgibt, damit der Organismus Zeit hat, die Lungen zu heilen) – wenn Sie das sehen, ist Ihre Ruhe angesichts Ihres eigenen, jungen Alters vorbei."

Mit diesen Worten will der Assistenzarzt all jene warnen, die glauben, sie seien unverwundbar. Er warnt davor, diese "epidemiologische Katastrophe" zu unterschätzen. "Die Fälle nehmen zu, wir haben 15 bis 20 Krankenhauseinweisungen pro Tag, alle aus dem gleichen Grund. Die Ergebnisse der Tests kommen einer nach dem anderen: positiv, positiv, positiv", berichtet der Assistenzarzt.

Im Kampf gegen das Coronavirus geben die Ärzte alles

Unter dem Ansturm befindet sich das Krankenhaus im Ausnahmezustand. Die Stationen sind überfüllt, das gesamte Personal geht an seine Grenzen und darüber hinaus. Unter der extremen Belastung rücken die Kollegen zusammen, unterstützen sich gegenseitig. "Es gibt jetzt hier keine Unterteilung mehr nach Chirurgen, Urologen und Orthopäden – wir sind alle nur noch Ärzte, die versuchen, diesen Tsunami zu bekämpfen, der auf uns herabstürzt", schreibt der Arzt. Manche Krankenschwestern haben "Tränen in den Augen, weil wir nicht alle retten können".

Daniele Macchini liegt es fern, Panik zu schüren. Er meldet sich zu Wort, um zu einem verantwortungsbewussten Umgang aufzurufen. Dafür wählt er drastische Worte, die er an die Menschen richtet, die sich in ihrem Handeln eingeschränkt fühlen: "Haben Sie also auch Geduld, wenn Sie nicht ins Theater, in Museen oder ins Fitnessstudio gehen können." Er ruft alle dazu auf, sich der Vielzahl älterer Menschen zu erbarmen, die man nun mit unbedachtem Handeln, ja, töten könne.

Außerdem ruft er dazu auf, keine Profi-Atemschutzmasken zu kaufen, denn "diese sollten uns Ärzten dienen, und wir haben langsam Schwierigkeiten, welche aufzutreiben". Einige seiner Kollegen und ihre Familienmitglieder seien bereits infiziert, einige kämpfen sogar um ihr Leben.

Probleme in Norditalien: Keine Plätze auf der Intensivstation

Derweil gibt es weitere Meldungen aus Norditalien, vor allem aus der Lombardei: Dort befinden sich aktuell rund 500 Personen in intensivmedizinischer Betreuung – doch die scheint laut Giorgio Gori, Bürgermeister von Bergamo, immer schwieriger zu werden. "Auch die Zahl der Patienten in Intensivtherapie kann täuschen. Es scheint nur so, als ob der Anstieg sich abgeschwächt habe. Denn in der Realität gibt es aktuell keine Plätze auf den Intensivstationen mehr (es werden unter großer Mühe gerade neue geschaffen). Patienten, die nicht behandelt werden können, lässt man sterben."

Coronavirus in Deutschland

In Deutschland konnte Sars-CoV-2 bisher bei über 1.600 Menschen nachgewiesen werden, drei Tode hat die Krankheit Covid-19 gefordert (Stand 11. März 2020). Vor einer weiteren Ausbreitung haben immer mehr Menschen Angst. Eine interaktive Karte zeigt, auch in Deutschland gibt es viele weitere neue Fälle:

Hier finden Sie eine interaktive Karte über den aktuellen Stand der Infektionen mit Sars-CoV-2 sowohl in Deutschland, in Europa als auch weltweit.

Inzwischen sind alle Bundesländer betroffen. Die Infektionswege sind kaum zurückzuverfolgen. Umso wichtiger ist es, sich darüber zu informieren, wie man sich vor dem Coronavirus schützt. Symptome wie Fieberund Erkältungssymptome wie Husten und Atembeschwerden sollten ernst genommen werden.

Damit die Ausbreitung des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 weiter eingedämmt werden kann, plädierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dafür, Großveranstaltungen mit über 1000 Besuchern abzusagen. Und auch Schulen werden vermehrt geschlossen, Flüge abgesagt.

Vor lauter Nachrichten zum Coronavirus ist es kein Wunder, dass viele Menschen in Panik geraten. Die Psychologin Ulrike Scheuermann erklärt: Was macht die Angst vor dem Coronavirus mit uns?

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